1. Entstanden irgendwann während der 5. Staffel LOST.

    Entstanden irgendwann während der 5. Staffel LOST.

  2. Der, der sich das Traurigsein selbst beigebracht hat
Es gibt diese Tage, an denen du, ganz egal wie oft du dich eiskalt duschst, die Trägheit nicht runtergespült bekommst. Dann hat die Hitze dich nicht nur im Griff, sondern die Kontrolle über dein ganzes Selbst übernehmen können. Widerstand zwecklos. Benommen kriechst du durch den Tag und wartest auf Besserung. Unfähig, sogar etwas wie Ungeduld zu empfinden, bist du froh, wenn du dich nicht bewegen musst.
Auf dich gestellt, bleibt dir nichts anderes übrig, als dich mit dem auseinanderzusetzen, was es in deinem Kopf an vorderste Front geschafft hat. Pech, wenn das der Blues ist. Jonah Tolchin kann ein Lied davon singen. Elf, um genau zu sein. Der amerikanische Songwriter hat als Teenager damit begonnen, sich das Gitarrenspielen selbst beizubringen, in einer seiner traurigsten Phasen den Blues für sich entdeckt und seitdem eine erstaunliche Wandlung vollzogen.

Mit seinem zweiten Album, Clover Lane, beweist er sein ungeheures Gespür für die Art von Blues, die man genau so gut während einer Kanufahrt aus dem Mississippi gezogen haben könnte: schmutzig, endgültig und bitter bis zum Gehtnichtmehr. Einzige Ausnahme: 21st Century Girl, zu dem man sich gut die Frau seiner Träume in irgendeinem heruntergekommenen Dinner tanzend vorstellen kann. Auch man die vermutlich nie dorthin ausführen würde.
Der Opener Mockingbirg klingt wie der Titelsong einer TV-Serie über die Anfangsjahre der Eisenbahngeschichte – er stampft, rüttelt und entwickelt dabei eine ungeahnte Energie. Mansion in Hollywood ist von unfassbarer Schönheit und Eleganz; Musik, bei der man schlichtweg mal die Klappe halten will. Vergesst, was ich Eingangs geschrieben habe. Eine anständige Portion Traurigkeit ist vielleicht gar nicht so schlimm. Vor allem dann nicht, wenn sie durch Musik wie die von Jonah Tolchin hervorgerufen wird.
Obwohl der Blues nie die Oberhand verliert, rangelt er auf Clover Lane gehörig mit amerikanischer Folkmusik. Perfekt eingespielt schmiert Tolchin einem zum Niederknien schön Banjo, Schlagzeug, Gitarre und Streicher um die Öhrchen. So sehr, dass man sich eine Terrasse wünscht und eine Hütte im Nirgendwo und Glühwürmchen, die durch die Dunkelheit surren und Kojoten, deren Augen aufleuchten, sobald sie Richtung Licht blicken und einen kurze Zeit gebannt anstarren, bevor sie weiter ihrer Wege ziehen. Viva la Sadness und einen guten Bartwuchs!
Jonah TolchinClover LaneVÖ: 25. Juli 2014

    Der, der sich das Traurigsein selbst beigebracht hat

    Es gibt diese Tage, an denen du, ganz egal wie oft du dich eiskalt duschst, die Trägheit nicht runtergespült bekommst. Dann hat die Hitze dich nicht nur im Griff, sondern die Kontrolle über dein ganzes Selbst übernehmen können. Widerstand zwecklos. Benommen kriechst du durch den Tag und wartest auf Besserung. Unfähig, sogar etwas wie Ungeduld zu empfinden, bist du froh, wenn du dich nicht bewegen musst.

    Auf dich gestellt, bleibt dir nichts anderes übrig, als dich mit dem auseinanderzusetzen, was es in deinem Kopf an vorderste Front geschafft hat. Pech, wenn das der Blues ist. Jonah Tolchin kann ein Lied davon singen. Elf, um genau zu sein. Der amerikanische Songwriter hat als Teenager damit begonnen, sich das Gitarrenspielen selbst beizubringen, in einer seiner traurigsten Phasen den Blues für sich entdeckt und seitdem eine erstaunliche Wandlung vollzogen.

    Mit seinem zweiten Album, Clover Lane, beweist er sein ungeheures Gespür für die Art von Blues, die man genau so gut während einer Kanufahrt aus dem Mississippi gezogen haben könnte: schmutzig, endgültig und bitter bis zum Gehtnichtmehr. Einzige Ausnahme: 21st Century Girl, zu dem man sich gut die Frau seiner Träume in irgendeinem heruntergekommenen Dinner tanzend vorstellen kann. Auch man die vermutlich nie dorthin ausführen würde.

    Der Opener Mockingbirg klingt wie der Titelsong einer TV-Serie über die Anfangsjahre der Eisenbahngeschichte – er stampft, rüttelt und entwickelt dabei eine ungeahnte Energie. Mansion in Hollywood ist von unfassbarer Schönheit und Eleganz; Musik, bei der man schlichtweg mal die Klappe halten will. Vergesst, was ich Eingangs geschrieben habe. Eine anständige Portion Traurigkeit ist vielleicht gar nicht so schlimm. Vor allem dann nicht, wenn sie durch Musik wie die von Jonah Tolchin hervorgerufen wird.

    Obwohl der Blues nie die Oberhand verliert, rangelt er auf Clover Lane gehörig mit amerikanischer Folkmusik. Perfekt eingespielt schmiert Tolchin einem zum Niederknien schön Banjo, Schlagzeug, Gitarre und Streicher um die Öhrchen. So sehr, dass man sich eine Terrasse wünscht und eine Hütte im Nirgendwo und Glühwürmchen, die durch die Dunkelheit surren und Kojoten, deren Augen aufleuchten, sobald sie Richtung Licht blicken und einen kurze Zeit gebannt anstarren, bevor sie weiter ihrer Wege ziehen. Viva la Sadness und einen guten Bartwuchs!

    Jonah Tolchin
    Clover Lane
    VÖ: 25. Juli 2014

    Reblogged from: robdickens101
  3. Menschen, überall. Ich schwitze. Blicke nach linke, rechts und hinter mich. Überall Männer und Frauen in allen denkbaren Konstellationen. Freunde, Familien, Paare. Dazu Kinder. Viele Kinder. Laute Kinder. Schreiende Kinder. Und Kinder, die toben. Sich rufende Kinder. Jemandem etwas zurufende Kinder. Nicht auszuhaltende Kinder. Hitze von oben, reflektierende Hitze von unten. Schweiß rinnt über meinen Oberkörper und sucht sich Bahnen durch die aufgetragene Sonnencreme. Ich greife nach meinem iPhone, stecke mir beide Kopfhörer in die Ohren, wähle diesen Song und drehe ihn laut:



    Es braucht nur wenige Sekunden und schon höre ich nichts mehr außer diesem Song. Wieder blicke ich mich um. Wieder sehe ich die Menschen, die ich Minuten zuvor beobachtet habe. Ich sehe Zeitlupenbilder. Mein Kopf dreht sich nur langsam. Alles ist friedlich. Alles ist gut. Mein Blick streift über das Wasser, auf dessen Oberfläche die Sonne spiegelnd tanzt. Alles funkelt und brennt sich in meine Erinnerung. Funkeln für Funkeln. Ich merke es nicht, aber ich lächle. 

  4. Draufhauen, aufbauen!
Manche dort draußen glauben tatsächlich, ich würde gute neue Musik auf gar keinen Fall übersehen. Im zurückliegenden Jahr muss aber einiges schief gelaufen sein, denn ich habe sowohl die Singles Brighter, Lust and Lies und Tokyo von The Ramona Flowers überhört. Oder vielmehr: nicht zu hören bekommen – was eine ziemliche Schande ist. Denn die Band, die sich nach einer der Figuren aus dem Film Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt benannt hat, erntet für ihr neues Album Dismantle And Rebuild Lob ohne Ende.

Da ist der britische NME, der dazu sagt „A wholly different beast, and one that could have feasibly fitted on Radiohead’s Kid A“ oder der Guardian, der es noch schneller auf den Punkt bringt mit „Hugeness may be imminent“. Und glaubt mir, die Zitatenliste auf meinem Schreibtisch gäbe noch einiges mehr her. Aber dann könnte ich es ja auch gleich lassen, meine Meinung darüber in dieses Internet zu tippen.Die Jungs, die hinter The Ramona Flowers stehen, kommen aus Bristol. Und tatsächlich: Soundtechnisch und vor allem gesanglich scheint es, als hätte man sich hier und da an Radiohead bzw. dessen Frontmann Thom York orientiert. Aber – und das ist gut – nicht nur. Auch die Dramatik des U2-Frontmanns Bono steckt bereits in der DNS dieser Debütanten.
Unter der Leitung von Andy Barlow (eine Hälfte des Trip-Hop-Duos Lamb) ist dabei ein erstaunlich vielfältiges Alternativ-Pop-Album entstanden, das alles erreicht, was ein Erstling nur erreichen kann. Dismantle and Rebuild ist aufregend, wüst, still, stürmisch, chaotisch und überlebensgroß.

Tokyo ist das Monster, das dich nicht mehr loslässt, wenn du dich einmal von ihm hast umrennen lassen. Brighter beginnt finsterer, als es auf dem Dachboden eurer Eltern war und wendet sich doch schon nach wenigen Sekunden mit dem Gesang von Frontmann Steve Bird gen Licht. Modern World erinnert in Sachen Geradlinigkeit, Melodiestruktur und Coolness an New Order.
The Ramona Flowers spielen mit den Erwartungen, überraschen mit wendungsreichen Kompositionen und überzeugen mit einem Sound, der auch bei Foxes, dem Bombay Bicycle Club, Hot Chip, Alt-J oder Ladytron einen bleibenden Eindruck hinterlassen hat. So sehr, dass TRF bereits Support-Act einiger dieser Bands waren oder mit einem Remix von einem ihrer Songs geehrt wurden.

In ihren besten Momenten sind die Jungs aus Bristol episch und bauen in weniger als fünf Minuten eine Klangwelt auf, die mitreißt. Trotz der vielen Zitierungen eigener musikalischer Vorbilder versteht es die Band, eigene Merkmale in die Waagschale zu werfen. 11 Songs, knapp 50 Minuten Spielzeit und das Gefühl, über sich hinauswachsen zu können, wann immer man dieses Album hört. Besser kann man sich gar nicht wieder zusammenbauen lassen.
The Ramona FlowersDismantle and RebuildVÖ: 18. Juli 2014

    Draufhauen, aufbauen!

    Manche dort draußen glauben tatsächlich, ich würde gute neue Musik auf gar keinen Fall übersehen. Im zurückliegenden Jahr muss aber einiges schief gelaufen sein, denn ich habe sowohl die Singles Brighter, Lust and Lies und Tokyo von The Ramona Flowers überhört. Oder vielmehr: nicht zu hören bekommen – was eine ziemliche Schande ist. Denn die Band, die sich nach einer der Figuren aus dem Film Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt benannt hat, erntet für ihr neues Album Dismantle And Rebuild Lob ohne Ende.

    Da ist der britische NME, der dazu sagt „A wholly different beast, and one that could have feasibly fitted on Radiohead’s Kid A“ oder der Guardian, der es noch schneller auf den Punkt bringt mit „Hugeness may be imminent“. Und glaubt mir, die Zitatenliste auf meinem Schreibtisch gäbe noch einiges mehr her. Aber dann könnte ich es ja auch gleich lassen, meine Meinung darüber in dieses Internet zu tippen.

    Die Jungs, die hinter The Ramona Flowers stehen, kommen aus Bristol. Und tatsächlich: Soundtechnisch und vor allem gesanglich scheint es, als hätte man sich hier und da an Radiohead bzw. dessen Frontmann Thom York orientiert. Aber – und das ist gut – nicht nur. Auch die Dramatik des U2-Frontmanns Bono steckt bereits in der DNS dieser Debütanten.

    Unter der Leitung von Andy Barlow (eine Hälfte des Trip-Hop-Duos Lamb) ist dabei ein erstaunlich vielfältiges Alternativ-Pop-Album entstanden, das alles erreicht, was ein Erstling nur erreichen kann. Dismantle and Rebuild ist aufregend, wüst, still, stürmisch, chaotisch und überlebensgroß.

    Tokyo ist das Monster, das dich nicht mehr loslässt, wenn du dich einmal von ihm hast umrennen lassen. Brighter beginnt finsterer, als es auf dem Dachboden eurer Eltern war und wendet sich doch schon nach wenigen Sekunden mit dem Gesang von Frontmann Steve Bird gen Licht. Modern World erinnert in Sachen Geradlinigkeit, Melodiestruktur und Coolness an New Order.

    The Ramona Flowers spielen mit den Erwartungen, überraschen mit wendungsreichen Kompositionen und überzeugen mit einem Sound, der auch bei Foxes, dem Bombay Bicycle Club, Hot Chip, Alt-J oder Ladytron einen bleibenden Eindruck hinterlassen hat. So sehr, dass TRF bereits Support-Act einiger dieser Bands waren oder mit einem Remix von einem ihrer Songs geehrt wurden.

    In ihren besten Momenten sind die Jungs aus Bristol episch und bauen in weniger als fünf Minuten eine Klangwelt auf, die mitreißt. Trotz der vielen Zitierungen eigener musikalischer Vorbilder versteht es die Band, eigene Merkmale in die Waagschale zu werfen. 11 Songs, knapp 50 Minuten Spielzeit und das Gefühl, über sich hinauswachsen zu können, wann immer man dieses Album hört. Besser kann man sich gar nicht wieder zusammenbauen lassen.

    The Ramona Flowers
    Dismantle and Rebuild
    VÖ: 18. Juli 2014

  5. Mi(a)u!
iTunes sagt, Miu macht „R&B“. Aber wie so oft, irrt sich Jobs Software. Das, was es stattdessen von Miu auf ihrer EP Complicated Issues zu hören gibt, ist astreiner Soul. Temporeich, leidenschaftlich und stellenweise angenehm verrucht.
2011 sitzt Miu im New Yorker Club „The Bitter End“ – nicht auf einem Barhocker, sondern auf der kleinen Bühne an einem alten Flügel. Ihr blondes Haar schmiegt sich leicht gewellt um ihr Gesicht, ihr Lippen sind zu einem knallroten Kussmund geschminkt und schwarze Lidstriche rahmen ihre Kulleraugen. Lange hat sie auf diesen Moment gewartet. Soulgrößen wie Marvin Gaye und Donny Hathaway haben hier schon gestanden und für das verwöhnte Publikum die Nacht zum Tag gesungen. Und nun also sie.

Danach kam Miu dorthin zurück, von wo sie einst ins unbekannte Land aufgebrochen war: Hamburg. Wieder in Deutschland, ihrem Heimatland, dauert es nicht lange, bis sich eine Band um sie herum bildet. In deren Zentrum steht der helle Fixstern namens Miu. Zackige Bläser und aufregende Grooves machen aus dem Soul der Begeisterung weckenden Sängerin eine spannende Rückbesinnung auf musikalische Zeiten, in denen niemand wagte, an das Digitale zu denken.
Erstaunlich an Miu ist, dass sie die Texte ihrer Musik selbst schreibt und ganz genau weiß, wie die Musik drumherum klingen soll. Dabei gelingt es ihr ausgesprochen überzeugend, die Rolle der Femme Fatale zu leben. So sehr, dass man das Gefühl nicht los wird, dass sie wirklich so sein könnte. Das ist keine Masche, nein. Miu liebt den Sound dieser Musik, diese Wärme und Entschlossenheit. 5 Songs sind auf ihrer ersten EP enthalten und hiermit sei euch Complicated Issues ohne Wenn und Aber empfohlen.
MiuComplicated Issues EP VÖ: bereits erschienen

    Mi(a)u!

    iTunes sagt, Miu macht „R&B“. Aber wie so oft, irrt sich Jobs Software. Das, was es stattdessen von Miu auf ihrer EP Complicated Issues zu hören gibt, ist astreiner Soul. Temporeich, leidenschaftlich und stellenweise angenehm verrucht.

    2011 sitzt Miu im New Yorker Club „The Bitter End“ – nicht auf einem Barhocker, sondern auf der kleinen Bühne an einem alten Flügel. Ihr blondes Haar schmiegt sich leicht gewellt um ihr Gesicht, ihr Lippen sind zu einem knallroten Kussmund geschminkt und schwarze Lidstriche rahmen ihre Kulleraugen. Lange hat sie auf diesen Moment gewartet. Soulgrößen wie Marvin Gaye und Donny Hathaway haben hier schon gestanden und für das verwöhnte Publikum die Nacht zum Tag gesungen. Und nun also sie.

    Danach kam Miu dorthin zurück, von wo sie einst ins unbekannte Land aufgebrochen war: Hamburg. Wieder in Deutschland, ihrem Heimatland, dauert es nicht lange, bis sich eine Band um sie herum bildet. In deren Zentrum steht der helle Fixstern namens Miu. Zackige Bläser und aufregende Grooves machen aus dem Soul der Begeisterung weckenden Sängerin eine spannende Rückbesinnung auf musikalische Zeiten, in denen niemand wagte, an das Digitale zu denken.

    Erstaunlich an Miu ist, dass sie die Texte ihrer Musik selbst schreibt und ganz genau weiß, wie die Musik drumherum klingen soll. Dabei gelingt es ihr ausgesprochen überzeugend, die Rolle der Femme Fatale zu leben. So sehr, dass man das Gefühl nicht los wird, dass sie wirklich so sein könnte. Das ist keine Masche, nein. Miu liebt den Sound dieser Musik, diese Wärme und Entschlossenheit. 5 Songs sind auf ihrer ersten EP enthalten und hiermit sei euch Complicated Issues ohne Wenn und Aber empfohlen.

    Miu
    Complicated Issues EP
    VÖ: bereits erschienen

  6. Das ist so wunderwunderwunderwunderwunderschön.

    Reblogged from: sophie-e-b
  7. Wenn sich jahrelange Arbeit plötzlich auszahlt und sich der Erfolg mehr und mehr einstellt. Das Musikprojekt Malky kann ein Lied davon singen. Das müsste dann aber ein neues sein. Eins, das sich zu den elf des gerade veröffentlichten Debütalbums Soon gesellen würde. Malky wird derzeit mit Lob überschüttet, wie ich es in den zurückliegenden Wochen nur bei David Grays Mutineers erleben durfte. Doch hier das Wichtigste: Beide Lobeshymnen und vor allem jene, die Malky gilt, werden zu Recht angestimmt.

    Malky sind Sänger Daniel Stoyanov und Keyboarder Michael Vajna, der die Musik der beiden auch produziert. Und was soll ich sagen? Eigentlich hatte alles mal gut angefangen, mit mir und solchen 2-Mann-Bands. Da war Savage Garden, die ich als Teenager für ihre cleveren Melodien und guten Texte schätzte. Später kam Orange Blue und die hasste ich wie sonst nichts. Zu tränendrüsig, zu glatt, zu vorhersehbar, zu öde. Doch zum Glück ist Malky anders. Malky ist brillant.

    Angefangen als Backing Vocalist steht Sänger Stoyanov, dessen Wurzeln in Bulgarien liegen, mit 19 Jahren zum ersten Mal auf der Bühne. In Mannheim lernte er Keyboarder Vajna kennen, der wiederum ursprünglich aus Ungarn kommt. Der Balkan und die Liebe zur Musik verbindet beide. Lange Zeit schrieb das Duo Musik für verschiedene deutsche Pop-Größen, sammelte Erfahrungen im Business, lernte sich besser kennen und fand heraus, ob es als Team auch eigene Musik zustande zu bringen in der Lage sein sollte.

    Der Plan ging auf. Auf Soon bedient sich Malky am Sound der 60er Jahre, lädt ihn mit Elektroklängen auf und findet auf Basis klassischen Songwritings zu einem interessanten eigenen Sound, der fesselt.

    Hypnotisch windet sich der dramatische Opener Soon durch die Gehörgänge. Diamonds, über das ich schon geraumer Zeit jede Menge lobende Wort fand, ist ein erstaunliches Stück Soulmusik aus Deutschland. Trouble lebt von einem einprägsamen Elektroorgelsound und Human Love begeistert als stilles Akustikgitarrenstück.

    Über allem thront Stoyanovs seelige Soulstimme, die auch nach den großartigen 45 Minuten Spieldauer noch lange Zeit über der plötzlich einbrechenden Stille steht. Keyboarder und Produzent Vajna komponiert Stücke jenseits von Gut und Böse – out of space, müsste man eigentlich sagen. Traut man sich aber nicht, denn die Musik ist ja schließlich da. Zum Glück.

    Malky, sind eine weitere vielversprechende Neuentdeckung aus Deutschland, die vorzüglichen modernen Pop präsentieren, der sich viel traut, ohne seine Wurzeln zu verleugnen. Davon darf es gern schnell mehr geben. Bis dahin singe ich leise die wohl verdiente Lobeshymne. Und wer will, darf gern mit einstimmen.

    Malky
    Soon
    VÖ: 27. Juni 2014

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