Sept. 01

Faustdick hinter den sechs Öhrchen
Es ist lange her, dass ich so dermaßen verarscht wurde. Aber aufs Übelste. So was von. Und dabei sollte es auch keine Rolle spielen, dass ein Regelverstoß der Urheber dieser unfassbaren Hinterhältigkeit ist. Ich meine: Wo kommen wir denn da hin, wenn ich das jetzt durchgehen ließe?! Aber das muss man Ganes lassen – Sie haben es wirklich versucht. Und geschafft.

Caprize heißt das neue Album des aus Südtirol stammenden weiblichen Poptrios. Und die haben es faustdick hinter den sechs Öhrchen. Mit dem Song Bang Bang Bun haben sie mich nämlich gekriegt: minimalistisch, ein bisschen wie hingerotzt wirkt er, außerdem simpel arrangiert und doch mit einer unbändigen Energie, die mich neugierig gemacht hat. Also ja, dieses Album wollte ich unbedingt besprechen!
Und es ist bereits das vierte Album, dass die drei Damen dieser Tage veröffentlicht haben. Da steckt also Erfahrung dahinter. Denn auch, wenn man erst jetzt zu versuchen scheint, größere Menschenmassen zu erreichen, so ist es heutzutage nicht so leicht, so lange einen Plattenverlag zu behalten. Die Verkäufe müssen also gestimmt haben, wenn vielleicht auch nur in der Heimat von Ganes.
Wie gesagt: Nachdem ich Bang Bang Bun gehört hatte, wollte ich unbedingt mehr von diesem Spielfreude. Und dann das. Der erste Song nach dem Start des Albums heißt Nëi und irgendwie stutzt man schnell, weil man hört, dass man nicht versteht, wovon die drei aus Süditalien da genau singen. Ein Blick in die Pressematerialien hilft und verrät: Die Texte sind in ladinischer Sprache verfasst, einem Relikt einer alten Kultur aus den Dolomiten.
Also hört man sich mit einem riesigen Fragezeichen über dem Kopf durch dieses Album. Obwohl, das stimmt nicht ganz. Dieses Fragezeichen schrumpft mit jedem der 12 Songs in sich zusammen. Denn dieser eigentümlich sinnlich-kecke Pop, der mit verspielten Klangmustern, einem Hackbrett, einer Violine, einem Klavier und einer Drum Machine aus den 80er Jahren erzeugt wird, raubt einem jeden Zweifel, den man der Musik gegenüber vielleicht zu Anfang hatte. Schnell ist es gar nicht mehr wichtig, in welcher Sprache die Frauen da eigentlich singen. Es könnte auch Russisch sein. Oder Französisch. Egal.
Dass es um große Gefühle wie Verzweiflung, Tod, Sehnsucht, Liebe und Geborgenheit geht, kann einem also gar nicht klar werden, weil man die Texte nicht verstehen wird. Ich weiß es auch nur, weil es so in der Pressemitteilung steht. Aber – und das zeigt einmal mehr die Kraft der Musik – dass es um genau diese Themen geht, kann man hören. Naina etwa droht jeden Moment zu zerbrechen, so zart wird es vorgetragen. Eine Klaviermelodie, ein paar leise Glockenakzente und man spürt den Kummer.
Wer will, kann sich hier in einem TV-Beitrag über Ganes informieren. Und bitte: Lasst euch nicht von der schlechten Anmoderation abschrecken.
Ganes sind die Schwestern Elisabeth und Marlene Schuen und ihere Cousine Maria Moling. Die drei schreiben und arrangieren ihre Songs selbst. Violes ist das nächste Highlight auf Caprize. Es beginnt dumpf, wird schnell hauchzart, bevor ein kühler Beat den übrigen Verlauf des Songs vorgibt.
Die Musik der drei Frauen ist auf eine ganz eigentümliche Art faszinierend, weil es sich jedem Vergleichsmuster entzieht. Und das liegt letztlich nicht nur an der Sprache, die es einem unmöglich macht, detailreich zu verstehen, wovon da gerade gesungen wird. Nein, es ist dieses popmusikalische Netz, das Ganes spannt und in das man sich nur zu gern fallen lässt. Man landet zuckerwatteweich und ohne jegliche klebrige Sauereien. Versprochen.
Ganes CaprizeVÖ: 29. August 2014
Ganes auf Tour:

14.08. Laufenburg, Garten des Rehmann Museums
12.09. Immenstaad, Winzerkeller im Bürgerhaus
26.09. Kolbermoor, Kesselhaus
27.09. Brackenheim, Kulturforum
06.10. Berlin, Privatclub
07.10. Leipzig, Moritzbastei
08.10. Würzburg, Posthalle
09.10. Erfurt, Museumskeller Erfurt
10.10. Karlsruhe, Kulturzentrum Tollhaus
21.10. Offenbach, Capitol
22.10. Koblenz, Cafe Hahn
23.10. Köln, Stadtgarten
24.10. Worpswede, Music Hall
25.10. Hamburg, Prinzenbar
29.10. Freiburg, Jazzhaus
30.10. Tuttlingen, Tuttlinger Hallen
31.10. Augsburg, Parktheater Göggingen
01.11. Reutlingen, franz.K
02.11. Landshut. Prunksaal
11.11. Nürnberg, Gutmann am Dutzendteich
12.11. Düsseldorf, Savoy Theater
13.11. Heidelberg, Halle02
14.11. Kempten, Kornhaus
15.11. München, Volkstheater
26.11. Mainz, Frankfurter Hof
27.11. Kaiserslautern, Kammgarn
30.11. Regensburg, Alte Mälzerei
16.12. Stuttgart, Theaterhaus
22.01. Bad Tölz, Kurhaus

Faustdick hinter den sechs Öhrchen

Es ist lange her, dass ich so dermaßen verarscht wurde. Aber aufs Übelste. So was von. Und dabei sollte es auch keine Rolle spielen, dass ein Regelverstoß der Urheber dieser unfassbaren Hinterhältigkeit ist. Ich meine: Wo kommen wir denn da hin, wenn ich das jetzt durchgehen ließe?! Aber das muss man Ganes lassen – Sie haben es wirklich versucht. Und geschafft.

Caprize heißt das neue Album des aus Südtirol stammenden weiblichen Poptrios. Und die haben es faustdick hinter den sechs Öhrchen. Mit dem Song Bang Bang Bun haben sie mich nämlich gekriegt: minimalistisch, ein bisschen wie hingerotzt wirkt er, außerdem simpel arrangiert und doch mit einer unbändigen Energie, die mich neugierig gemacht hat. Also ja, dieses Album wollte ich unbedingt besprechen!

Und es ist bereits das vierte Album, dass die drei Damen dieser Tage veröffentlicht haben. Da steckt also Erfahrung dahinter. Denn auch, wenn man erst jetzt zu versuchen scheint, größere Menschenmassen zu erreichen, so ist es heutzutage nicht so leicht, so lange einen Plattenverlag zu behalten. Die Verkäufe müssen also gestimmt haben, wenn vielleicht auch nur in der Heimat von Ganes.

Wie gesagt: Nachdem ich Bang Bang Bun gehört hatte, wollte ich unbedingt mehr von diesem Spielfreude. Und dann das. Der erste Song nach dem Start des Albums heißt Nëi und irgendwie stutzt man schnell, weil man hört, dass man nicht versteht, wovon die drei aus Süditalien da genau singen. Ein Blick in die Pressematerialien hilft und verrät: Die Texte sind in ladinischer Sprache verfasst, einem Relikt einer alten Kultur aus den Dolomiten.

Also hört man sich mit einem riesigen Fragezeichen über dem Kopf durch dieses Album. Obwohl, das stimmt nicht ganz. Dieses Fragezeichen schrumpft mit jedem der 12 Songs in sich zusammen. Denn dieser eigentümlich sinnlich-kecke Pop, der mit verspielten Klangmustern, einem Hackbrett, einer Violine, einem Klavier und einer Drum Machine aus den 80er Jahren erzeugt wird, raubt einem jeden Zweifel, den man der Musik gegenüber vielleicht zu Anfang hatte. Schnell ist es gar nicht mehr wichtig, in welcher Sprache die Frauen da eigentlich singen. Es könnte auch Russisch sein. Oder Französisch. Egal.

Dass es um große Gefühle wie Verzweiflung, Tod, Sehnsucht, Liebe und Geborgenheit geht, kann einem also gar nicht klar werden, weil man die Texte nicht verstehen wird. Ich weiß es auch nur, weil es so in der Pressemitteilung steht. Aber – und das zeigt einmal mehr die Kraft der Musik – dass es um genau diese Themen geht, kann man hören. Naina etwa droht jeden Moment zu zerbrechen, so zart wird es vorgetragen. Eine Klaviermelodie, ein paar leise Glockenakzente und man spürt den Kummer.

Wer will, kann sich hier in einem TV-Beitrag über Ganes informieren. Und bitte: Lasst euch nicht von der schlechten Anmoderation abschrecken.

Ganes sind die Schwestern Elisabeth und Marlene Schuen und ihere Cousine Maria Moling. Die drei schreiben und arrangieren ihre Songs selbst. Violes ist das nächste Highlight auf Caprize. Es beginnt dumpf, wird schnell hauchzart, bevor ein kühler Beat den übrigen Verlauf des Songs vorgibt.

Die Musik der drei Frauen ist auf eine ganz eigentümliche Art faszinierend, weil es sich jedem Vergleichsmuster entzieht. Und das liegt letztlich nicht nur an der Sprache, die es einem unmöglich macht, detailreich zu verstehen, wovon da gerade gesungen wird. Nein, es ist dieses popmusikalische Netz, das Ganes spannt und in das man sich nur zu gern fallen lässt. Man landet zuckerwatteweich und ohne jegliche klebrige Sauereien. Versprochen.

Ganes 
Caprize
VÖ: 29. August 2014

Ganes auf Tour:

14.08. Laufenburg, Garten des Rehmann Museums
12.09. Immenstaad, Winzerkeller im Bürgerhaus
26.09. Kolbermoor, Kesselhaus
27.09. Brackenheim, Kulturforum
06.10. Berlin, Privatclub
07.10. Leipzig, Moritzbastei
08.10. Würzburg, Posthalle
09.10. Erfurt, Museumskeller Erfurt
10.10. Karlsruhe, Kulturzentrum Tollhaus
21.10. Offenbach, Capitol
22.10. Koblenz, Cafe Hahn
23.10. Köln, Stadtgarten
24.10. Worpswede, Music Hall
25.10. Hamburg, Prinzenbar
29.10. Freiburg, Jazzhaus
30.10. Tuttlingen, Tuttlinger Hallen
31.10. Augsburg, Parktheater Göggingen
01.11. Reutlingen, franz.K
02.11. Landshut. Prunksaal
11.11. Nürnberg, Gutmann am Dutzendteich
12.11. Düsseldorf, Savoy Theater
13.11. Heidelberg, Halle02
14.11. Kempten, Kornhaus
15.11. München, Volkstheater
26.11. Mainz, Frankfurter Hof
27.11. Kaiserslautern, Kammgarn
30.11. Regensburg, Alte Mälzerei
16.12. Stuttgart, Theaterhaus
22.01. Bad Tölz, Kurhaus

Aug. 31

(Quelle: bilzzzbubswife, via shelikessexncomics)

Aug. 30

(Quelle: zsuzsolf, via videogamesandsex)

(Quelle: dulife, via viel-erzaehlen-nichts-sagen)

Aug. 29

Nicht Superman
Wie viele andere derzeitigen Kritiker könnte ich es mir einfach machen und über das offizielle Debütalbum von Olson so etwas schreiben wie: Der hat früher ganz anders geklungen, der war ein komplett anderer Typ als der, den wir jetzt präsentiert bekommen und irgendwie wirkt das nicht echt, sondern eher so, als würde er tun, was er tut, um endlich Geld zu verdienen.
Und tatsächlich, als der damals 22-Jährige 2008 das Demoalbum Rudeboy noch unter dem Namen Olson Rough zum Freedownload bereitstellt, hört die erstmals HipHop-Szene auf. Die Jugend verarbeitend, in der Tonalität als der enttäuschte Junge von der Straße und mit glatt rasiertem Kopf, der von einer Kapuze bedeckt war, sang Olsen aggressiv über harte Beats hinweg. Im Dezember 2011 erscheint die EP 40213. Fünf Songs sind darauf, die als Vorbote seines eigentlichen Debütalbums gedacht waren. Trotz hervorragender Songs wie Goldene Welt oder Fenster, die sich darauf befinden, ist Olson nicht zufrieden damit.

Es soll dauern, bis er wieder zurückkehrt. Das bleibt nicht ohne Wirkung: Zeit vergeht und andere Vertreter seines Genres wie Casper oder Cro schaffen es fast, ihn vergessen zu machen. Olson aber arbeitet an seinem Debüt, gemeinsam mit dem Berliner Produzententeam Beatgees findet er zu seiner Klangfarbe, schreibt Songs, verziert sie mit Atmosphäre und bringt auf den Weg, was nun endlich in Form des Albums Ballonherz vorliegt.
13 Songs lang ist es geworden; die meisten handeln noch immer vom Jungsein und Erwachsenwerden. Davon, dass man manchmal erst alles hinter sich lassen muss, um vorwärts zu kommen. Oder davon, wie wichtig es ist, jeden Moment mitzunehmen, der uns eine neue Erfahrung bescheren kann. Aber auch davon, dass es vieles gibt, das dabei auf der Strecke bleiben kann: die Liebe, die einzig echte und irgendwann auch man selbst.

Dabei unterscheidet sich Olson musikalisch manchmal kaum von Cros softem HipHop-Pop. Textlich und erzählerisch zum Glück aber doch. Reifer, souveräner und aufgeräumter analysiert Olson kleine Momente, große Lebensphasen, falsche Entscheidungen und das richtige Glück. Dass er dabei US-Klischees heraufbeschwört, wie etwa das des Aussenseiters, der das Mädchen an diesen einen Typ aus der Footballmannschaft verliert, nunja. Vielleicht kann man sich solche Geschichten damit erklären, dass es nicht seine sind und sie trotzdem gut finden, weil sie gut vorgetragen werden.
Olson macht es einem mit Ballonherz nicht leicht. Denn das Artwork des Albums, die Machart seiner Videos, selbst die Pressefotos – alles das ist stark amerikanisiert. Vorbilder zitieren – schön und gut. Aber doch bitte so, dass man merkt, dass der Zitierende trotzdem er selbst bleibt. Das ist, als würde man nach dem Anschauen aller Superman-Filme glauben, man könne selbst fliegen und sei unverwundbar. Trotzdem: Es ist nicht schlimm, dass Olson noch nicht Olson ist.
Der Mann ist 28 Jahre alt. Ich bin mit 32 noch nicht ganz bei mir. Wie könnte ich das von jemandem erwarten, der jünger ist? Und wenn ich ehrlich bin, dann habe ich schon mehr als ein Mal gedacht, dass mir das Batmankostüm vermutlich ganz gut stehen würde, wenn ich dem dunklen Ritter ein Mal zu lang über die Schulter geschaut habe. Letztlich bleibt nur zu sagen: Olson beim Erwachsenwerden zuzuhören, bockt. Dabei ist Ballonherz kein Album, das einem sofort komplett gefallen wird. Es braucht Zeit – aber davon haben wir ja noch mehr als genug.
OlsonBallonherzVÖ: 29. August 2014

Nicht Superman

Wie viele andere derzeitigen Kritiker könnte ich es mir einfach machen und über das offizielle Debütalbum von Olson so etwas schreiben wie: Der hat früher ganz anders geklungen, der war ein komplett anderer Typ als der, den wir jetzt präsentiert bekommen und irgendwie wirkt das nicht echt, sondern eher so, als würde er tun, was er tut, um endlich Geld zu verdienen.

Und tatsächlich, als der damals 22-Jährige 2008 das Demoalbum Rudeboy noch unter dem Namen Olson Rough zum Freedownload bereitstellt, hört die erstmals HipHop-Szene auf. Die Jugend verarbeitend, in der Tonalität als der enttäuschte Junge von der Straße und mit glatt rasiertem Kopf, der von einer Kapuze bedeckt war, sang Olsen aggressiv über harte Beats hinweg. Im Dezember 2011 erscheint die EP 40213. Fünf Songs sind darauf, die als Vorbote seines eigentlichen Debütalbums gedacht waren. Trotz hervorragender Songs wie Goldene Welt oder Fenster, die sich darauf befinden, ist Olson nicht zufrieden damit.

Es soll dauern, bis er wieder zurückkehrt. Das bleibt nicht ohne Wirkung: Zeit vergeht und andere Vertreter seines Genres wie Casper oder Cro schaffen es fast, ihn vergessen zu machen. Olson aber arbeitet an seinem Debüt, gemeinsam mit dem Berliner Produzententeam Beatgees findet er zu seiner Klangfarbe, schreibt Songs, verziert sie mit Atmosphäre und bringt auf den Weg, was nun endlich in Form des Albums Ballonherz vorliegt.

13 Songs lang ist es geworden; die meisten handeln noch immer vom Jungsein und Erwachsenwerden. Davon, dass man manchmal erst alles hinter sich lassen muss, um vorwärts zu kommen. Oder davon, wie wichtig es ist, jeden Moment mitzunehmen, der uns eine neue Erfahrung bescheren kann. Aber auch davon, dass es vieles gibt, das dabei auf der Strecke bleiben kann: die Liebe, die einzig echte und irgendwann auch man selbst.

Dabei unterscheidet sich Olson musikalisch manchmal kaum von Cros softem HipHop-Pop. Textlich und erzählerisch zum Glück aber doch. Reifer, souveräner und aufgeräumter analysiert Olson kleine Momente, große Lebensphasen, falsche Entscheidungen und das richtige Glück. Dass er dabei US-Klischees heraufbeschwört, wie etwa das des Aussenseiters, der das Mädchen an diesen einen Typ aus der Footballmannschaft verliert, nunja. Vielleicht kann man sich solche Geschichten damit erklären, dass es nicht seine sind und sie trotzdem gut finden, weil sie gut vorgetragen werden.

Olson macht es einem mit Ballonherz nicht leicht. Denn das Artwork des Albums, die Machart seiner Videos, selbst die Pressefotos – alles das ist stark amerikanisiert. Vorbilder zitieren – schön und gut. Aber doch bitte so, dass man merkt, dass der Zitierende trotzdem er selbst bleibt. Das ist, als würde man nach dem Anschauen aller Superman-Filme glauben, man könne selbst fliegen und sei unverwundbar. Trotzdem: Es ist nicht schlimm, dass Olson noch nicht Olson ist.

Der Mann ist 28 Jahre alt. Ich bin mit 32 noch nicht ganz bei mir. Wie könnte ich das von jemandem erwarten, der jünger ist? Und wenn ich ehrlich bin, dann habe ich schon mehr als ein Mal gedacht, dass mir das Batmankostüm vermutlich ganz gut stehen würde, wenn ich dem dunklen Ritter ein Mal zu lang über die Schulter geschaut habe. Letztlich bleibt nur zu sagen: Olson beim Erwachsenwerden zuzuhören, bockt. Dabei ist Ballonherz kein Album, das einem sofort komplett gefallen wird. Es braucht Zeit – aber davon haben wir ja noch mehr als genug.

Olson
Ballonherz
VÖ: 29. August 2014

Aug. 27

Mal so, mal so
Der ROLLING STONE lobt ihre Musik. Sie würden „das Gemeinsame in Neo-Folk, Indie-Rock und aktuellem Pop-Gefühl“ finden und nennt The Majority Says im gleichen Atemzug mit Coldplay, Woodkid und Bastille. Entschuldigung, aber das ist reichlich übertrieben. Schon im Opener Silly Ghost schlägt mir Sängerin Hannah Antonsson mit dem Liebreiz ihrer mit Zucker verklebten Mädchenstimme gehörig aufs Gemüt.
Antonsson klingt wie die ins Extremste verzerrte Karikatur eine Cartoon-Figur, die alles Gute dieser Welt zu verkörpern versucht. Wäre da nicht hin und wieder einer der fünf Herren, mit denen sie gemeinsam The Majority Says formiert, der glücklicherweise für einen zweistimmigen Gesang sorgt – ich könnte das nicht ertragen. Zum Glück können die Kompositionen retten, was der Gesang vor die Wand zu fahren droht.

Gleich Run Alone klingt nämlich angenehm sphärisch. Es beginnt mit einem Flimmern, über das ein Gleichschrittbeat schlägt, bis der Titel an Macht gewinnt, größer wird und so sehr durch Mark und Bein geht, dass einem schwindelig wird. Vielleicht ist hier diese einzigartige Magie schwedischer Popmusik, von der immer wieder die Rede ist, am deutlichsten zu spüren.
Auch einen Titel für die Generation Twitter hat das Sextett in der Playlist. Follower heißt der und befasst sich natürlich nicht mit unser aller Lieblingsnetzwerk. Vielmehr werden darin Coming-of-Age-Facetten erzählt. Doch der Text verkommt zur Nebensache, so billig wirkt die Musik hier zusammenkomponiert. Alles was das Keyboard aus den Kindheitstagen hergibt, wird einem hier um die Ohren gehauen: Sounds, Beats, Tempovorgaben, Effekte, schlimm.

So rührend Raindrops auch dann auch sein soll, so sehr bin ich an dieser Stelle raus. Ich muss mich sogar korrigieren bzw. noch deutlicher werden: Es sind weder Gesang, noch Akzent, die mich zur Weißglut treiben. Ihrer Stimme fehlt es einfach an Gewicht, um glaubhaft vermitteln zu können, dass hier eine erwachsene Frau vom Leben singt.
Und so könnte ich das gesamte Album akribisch durchgehen. Mal gibt es sehr gelungene Songs (Raspberry Love, All The Things I Didn’t Do, Under Streetlights), die insgesamt durchdacht und clever aufgebaut sind oder zumindest eine schöne Idee wohlportioniert durch den Song tragen. Where Is The Line etwa klingt ab dem ersten Refrain wie ein wunderschöner Song von Mumford & Sons.
Genauso gibt es aber eben auch die viel zu einfach gestrickten Popsongs, die noch dazu furchtbar billig zusammenmusiziert scheinen; fast so, als wäre man soundmäßig in den 80er oder 90er Jahren hängen geblieben. Und bevor es mir einige von euch entgegenrufen: Ja, diese beiden Musikjahrzehnte erleben durchaus einen Reboot. Aber The Majority Says hatten bestimmt nicht vor, mit ihrem Folk-Pop entsprechende Referenzen zu basteln. Dafür klingt das Album zu unhomogen.

Also halten wir fest: Es gibt gute und schlechte Songs auf diesem Album. Die Kompositionen, mit denen die sechs Schweden auf den Musikmarkt drängen, sind entweder total gelungen oder eher unterer Durchschnitt. Dazwischen gibt es nichts.  Hinzukommt – aber das ist Empfindungssache –, dass sich Frontfrau Hannah Antonsson so kleinkindhaft niedlich durch die 14 Songs des Albums säuselt, dass ich ihr fast Süßigkeiten kaufen möchte, damit sie einfach mal still ist.
Wenn man also Coldplay, Woodkid und Bastille ganz genau so schlimm findet, kann man The Majority Says durchaus mit den drei bekannteren Bands vergleichen. Und wem die sechs neuen Schweden zu seicht sind, der kann ja immer noch nach den Cardigans greifen. Es ist ja schließlich eh schon Herbst.
The Majority SaysThe Majority SaysVÖ: 22. August 2014
THE MAJORITY SAYS auf Deutschland-Tour

18.09.2014 - Hamburg, Reeperbahnfestival25.10.2014 - Osnabrück, Glanz & Gloria26.10.2014 - Amsterdam, Bitterzoet28.10.2014 - Nürnberg, Nürnberg Pop30.10.2014 - München, Ampere31.10.2014 - Wien, B7202.11.2014 - Oberhausen, Zentrum Altenberg03.11.2014 - Köln, Werkstatt04.11.2014 - Hannover, Lux06.11.2014 - Leipzig, Täubchenthal07.11.2014 - Weinheim, Cafe Central08.11.2014 - Stuttgart, PopNotPop Festival09.11.2014 - Wiesbaden, Räucherkammer10.11.2014 - Berlin, Grüner Salon

Mal so, mal so

Der ROLLING STONE lobt ihre Musik. Sie würden „das Gemeinsame in Neo-Folk, Indie-Rock und aktuellem Pop-Gefühl“ finden und nennt The Majority Says im gleichen Atemzug mit Coldplay, Woodkid und Bastille. Entschuldigung, aber das ist reichlich übertrieben. Schon im Opener Silly Ghost schlägt mir Sängerin Hannah Antonsson mit dem Liebreiz ihrer mit Zucker verklebten Mädchenstimme gehörig aufs Gemüt.

Antonsson klingt wie die ins Extremste verzerrte Karikatur eine Cartoon-Figur, die alles Gute dieser Welt zu verkörpern versucht. Wäre da nicht hin und wieder einer der fünf Herren, mit denen sie gemeinsam The Majority Says formiert, der glücklicherweise für einen zweistimmigen Gesang sorgt – ich könnte das nicht ertragen. Zum Glück können die Kompositionen retten, was der Gesang vor die Wand zu fahren droht.

Gleich Run Alone klingt nämlich angenehm sphärisch. Es beginnt mit einem Flimmern, über das ein Gleichschrittbeat schlägt, bis der Titel an Macht gewinnt, größer wird und so sehr durch Mark und Bein geht, dass einem schwindelig wird. Vielleicht ist hier diese einzigartige Magie schwedischer Popmusik, von der immer wieder die Rede ist, am deutlichsten zu spüren.

Auch einen Titel für die Generation Twitter hat das Sextett in der Playlist. Follower heißt der und befasst sich natürlich nicht mit unser aller Lieblingsnetzwerk. Vielmehr werden darin Coming-of-Age-Facetten erzählt. Doch der Text verkommt zur Nebensache, so billig wirkt die Musik hier zusammenkomponiert. Alles was das Keyboard aus den Kindheitstagen hergibt, wird einem hier um die Ohren gehauen: Sounds, Beats, Tempovorgaben, Effekte, schlimm.

So rührend Raindrops auch dann auch sein soll, so sehr bin ich an dieser Stelle raus. Ich muss mich sogar korrigieren bzw. noch deutlicher werden: Es sind weder Gesang, noch Akzent, die mich zur Weißglut treiben. Ihrer Stimme fehlt es einfach an Gewicht, um glaubhaft vermitteln zu können, dass hier eine erwachsene Frau vom Leben singt.

Und so könnte ich das gesamte Album akribisch durchgehen. Mal gibt es sehr gelungene Songs (Raspberry Love, All The Things I Didn’t Do, Under Streetlights), die insgesamt durchdacht und clever aufgebaut sind oder zumindest eine schöne Idee wohlportioniert durch den Song tragen. Where Is The Line etwa klingt ab dem ersten Refrain wie ein wunderschöner Song von Mumford & Sons.

Genauso gibt es aber eben auch die viel zu einfach gestrickten Popsongs, die noch dazu furchtbar billig zusammenmusiziert scheinen; fast so, als wäre man soundmäßig in den 80er oder 90er Jahren hängen geblieben. Und bevor es mir einige von euch entgegenrufen: Ja, diese beiden Musikjahrzehnte erleben durchaus einen Reboot. Aber The Majority Says hatten bestimmt nicht vor, mit ihrem Folk-Pop entsprechende Referenzen zu basteln. Dafür klingt das Album zu unhomogen.

Also halten wir fest: Es gibt gute und schlechte Songs auf diesem Album. Die Kompositionen, mit denen die sechs Schweden auf den Musikmarkt drängen, sind entweder total gelungen oder eher unterer Durchschnitt. Dazwischen gibt es nichts.  Hinzukommt – aber das ist Empfindungssache –, dass sich Frontfrau Hannah Antonsson so kleinkindhaft niedlich durch die 14 Songs des Albums säuselt, dass ich ihr fast Süßigkeiten kaufen möchte, damit sie einfach mal still ist.

Wenn man also Coldplay, Woodkid und Bastille ganz genau so schlimm findet, kann man The Majority Says durchaus mit den drei bekannteren Bands vergleichen. Und wem die sechs neuen Schweden zu seicht sind, der kann ja immer noch nach den Cardigans greifen. Es ist ja schließlich eh schon Herbst.

The Majority Says
The Majority Says
VÖ: 22. August 2014

THE MAJORITY SAYS auf Deutschland-Tour



18.09.2014 - Hamburg, Reeperbahnfestival
25.10.2014 - Osnabrück, Glanz & Gloria
26.10.2014 - Amsterdam, Bitterzoet
28.10.2014 - Nürnberg, Nürnberg Pop
30.10.2014 - München, Ampere
31.10.2014 - Wien, B72
02.11.2014 - Oberhausen, Zentrum Altenberg
03.11.2014 - Köln, Werkstatt
04.11.2014 - Hannover, Lux
06.11.2014 - Leipzig, Täubchenthal
07.11.2014 - Weinheim, Cafe Central
08.11.2014 - Stuttgart, PopNotPop Festival
09.11.2014 - Wiesbaden, Räucherkammer
10.11.2014 - Berlin, Grüner Salon

Aug. 22

(Quelle: wildfirelust, via videogamesandsex)