Lieber Thomas Gottschalk,
jetzt hast Du Deine erste Ausgabe von GottschalkLive hinter Dich gebracht, nur - bei allem gebotetenen Respekt - den Vorabend wirst Du damit nicht revolutionieren.
Das war vermutlich das Schlimmste, das ich je im Fernsehen sah.
Du beginnst damit, Deine Sendung zu erklären, statt einfach zu machen. Hey, so viel Zeit wie bei Wetten, dass…?! hast Du diesmal nicht. Dann verlierst Du Dich in einem dieser Promimagazine, das Frauen ab 40 gern lesen, wenn sie darauf warten, beim Friseur endlich an die Reihe zu kommen. In diesem Magazin wird von Deinem Bruder, Neffen oder was weiß ich welchem Familienmitglied berichtet, das eigentlich (Überraschung!) gar nicht zur Familie gehört.

Das stellst Du klar - lang und ausschweifend. Nur: Das interessiert keinen der älteren Zuschauer und noch viel weniger die wenigen jungen, die Dir und Deiner Sendung eine Chance geben wollen. Spätestens seit Schreinemakers und dem Auftritt der namensgebenden Moderatorin, die in ihrer eigenen Sendung versucht hat, das Bild der Öffentlichkeit aufgrund einer unvorteilhaften Berichterstattung über sie wieder ins rechte Licht zu rücken, weiß doch jeder: Das kann nur schief gehen.
Klar, diese Sendung trägt Deinen Namen. Es geht um Selbstdarstellung, aber nicht so. Nicht auf diese anbiedernde und rechthaberische Art und Weise. Das hat noch nie funktioniert und wird es auch bei Dir nicht.
Überhaupt wirkt alles sehr durchgeplant. Mein Gott, bereite Dich besser nicht vor - so bist Du wenigstens authentisch, möchte man fast sagen. Bedenkt man dann noch, dass die Sendung nicht sonderlich lang ist, täte Dir absolute Narrenfreiheit ohnehin ganz gut. So wenig Zeit und dann soll ausgerechnet jemand, der zu langen Sätzen neigt und gern überzieht, sich an einen festen und noch dazu engen Zeitplan halten? Welcher Redakteur hat da seine Medikamente nicht genommen?
Dir mögen viele Klamotten stehen (oder auch nicht) - dieses ARD-Korsett solltest Du aber bitte ganz schnell wieder ablegen.
Bully ist natürlich ein dankbarer erster Gast. Den kennt halb Deutschland. Das passt, wunderbar, alles richtig gemacht. Aber dann eine Plauderei, die insgesamt zehn Minuten dauern wird, nach nur wenigen Minuten für einen kurzen Werbespot zu unterbrechen, zurückzugeben ins Studio, wo ihr weiter reden “dürft”, nur um nach eineinhalb Minuten wieder unterbrochen zu werden, weil die ARD Geld verdienen muss - das ist nicht Dein Ernst?! Und dass Bully dann nur noch vier Sätze verlieren darf, bis Du erneut abgeben musst (diesmal ans Wetter), nach dem zwar zu euch zurückgeschalten wird, aber nur damit Du und Dein Gast Auf Wiedersehen sagen könnt - dieses Gedrängel sollte Dir peinlich sein.
Es ist unfreundlich dem Gast gegenüber, weil kein richtiges Gespräch zustande kommen kann, aber noch unfreundlicher gegenüber der handvoll neugieriger Zuschauer, die GottschalkLive nur zerstückelt zu sehen bekommen.
Schade.
Da müsste so viel nachgebessert werden, dass man fast ahnt: Das wird nichts mehr.
Respektvoll,
Dexter
// Wer Folge 1 verpasst hat, kann das hier nachholen. Dauert auch “nur” 24 Minuten.
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