Ich bin fürs Wollen.

Mai 25

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Mai 23

(Quelle: danishprinciple, via videogamesandsex)

Anonym fragte: Internet-Dexter und Draußenwelt-Dexter – wie groß sind deiner Ansicht nach die Überschneidungen? Und ist letzterer einfach irgendwie größer und mehr, oder weicht ersterer in dem ein oder anderen Punkt deutlich ab?

Es gibt keine Überschneidungen - weil beides ein und dieselbe Person ist. Der Internet-Dexter gibt zwar vieles vom Draußenwelt-Dexter preis, aber längst nicht alles. Selbst wenn ich, wie heute ein Vorher/Nachher-Bild beim Rasieren mache, dann ist das ja im Grunde Kikifatz. Also kein riesiges Etwas, das man besser für sich behalten sollte. (Geteilt habe ich das deshalb mit etwa 8.800 Menschen, weil sowohl sie als auch ich mich seit mehr als einem Jahr nur mit Bart kennen.) Es gibt keinerlei Abweichungen von beiden Dexter-Varianten. Bis auf die Tatsachen, dass

1.) die Internetmenschen nur erfahren, was ich teilen will, mich also nicht kennen und auch nicht auf den Gedanken kommen sollten, mich zu kennen, weil es zu viele Lücken gibt, die sie in Eigenregie füllen und das vermutlich so, das am Ende ein “Dexter” entsteht, der nicht dem entspricht, der das hier gerade schreibt und

2.) die Menschen da draußen, die den Dexter vor dem Monitor erlebt haben und vielleicht “Freund” nennen, wirklich kennen. Das sind aber keine Abweichungen. 

Ich versuche hier drin so zu sein, wie ich es auch draußen bin: Genau so blöd, genau so höflich, genau so zynisch, genau so traurig, genau so albern und und und. 

Mai 22

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Meine Art, damit umzugehen
Mein Mutter weiß immer alles besser und wenn sie Recht behält, dann hat sie es natürlich schon vorher gewusst. Natürlich. Dass sich die Welt verändert, die Situationen in ihr und alle, die darin handeln, übersieht sie gern mal. Sicher ohne Absicht, aber sie tut es. Und ich bemühe mich stets, nicht vorschnell zu urteilen, liege nächtelang wach, wälze Gedanken wie Bücher während meines Studiums und will die Menschen verstehen lernen. Am liebsten jeden einzelnen, dessen Weg ich kreuze.
Als ich 12 Jahre alt war, musste ich ins Krankenhaus. Damals erwartete mich eine für mein Alter untypische Operation, von der ich eigentlich gar nicht so genau wusste, was man da mit mir vorhat.
Damals gab es noch keine Einzelzimmer und obwohl ich mich nicht mehr daran erinnern kann, ob ich das Zimmer mit jemandem teilen musste und ich es mir jetzt einfach machen könnte, indem ich irgendetwas erfinde, ist es viel wichtiger, dass ich damals Angst hatte.
Große Angst.
Davor, dass ich aufgeschnitten werden würde, nichts dagegen tun konnte und selbst wenn, ich es hinnehmen musste, weil es wohl notwendig war. Was damals niemand so recht begriff, war, dass ich einfach nur wissen wollte: Warum? Was? Und: Wie?
Ich nervte die Schwestern, die mich mit Ignoranz und Augenrollen straften. Eine drückte mir unentwegt zynische Sprüche in mein 12 Jahre junges Herz, auf dem nur diese dünne Krankenhauskleidung lag. Doch ich überhörte das alles einfach, weil ich wissen wollte, was man mit und an mir tun würde. Meine Eltern hatten es entweder selbst nicht ganz verstanden oder trauten mir nicht zu, es zu verstehen.
Irgendwann gab der Arzt, der tagelang von den zwei oder drei wechselnden Schwestern über diesen einen nervtötenden Jungen informiert wurde, nach, nahm sich die Zeit und beschrieb mir detailreich, was man wo an meinem Körper anstellen würde. Ich schwieg und weiß noch heute, dass ich meinen Mund sehr lange hielt und einfach nur zuhörte. Außerdem weiß ich noch, dass mich jede seiner Erklärungen ruhiger werden ließ, weil ich zu verstehen anfing und mich ein bis dahin unbekanntes Ruhegefühl überkam. Vielleicht verorte ich diesen Eindruck im Nachhinein auch nur deshalb als derart intensiv, weil er ein deutlicher Kontrast war zu der Angst, die sich in den Tagen zuvor in mir ausbreiten konnte. In diesem sehr sehr langen Moment wurde ihr die Macht über mich genommen.
Noch heute habe ich das Bedürfnis, alles verstehen zu wollen. Mittlerweile spielt es für mich keine Rolle, ob es sich dabei um etwas handelt, das mir Angst macht oder Freude bereitet. Zugegeben: Letztere ist schneller analysiert und es ist nicht unwahrscheinlich, dass man sich mit möglichen Erklärungen dafür schneller abfindet. Allen wie auch immer gearteten schlimmen Gefühlen will ich auf den Grund gehen. Niemand kann mich davon abbringen. In Peter Høegs Fräulein Smillas Gespür für Schnee gibt es eine Situation, die mich beim Lesen des Romans immer wieder abholt, weil ich glaube zu verstehen, was die Hauptfigur damit meint. Smilla beschreibt dabei ihren Umgang mit Depressionen, den ich zu meiner Handhabe mit einfach allen Gefühlen gemacht habe.




Man kann eine Depression auf verschiedene Weise zu kaschieren versuchen (…) Das ist der europäische Weg. Darauf zu hoffen, dass man sich aus dem Problem herausarbeiten kann. Ich nehme den grönländischen Weg. Der besteht darin, dass man in das schwarze Loch hineingeht. Seine Niederlage unter das Mikroskop legt und bei diesem Anblick verweilt.




Heute kann ich nicht anders, als wissen zu wollen, warum sich was wie entwickelt hat - wenn ich davon betroffen bin. Häufig sind die dafür notwendigen Antworten schnell gefunden, manchmal braucht es seine Zeit und selten finde ich sie nie. Das sind die schlimmsten Momente. Das sind diejenigen Momente, die zu Zuständen werden. Lang andauernden und alles beherrschenden Zuständen, die mich nicht loslassen, weil mich eine unbändige Wut darüber beherrscht, dass sich die Welt einfach weiterdreht, obwohl ich das Gefühl nicht ablegen kann, dass sie das eigentlich gar nicht darf. 
Als der mich operierende Arzt mit seinen Erklärungen zum Ende kam, musste ich gelächelt haben, was ihn offenbar irritierte. Jedenfalls fragte er mich, was mit mir sei und ob ich wirklich verstanden habe, was das Ärzteteam mit mir vorhat. Ja, antworte ich und schlief zum ersten Mal seit Tagen eine Nacht durch.

Meine Art, damit umzugehen

Mein Mutter weiß immer alles besser und wenn sie Recht behält, dann hat sie es natürlich schon vorher gewusst. Natürlich. Dass sich die Welt verändert, die Situationen in ihr und alle, die darin handeln, übersieht sie gern mal. Sicher ohne Absicht, aber sie tut es. Und ich bemühe mich stets, nicht vorschnell zu urteilen, liege nächtelang wach, wälze Gedanken wie Bücher während meines Studiums und will die Menschen verstehen lernen. Am liebsten jeden einzelnen, dessen Weg ich kreuze.

Als ich 12 Jahre alt war, musste ich ins Krankenhaus. Damals erwartete mich eine für mein Alter untypische Operation, von der ich eigentlich gar nicht so genau wusste, was man da mit mir vorhat.

Damals gab es noch keine Einzelzimmer und obwohl ich mich nicht mehr daran erinnern kann, ob ich das Zimmer mit jemandem teilen musste und ich es mir jetzt einfach machen könnte, indem ich irgendetwas erfinde, ist es viel wichtiger, dass ich damals Angst hatte.

Große Angst.

Davor, dass ich aufgeschnitten werden würde, nichts dagegen tun konnte und selbst wenn, ich es hinnehmen musste, weil es wohl notwendig war. Was damals niemand so recht begriff, war, dass ich einfach nur wissen wollte: Warum? Was? Und: Wie?

Ich nervte die Schwestern, die mich mit Ignoranz und Augenrollen straften. Eine drückte mir unentwegt zynische Sprüche in mein 12 Jahre junges Herz, auf dem nur diese dünne Krankenhauskleidung lag. Doch ich überhörte das alles einfach, weil ich wissen wollte, was man mit und an mir tun würde. Meine Eltern hatten es entweder selbst nicht ganz verstanden oder trauten mir nicht zu, es zu verstehen.

Irgendwann gab der Arzt, der tagelang von den zwei oder drei wechselnden Schwestern über diesen einen nervtötenden Jungen informiert wurde, nach, nahm sich die Zeit und beschrieb mir detailreich, was man wo an meinem Körper anstellen würde. Ich schwieg und weiß noch heute, dass ich meinen Mund sehr lange hielt und einfach nur zuhörte. Außerdem weiß ich noch, dass mich jede seiner Erklärungen ruhiger werden ließ, weil ich zu verstehen anfing und mich ein bis dahin unbekanntes Ruhegefühl überkam. Vielleicht verorte ich diesen Eindruck im Nachhinein auch nur deshalb als derart intensiv, weil er ein deutlicher Kontrast war zu der Angst, die sich in den Tagen zuvor in mir ausbreiten konnte. In diesem sehr sehr langen Moment wurde ihr die Macht über mich genommen.

Noch heute habe ich das Bedürfnis, alles verstehen zu wollen. Mittlerweile spielt es für mich keine Rolle, ob es sich dabei um etwas handelt, das mir Angst macht oder Freude bereitet. Zugegeben: Letztere ist schneller analysiert und es ist nicht unwahrscheinlich, dass man sich mit möglichen Erklärungen dafür schneller abfindet. Allen wie auch immer gearteten schlimmen Gefühlen will ich auf den Grund gehen. Niemand kann mich davon abbringen. In Peter Høegs Fräulein Smillas Gespür für Schnee gibt es eine Situation, die mich beim Lesen des Romans immer wieder abholt, weil ich glaube zu verstehen, was die Hauptfigur damit meint. Smilla beschreibt dabei ihren Umgang mit Depressionen, den ich zu meiner Handhabe mit einfach allen Gefühlen gemacht habe.

Man kann eine Depression auf verschiedene Weise zu kaschieren versuchen (…) Das ist der europäische Weg. Darauf zu hoffen, dass man sich aus dem Problem herausarbeiten kann. Ich nehme den grönländischen Weg. Der besteht darin, dass man in das schwarze Loch hineingeht. Seine Niederlage unter das Mikroskop legt und bei diesem Anblick verweilt.

Heute kann ich nicht anders, als wissen zu wollen, warum sich was wie entwickelt hat - wenn ich davon betroffen bin. Häufig sind die dafür notwendigen Antworten schnell gefunden, manchmal braucht es seine Zeit und selten finde ich sie nie. Das sind die schlimmsten Momente. Das sind diejenigen Momente, die zu Zuständen werden. Lang andauernden und alles beherrschenden Zuständen, die mich nicht loslassen, weil mich eine unbändige Wut darüber beherrscht, dass sich die Welt einfach weiterdreht, obwohl ich das Gefühl nicht ablegen kann, dass sie das eigentlich gar nicht darf. 

Als der mich operierende Arzt mit seinen Erklärungen zum Ende kam, musste ich gelächelt haben, was ihn offenbar irritierte. Jedenfalls fragte er mich, was mit mir sei und ob ich wirklich verstanden habe, was das Ärzteteam mit mir vorhat. Ja, antworte ich und schlief zum ersten Mal seit Tagen eine Nacht durch.

(Quelle: thelittleblacksubmarines)