Juli 25

Zu gut, um gut zu sein?
Wäre Rhonda ein Produkt von Steve Jobs, das erst jetzt nach seinem Tod in den Handel kommt – der arme Mann würde sich im Grabe umdrehen. Apple-Jünger wissen: Wenn Jobs an etwas gearbeitet hat, dann musste alles daran perfekt sein. Wirklich alles. Die Maßstäbe, die für das fertige Produkt galten, legten er immer auch für die Werbung dafür. Und die Verpackung. Das überrascht viele, aber jeder, der schon mal eines der wunderschönen Geräte aus dem dafür vorhergesehenen Karton gehoben hat, weiß auch um diesen magischen Moment, allein die schöne Verpackung zu halten.
Einen solchen Moment gibt es beim Debütalbum Raw Love von Rhonda nicht und vermutlich ist das auch alles Geschwätz, denn am Ende zählt doch nur die Musik. Tatsache aber ist: Das Cover sieht billig aus. Farbgebung, Typo und Titelfoto sehen aus, als hätte sich der Neffe von der Schwester der Oma gegenüber drum gekümmert. Damit, und das ist dann wiederum wichtig, wird die Hülle der Musik in keinster Weise gerecht.

Albencover, auf denen die Bandmitglieder aussehen, als würden sie für ihren gerade neu eröffneten Friseursalon in Berlin Mitte werben.
— Dexter (@Agent_Dexter) July 25, 2014
Gemeint war tatsächlich Rhonda. Jetzt ist dann aber auch wieder gut. So viel Häme hat das Quintett gar nicht verdient. Seit 2012 macht die Band nun schon gemeinsam Musik, jetzt erscheint ihr erstes Album. Raw Love zelebriert einen lässigen Vintage-Sound, mit dem schon Amy Winehouse, Duffy und Adele zu ungeahnten Höhen aufgestiegen sind.

Retrosoul will das sein und ist es auch geworden. Einerseits erstaunlich gut, andererseits aber fast zu gut. Zu berechnend. Fast so, als hätten die fünf von Rhonda in den vergangenen zwei Jahren in einem Keller verbracht, um nach der Formel für zeitlosen Soulpop zu suchen, sie gefunden und narrensicher gemacht. Man kann nicht anders, als mitzuwippen, zu nicken und die Songs größtenteils arschcool zu finden.
Aber so angenehm subtil erotisch ein Song wie Camera auch ist, so wunderbar schrullig ein Track wie Here we go again auch daherkommt, so bondmäßig groß die Nummer I need no help auch klingt: Es sind die Ausnahmeerscheinungen dieses Albums; die Songs, die vielleicht mit zwei oder drei weiteren wirklich hängen bleiben. Alles übrige ist Handwerk. Gutes zwar, aber eben auch austauschbar.

Sängerin Milo Milone glänzt mit ihrer Stimme. Trotz der genannten weiblichen Vorbilder, mit denen sie mühelos mithalten kann, ahmt sie diese nicht nach, sondern setzt eigene Akzente. Ich mag gute Stimmen und die von Milone fällt definitiv darunter. Schade nur, dass sie manchmal im Bombast der Arrangements untergeht. 
Keine Frage, Rhonda klingt sexy. 37 Minuten funktionieren die elf Lieder sehr sehr gut. Dann hört man sich Raw Love noch einmal an. Dann wieder. Und wieder. Und wieder. Bis man plötzlich zu seinen drei bis fünf Lieblingssongs springt, weil der Rest sich zu sehr ähnelt. Zumindest ging es mir so. Aber ich kann mich auch irren. Bei der Musik kann das vielleicht der Fall sein, nicht aber bei dem wirklich schlimmen Albumcover.  
RhondaRaw LoveVÖ: 25. Juli 2014

Zu gut, um gut zu sein?

Wäre Rhonda ein Produkt von Steve Jobs, das erst jetzt nach seinem Tod in den Handel kommt – der arme Mann würde sich im Grabe umdrehen. Apple-Jünger wissen: Wenn Jobs an etwas gearbeitet hat, dann musste alles daran perfekt sein. Wirklich alles. Die Maßstäbe, die für das fertige Produkt galten, legten er immer auch für die Werbung dafür. Und die Verpackung. Das überrascht viele, aber jeder, der schon mal eines der wunderschönen Geräte aus dem dafür vorhergesehenen Karton gehoben hat, weiß auch um diesen magischen Moment, allein die schöne Verpackung zu halten.

Einen solchen Moment gibt es beim Debütalbum Raw Love von Rhonda nicht und vermutlich ist das auch alles Geschwätz, denn am Ende zählt doch nur die Musik. Tatsache aber ist: Das Cover sieht billig aus. Farbgebung, Typo und Titelfoto sehen aus, als hätte sich der Neffe von der Schwester der Oma gegenüber drum gekümmert. Damit, und das ist dann wiederum wichtig, wird die Hülle der Musik in keinster Weise gerecht.

Albencover, auf denen die Bandmitglieder aussehen, als würden sie für ihren gerade neu eröffneten Friseursalon in Berlin Mitte werben.

— Dexter (@Agent_Dexter) July 25, 2014

Gemeint war tatsächlich Rhonda. Jetzt ist dann aber auch wieder gut. So viel Häme hat das Quintett gar nicht verdient. Seit 2012 macht die Band nun schon gemeinsam Musik, jetzt erscheint ihr erstes Album. Raw Love zelebriert einen lässigen Vintage-Sound, mit dem schon Amy Winehouse, Duffy und Adele zu ungeahnten Höhen aufgestiegen sind.

Retrosoul will das sein und ist es auch geworden. Einerseits erstaunlich gut, andererseits aber fast zu gut. Zu berechnend. Fast so, als hätten die fünf von Rhonda in den vergangenen zwei Jahren in einem Keller verbracht, um nach der Formel für zeitlosen Soulpop zu suchen, sie gefunden und narrensicher gemacht. Man kann nicht anders, als mitzuwippen, zu nicken und die Songs größtenteils arschcool zu finden.

Aber so angenehm subtil erotisch ein Song wie Camera auch ist, so wunderbar schrullig ein Track wie Here we go again auch daherkommt, so bondmäßig groß die Nummer I need no help auch klingt: Es sind die Ausnahmeerscheinungen dieses Albums; die Songs, die vielleicht mit zwei oder drei weiteren wirklich hängen bleiben. Alles übrige ist Handwerk. Gutes zwar, aber eben auch austauschbar.

Sängerin Milo Milone glänzt mit ihrer Stimme. Trotz der genannten weiblichen Vorbilder, mit denen sie mühelos mithalten kann, ahmt sie diese nicht nach, sondern setzt eigene Akzente. Ich mag gute Stimmen und die von Milone fällt definitiv darunter. Schade nur, dass sie manchmal im Bombast der Arrangements untergeht. 

Keine Frage, Rhonda klingt sexy. 37 Minuten funktionieren die elf Lieder sehr sehr gut. Dann hört man sich Raw Love noch einmal an. Dann wieder. Und wieder. Und wieder. Bis man plötzlich zu seinen drei bis fünf Lieblingssongs springt, weil der Rest sich zu sehr ähnelt. Zumindest ging es mir so. Aber ich kann mich auch irren. Bei der Musik kann das vielleicht der Fall sein, nicht aber bei dem wirklich schlimmen Albumcover.  

Rhonda
Raw Love
VÖ: 25. Juli 2014

Juli 24

Ein Album, mit dem ich gern Sex hätte
Das Ding ist: Bands und Musiker, die von anderen Promis für deren Musik gefeiert werden, landen selten auf dem Radar von Otto-Normal-Musikhörern. Vielleicht, weil man meint, dass die durch ihren Promi-Bonus ohnehin genügend Hype erfahren.
Zwei Beispiele: Die holländische Band Moke wird für ihren Sound von Karl Lagerfeld gefeiert. Der liebt die Musik so sehr, dass er den Jungs sogar die Bühnenoutfits schneidert und seine lobenden Worte einst auf einem Moke-Album prangten. Die britische Pop-Königen Adele hat noch vor einigen Monaten das neue Album von Paolo Nutini umjubelt. Öffentlich, auf Twitter, hat sie ihre Begeisterung darüber mitgeteilt. IN GROSSBUCHSTABEN. Der bisherige Erfolg von Moke und auch das wirklich großartige neue Album von Paolo Nutini bleiben jedoch bisher hinter allen Erwartungen zurück.
Wenn das alles stimmt, dann müssten The Moons mit ihrem neuen Album Mindwaves gründlich baden gehen. Denn Paul Weller ist Fan der Band. Sogar Beady Eye schätzen den Britpop der vier Schöngeister. Und zwar so sehr, dass man sie sich als Support-Act der letzten Tour mit an Bord geholt hat. Wenn jetzt noch Paul McCartney sagt, dass er The Moons liebt, dann können die vier Herren dort oben vermutlich gleich einen Bäckerladen aufmachen, so stark werden deren CD-Verkäufe zurückgehen.

Und tatsächlich wäre es gar nicht verwunderlich, wenn McCartney plötzlich verkünden würde, wie sehr er The Moons für ihre exquisiten Arrangements schätzt. Auch wenn es schwer fällt, das zu glauben, aber Mindwaves klingt wie ein hervorragendes Beatles-Album. Mal ernsthaft: Body Snatchers ist einer dieser Songs, die sofort zünden und einen zurückwerfen in eine Zeit, in der man nur zu gern aufgewachsen wäre.
Dass das Glam Rock ist, will mir das Infomaterial vom Label weismachen. Aber das stimmt nicht. Mindwaves enthält 12 wirklich phantastische Britpopsongs, die sich manchmal einen Gitarrenriff von T-Rex borgen. Dann ist da noch dieses leidenschaftliche Schlagzeug, das gemeinsam mit dem verspielten Bass eine wundervolle harmonische Ehe eingeht. Dazu schräge Keyboardsounds, Geigen, Trompetenchöre und Andy Crofts Stimme, auf der dieser leichte Hall liegt, den man eben auch von Beatles-Alben kennt. Alles, wirklich alles, fügt sich auf Mindwaves perfekt zusammen.

Einzelne Songs zu loben, wäre riesiger Bullshit. Das ganze Album ist das coolste Stück Musiksommer, das man in diesen Tagen käuflich erwerben kann. Ich schwöre. Außerdem werde ich das Gefühl nicht los, dass Heart and Soul von Paul McCartney eingesungen wurde. Wenn das nicht nachträglich noch vermeldet wird, drehe ich durch, so sicher bin ich mir!
Mit Time’s not forever möchte ich Sex haben. Viel Sex. Entweder das oder ich sehe mich gezwungen, demnächst eine 60er/70er-Jahre-Party zu geben, nur um ein paar Menschen wie wild dazu rumzappeln zu sehen.
Das muss dann auch genügen. Nur eines noch, weil ich nicht sicher bin, ob euch das erreicht hat: Mindwaves ist brillant.

The MoonsMindwavesVÖ: 25. Juli 2014

Nicht auf dem Album, aber ich habe so viel Liebe für dieses Cover übrig – das passt auf keine Kuhhaut:

Ein Album, mit dem ich gern Sex hätte

Das Ding ist: Bands und Musiker, die von anderen Promis für deren Musik gefeiert werden, landen selten auf dem Radar von Otto-Normal-Musikhörern. Vielleicht, weil man meint, dass die durch ihren Promi-Bonus ohnehin genügend Hype erfahren.

Zwei Beispiele: Die holländische Band Moke wird für ihren Sound von Karl Lagerfeld gefeiert. Der liebt die Musik so sehr, dass er den Jungs sogar die Bühnenoutfits schneidert und seine lobenden Worte einst auf einem Moke-Album prangten. Die britische Pop-Königen Adele hat noch vor einigen Monaten das neue Album von Paolo Nutini umjubelt. Öffentlich, auf Twitter, hat sie ihre Begeisterung darüber mitgeteilt. IN GROSSBUCHSTABEN. Der bisherige Erfolg von Moke und auch das wirklich großartige neue Album von Paolo Nutini bleiben jedoch bisher hinter allen Erwartungen zurück.

Wenn das alles stimmt, dann müssten The Moons mit ihrem neuen Album Mindwaves gründlich baden gehen. Denn Paul Weller ist Fan der Band. Sogar Beady Eye schätzen den Britpop der vier Schöngeister. Und zwar so sehr, dass man sie sich als Support-Act der letzten Tour mit an Bord geholt hat. Wenn jetzt noch Paul McCartney sagt, dass er The Moons liebt, dann können die vier Herren dort oben vermutlich gleich einen Bäckerladen aufmachen, so stark werden deren CD-Verkäufe zurückgehen.

Und tatsächlich wäre es gar nicht verwunderlich, wenn McCartney plötzlich verkünden würde, wie sehr er The Moons für ihre exquisiten Arrangements schätzt. Auch wenn es schwer fällt, das zu glauben, aber Mindwaves klingt wie ein hervorragendes Beatles-Album. Mal ernsthaft: Body Snatchers ist einer dieser Songs, die sofort zünden und einen zurückwerfen in eine Zeit, in der man nur zu gern aufgewachsen wäre.

Dass das Glam Rock ist, will mir das Infomaterial vom Label weismachen. Aber das stimmt nicht. Mindwaves enthält 12 wirklich phantastische Britpopsongs, die sich manchmal einen Gitarrenriff von T-Rex borgen. Dann ist da noch dieses leidenschaftliche Schlagzeug, das gemeinsam mit dem verspielten Bass eine wundervolle harmonische Ehe eingeht. Dazu schräge Keyboardsounds, Geigen, Trompetenchöre und Andy Crofts Stimme, auf der dieser leichte Hall liegt, den man eben auch von Beatles-Alben kennt. Alles, wirklich alles, fügt sich auf Mindwaves perfekt zusammen.

Einzelne Songs zu loben, wäre riesiger Bullshit. Das ganze Album ist das coolste Stück Musiksommer, das man in diesen Tagen käuflich erwerben kann. Ich schwöre. Außerdem werde ich das Gefühl nicht los, dass Heart and Soul von Paul McCartney eingesungen wurde. Wenn das nicht nachträglich noch vermeldet wird, drehe ich durch, so sicher bin ich mir!

Mit Time’s not forever möchte ich Sex haben. Viel Sex. Entweder das oder ich sehe mich gezwungen, demnächst eine 60er/70er-Jahre-Party zu geben, nur um ein paar Menschen wie wild dazu rumzappeln zu sehen.

Das muss dann auch genügen. Nur eines noch, weil ich nicht sicher bin, ob euch das erreicht hat: Mindwaves ist brillant.

The Moons
Mindwaves
VÖ: 25. Juli 2014

Nicht auf dem Album, aber ich habe so viel Liebe für dieses Cover übrig – das passt auf keine Kuhhaut:

Juli 21

Entstanden irgendwann während der 5. Staffel LOST.

Entstanden irgendwann während der 5. Staffel LOST.

Juli 20

Der, der sich das Traurigsein selbst beigebracht hat
Es gibt diese Tage, an denen du, ganz egal wie oft du dich eiskalt duschst, die Trägheit nicht runtergespült bekommst. Dann hat die Hitze dich nicht nur im Griff, sondern die Kontrolle über dein ganzes Selbst übernehmen können. Widerstand zwecklos. Benommen kriechst du durch den Tag und wartest auf Besserung. Unfähig, sogar etwas wie Ungeduld zu empfinden, bist du froh, wenn du dich nicht bewegen musst.
Auf dich gestellt, bleibt dir nichts anderes übrig, als dich mit dem auseinanderzusetzen, was es in deinem Kopf an vorderste Front geschafft hat. Pech, wenn das der Blues ist. Jonah Tolchin kann ein Lied davon singen. Elf, um genau zu sein. Der amerikanische Songwriter hat als Teenager damit begonnen, sich das Gitarrenspielen selbst beizubringen, in einer seiner traurigsten Phasen den Blues für sich entdeckt und seitdem eine erstaunliche Wandlung vollzogen.

Mit seinem zweiten Album, Clover Lane, beweist er sein ungeheures Gespür für die Art von Blues, die man genau so gut während einer Kanufahrt aus dem Mississippi gezogen haben könnte: schmutzig, endgültig und bitter bis zum Gehtnichtmehr. Einzige Ausnahme: 21st Century Girl, zu dem man sich gut die Frau seiner Träume in irgendeinem heruntergekommenen Dinner tanzend vorstellen kann. Auch man die vermutlich nie dorthin ausführen würde.
Der Opener Mockingbirg klingt wie der Titelsong einer TV-Serie über die Anfangsjahre der Eisenbahngeschichte – er stampft, rüttelt und entwickelt dabei eine ungeahnte Energie. Mansion in Hollywood ist von unfassbarer Schönheit und Eleganz; Musik, bei der man schlichtweg mal die Klappe halten will. Vergesst, was ich Eingangs geschrieben habe. Eine anständige Portion Traurigkeit ist vielleicht gar nicht so schlimm. Vor allem dann nicht, wenn sie durch Musik wie die von Jonah Tolchin hervorgerufen wird.
Obwohl der Blues nie die Oberhand verliert, rangelt er auf Clover Lane gehörig mit amerikanischer Folkmusik. Perfekt eingespielt schmiert Tolchin einem zum Niederknien schön Banjo, Schlagzeug, Gitarre und Streicher um die Öhrchen. So sehr, dass man sich eine Terrasse wünscht und eine Hütte im Nirgendwo und Glühwürmchen, die durch die Dunkelheit surren und Kojoten, deren Augen aufleuchten, sobald sie Richtung Licht blicken und einen kurze Zeit gebannt anstarren, bevor sie weiter ihrer Wege ziehen. Viva la Sadness und einen guten Bartwuchs!
Jonah TolchinClover LaneVÖ: 25. Juli 2014

Der, der sich das Traurigsein selbst beigebracht hat

Es gibt diese Tage, an denen du, ganz egal wie oft du dich eiskalt duschst, die Trägheit nicht runtergespült bekommst. Dann hat die Hitze dich nicht nur im Griff, sondern die Kontrolle über dein ganzes Selbst übernehmen können. Widerstand zwecklos. Benommen kriechst du durch den Tag und wartest auf Besserung. Unfähig, sogar etwas wie Ungeduld zu empfinden, bist du froh, wenn du dich nicht bewegen musst.

Auf dich gestellt, bleibt dir nichts anderes übrig, als dich mit dem auseinanderzusetzen, was es in deinem Kopf an vorderste Front geschafft hat. Pech, wenn das der Blues ist. Jonah Tolchin kann ein Lied davon singen. Elf, um genau zu sein. Der amerikanische Songwriter hat als Teenager damit begonnen, sich das Gitarrenspielen selbst beizubringen, in einer seiner traurigsten Phasen den Blues für sich entdeckt und seitdem eine erstaunliche Wandlung vollzogen.

Mit seinem zweiten Album, Clover Lane, beweist er sein ungeheures Gespür für die Art von Blues, die man genau so gut während einer Kanufahrt aus dem Mississippi gezogen haben könnte: schmutzig, endgültig und bitter bis zum Gehtnichtmehr. Einzige Ausnahme: 21st Century Girl, zu dem man sich gut die Frau seiner Träume in irgendeinem heruntergekommenen Dinner tanzend vorstellen kann. Auch man die vermutlich nie dorthin ausführen würde.

Der Opener Mockingbirg klingt wie der Titelsong einer TV-Serie über die Anfangsjahre der Eisenbahngeschichte – er stampft, rüttelt und entwickelt dabei eine ungeahnte Energie. Mansion in Hollywood ist von unfassbarer Schönheit und Eleganz; Musik, bei der man schlichtweg mal die Klappe halten will. Vergesst, was ich Eingangs geschrieben habe. Eine anständige Portion Traurigkeit ist vielleicht gar nicht so schlimm. Vor allem dann nicht, wenn sie durch Musik wie die von Jonah Tolchin hervorgerufen wird.

Obwohl der Blues nie die Oberhand verliert, rangelt er auf Clover Lane gehörig mit amerikanischer Folkmusik. Perfekt eingespielt schmiert Tolchin einem zum Niederknien schön Banjo, Schlagzeug, Gitarre und Streicher um die Öhrchen. So sehr, dass man sich eine Terrasse wünscht und eine Hütte im Nirgendwo und Glühwürmchen, die durch die Dunkelheit surren und Kojoten, deren Augen aufleuchten, sobald sie Richtung Licht blicken und einen kurze Zeit gebannt anstarren, bevor sie weiter ihrer Wege ziehen. Viva la Sadness und einen guten Bartwuchs!

Jonah Tolchin
Clover Lane
VÖ: 25. Juli 2014

(Quelle: robdickens101)

Juli 19

Laut

Menschen, überall. Ich schwitze. Blicke nach linke, rechts und hinter mich. Überall Männer und Frauen in allen denkbaren Konstellationen. Freunde, Familien, Paare. Dazu Kinder. Viele Kinder. Laute Kinder. Schreiende Kinder. Und Kinder, die toben. Sich rufende Kinder. Jemandem etwas zurufende Kinder. Nicht auszuhaltende Kinder. Hitze von oben, reflektierende Hitze von unten. Schweiß rinnt über meinen Oberkörper und sucht sich Bahnen durch die aufgetragene Sonnencreme. Ich greife nach meinem iPhone, stecke mir beide Kopfhörer in die Ohren, wähle diesen Song und drehe ihn laut:



Es braucht nur wenige Sekunden und schon höre ich nichts mehr außer diesem Song. Wieder blicke ich mich um. Wieder sehe ich die Menschen, die ich Minuten zuvor beobachtet habe. Ich sehe Zeitlupenbilder. Mein Kopf dreht sich nur langsam. Alles ist friedlich. Alles ist gut. Mein Blick streift über das Wasser, auf dessen Oberfläche die Sonne spiegelnd tanzt. Alles funkelt und brennt sich in meine Erinnerung. Funkeln für Funkeln. Ich merke es nicht, aber ich lächle. 

Draufhauen, aufbauen!
Manche dort draußen glauben tatsächlich, ich würde gute neue Musik auf gar keinen Fall übersehen. Im zurückliegenden Jahr muss aber einiges schief gelaufen sein, denn ich habe sowohl die Singles Brighter, Lust and Lies und Tokyo von The Ramona Flowers überhört. Oder vielmehr: nicht zu hören bekommen – was eine ziemliche Schande ist. Denn die Band, die sich nach einer der Figuren aus dem Film Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt benannt hat, erntet für ihr neues Album Dismantle And Rebuild Lob ohne Ende.

Da ist der britische NME, der dazu sagt „A wholly different beast, and one that could have feasibly fitted on Radiohead’s Kid A“ oder der Guardian, der es noch schneller auf den Punkt bringt mit „Hugeness may be imminent“. Und glaubt mir, die Zitatenliste auf meinem Schreibtisch gäbe noch einiges mehr her. Aber dann könnte ich es ja auch gleich lassen, meine Meinung darüber in dieses Internet zu tippen.Die Jungs, die hinter The Ramona Flowers stehen, kommen aus Bristol. Und tatsächlich: Soundtechnisch und vor allem gesanglich scheint es, als hätte man sich hier und da an Radiohead bzw. dessen Frontmann Thom York orientiert. Aber – und das ist gut – nicht nur. Auch die Dramatik des U2-Frontmanns Bono steckt bereits in der DNS dieser Debütanten.
Unter der Leitung von Andy Barlow (eine Hälfte des Trip-Hop-Duos Lamb) ist dabei ein erstaunlich vielfältiges Alternativ-Pop-Album entstanden, das alles erreicht, was ein Erstling nur erreichen kann. Dismantle and Rebuild ist aufregend, wüst, still, stürmisch, chaotisch und überlebensgroß.

Tokyo ist das Monster, das dich nicht mehr loslässt, wenn du dich einmal von ihm hast umrennen lassen. Brighter beginnt finsterer, als es auf dem Dachboden eurer Eltern war und wendet sich doch schon nach wenigen Sekunden mit dem Gesang von Frontmann Steve Bird gen Licht. Modern World erinnert in Sachen Geradlinigkeit, Melodiestruktur und Coolness an New Order.
The Ramona Flowers spielen mit den Erwartungen, überraschen mit wendungsreichen Kompositionen und überzeugen mit einem Sound, der auch bei Foxes, dem Bombay Bicycle Club, Hot Chip, Alt-J oder Ladytron einen bleibenden Eindruck hinterlassen hat. So sehr, dass TRF bereits Support-Act einiger dieser Bands waren oder mit einem Remix von einem ihrer Songs geehrt wurden.

In ihren besten Momenten sind die Jungs aus Bristol episch und bauen in weniger als fünf Minuten eine Klangwelt auf, die mitreißt. Trotz der vielen Zitierungen eigener musikalischer Vorbilder versteht es die Band, eigene Merkmale in die Waagschale zu werfen. 11 Songs, knapp 50 Minuten Spielzeit und das Gefühl, über sich hinauswachsen zu können, wann immer man dieses Album hört. Besser kann man sich gar nicht wieder zusammenbauen lassen.
The Ramona FlowersDismantle and RebuildVÖ: 18. Juli 2014

Draufhauen, aufbauen!

Manche dort draußen glauben tatsächlich, ich würde gute neue Musik auf gar keinen Fall übersehen. Im zurückliegenden Jahr muss aber einiges schief gelaufen sein, denn ich habe sowohl die Singles Brighter, Lust and Lies und Tokyo von The Ramona Flowers überhört. Oder vielmehr: nicht zu hören bekommen – was eine ziemliche Schande ist. Denn die Band, die sich nach einer der Figuren aus dem Film Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt benannt hat, erntet für ihr neues Album Dismantle And Rebuild Lob ohne Ende.

Da ist der britische NME, der dazu sagt „A wholly different beast, and one that could have feasibly fitted on Radiohead’s Kid A“ oder der Guardian, der es noch schneller auf den Punkt bringt mit „Hugeness may be imminent“. Und glaubt mir, die Zitatenliste auf meinem Schreibtisch gäbe noch einiges mehr her. Aber dann könnte ich es ja auch gleich lassen, meine Meinung darüber in dieses Internet zu tippen.

Die Jungs, die hinter The Ramona Flowers stehen, kommen aus Bristol. Und tatsächlich: Soundtechnisch und vor allem gesanglich scheint es, als hätte man sich hier und da an Radiohead bzw. dessen Frontmann Thom York orientiert. Aber – und das ist gut – nicht nur. Auch die Dramatik des U2-Frontmanns Bono steckt bereits in der DNS dieser Debütanten.

Unter der Leitung von Andy Barlow (eine Hälfte des Trip-Hop-Duos Lamb) ist dabei ein erstaunlich vielfältiges Alternativ-Pop-Album entstanden, das alles erreicht, was ein Erstling nur erreichen kann. Dismantle and Rebuild ist aufregend, wüst, still, stürmisch, chaotisch und überlebensgroß.

Tokyo ist das Monster, das dich nicht mehr loslässt, wenn du dich einmal von ihm hast umrennen lassen. Brighter beginnt finsterer, als es auf dem Dachboden eurer Eltern war und wendet sich doch schon nach wenigen Sekunden mit dem Gesang von Frontmann Steve Bird gen Licht. Modern World erinnert in Sachen Geradlinigkeit, Melodiestruktur und Coolness an New Order.

The Ramona Flowers spielen mit den Erwartungen, überraschen mit wendungsreichen Kompositionen und überzeugen mit einem Sound, der auch bei Foxes, dem Bombay Bicycle Club, Hot Chip, Alt-J oder Ladytron einen bleibenden Eindruck hinterlassen hat. So sehr, dass TRF bereits Support-Act einiger dieser Bands waren oder mit einem Remix von einem ihrer Songs geehrt wurden.

In ihren besten Momenten sind die Jungs aus Bristol episch und bauen in weniger als fünf Minuten eine Klangwelt auf, die mitreißt. Trotz der vielen Zitierungen eigener musikalischer Vorbilder versteht es die Band, eigene Merkmale in die Waagschale zu werfen. 11 Songs, knapp 50 Minuten Spielzeit und das Gefühl, über sich hinauswachsen zu können, wann immer man dieses Album hört. Besser kann man sich gar nicht wieder zusammenbauen lassen.

The Ramona Flowers
Dismantle and Rebuild
VÖ: 18. Juli 2014

Juli 17

Mi(a)u!
iTunes sagt, Miu macht „R&B“. Aber wie so oft, irrt sich Jobs Software. Das, was es stattdessen von Miu auf ihrer EP Complicated Issues zu hören gibt, ist astreiner Soul. Temporeich, leidenschaftlich und stellenweise angenehm verrucht.
2011 sitzt Miu im New Yorker Club „The Bitter End“ – nicht auf einem Barhocker, sondern auf der kleinen Bühne an einem alten Flügel. Ihr blondes Haar schmiegt sich leicht gewellt um ihr Gesicht, ihr Lippen sind zu einem knallroten Kussmund geschminkt und schwarze Lidstriche rahmen ihre Kulleraugen. Lange hat sie auf diesen Moment gewartet. Soulgrößen wie Marvin Gaye und Donny Hathaway haben hier schon gestanden und für das verwöhnte Publikum die Nacht zum Tag gesungen. Und nun also sie.

Danach kam Miu dorthin zurück, von wo sie einst ins unbekannte Land aufgebrochen war: Hamburg. Wieder in Deutschland, ihrem Heimatland, dauert es nicht lange, bis sich eine Band um sie herum bildet. In deren Zentrum steht der helle Fixstern namens Miu. Zackige Bläser und aufregende Grooves machen aus dem Soul der Begeisterung weckenden Sängerin eine spannende Rückbesinnung auf musikalische Zeiten, in denen niemand wagte, an das Digitale zu denken.
Erstaunlich an Miu ist, dass sie die Texte ihrer Musik selbst schreibt und ganz genau weiß, wie die Musik drumherum klingen soll. Dabei gelingt es ihr ausgesprochen überzeugend, die Rolle der Femme Fatale zu leben. So sehr, dass man das Gefühl nicht los wird, dass sie wirklich so sein könnte. Das ist keine Masche, nein. Miu liebt den Sound dieser Musik, diese Wärme und Entschlossenheit. 5 Songs sind auf ihrer ersten EP enthalten und hiermit sei euch Complicated Issues ohne Wenn und Aber empfohlen.
MiuComplicated Issues EP VÖ: bereits erschienen

Mi(a)u!

iTunes sagt, Miu macht „R&B“. Aber wie so oft, irrt sich Jobs Software. Das, was es stattdessen von Miu auf ihrer EP Complicated Issues zu hören gibt, ist astreiner Soul. Temporeich, leidenschaftlich und stellenweise angenehm verrucht.

2011 sitzt Miu im New Yorker Club „The Bitter End“ – nicht auf einem Barhocker, sondern auf der kleinen Bühne an einem alten Flügel. Ihr blondes Haar schmiegt sich leicht gewellt um ihr Gesicht, ihr Lippen sind zu einem knallroten Kussmund geschminkt und schwarze Lidstriche rahmen ihre Kulleraugen. Lange hat sie auf diesen Moment gewartet. Soulgrößen wie Marvin Gaye und Donny Hathaway haben hier schon gestanden und für das verwöhnte Publikum die Nacht zum Tag gesungen. Und nun also sie.

Danach kam Miu dorthin zurück, von wo sie einst ins unbekannte Land aufgebrochen war: Hamburg. Wieder in Deutschland, ihrem Heimatland, dauert es nicht lange, bis sich eine Band um sie herum bildet. In deren Zentrum steht der helle Fixstern namens Miu. Zackige Bläser und aufregende Grooves machen aus dem Soul der Begeisterung weckenden Sängerin eine spannende Rückbesinnung auf musikalische Zeiten, in denen niemand wagte, an das Digitale zu denken.

Erstaunlich an Miu ist, dass sie die Texte ihrer Musik selbst schreibt und ganz genau weiß, wie die Musik drumherum klingen soll. Dabei gelingt es ihr ausgesprochen überzeugend, die Rolle der Femme Fatale zu leben. So sehr, dass man das Gefühl nicht los wird, dass sie wirklich so sein könnte. Das ist keine Masche, nein. Miu liebt den Sound dieser Musik, diese Wärme und Entschlossenheit. 5 Songs sind auf ihrer ersten EP enthalten und hiermit sei euch Complicated Issues ohne Wenn und Aber empfohlen.

Miu
Complicated Issues EP
VÖ: bereits erschienen