
Joe Goddard ist eines der beiden Gründungsmitglieder der britischen Elektrotanzmusikcombo Hot Chip. Zuletzt ist dieser mit einem anderen DJ-Kollegen fremdgegangen und hat sich im stark house-/trancemusik- und hip/hoplastigen Nebenprojekt The 2 Bears auf dem Album Work ausgetobt. Die Songs davon brauchen ihre Zeit, bis sie wirken und ihr Potential entfalten. Das ist nicht schlimm, weil gute Musik manchmal vielleicht genau das auszeichnet. Aber eben nicht nur.
Musik kann auch gut sein, wenn sie sofort ins Herz zielt, einen den Sonnenschein vor der Haustür gleich wärmer spüren lässt und den Hörer in eine samte und zart pulsierende Wattewolke packt. Man ruckelt so durch den Tag, lächelt vor sich hin, wird für dauerverliebt gehalten und ist es im Grunde auch. In Musik nämlich. Schaffen könnte das in den nächsten Monaten das neue Album von Hot Chip: In Our Heads.

Wo das 2010er Werk One Life Stand (das genauso hieß wie die bekannte Single) an einigen Stellen arg technisch daherkam und dem Verspieltheit nur in fest abgesteckten Grenzen eingeräumt war, ist den Briten mit In Our Heads ein Hinhörer mit unfassbarer Tanzgarantie gelungen. Auch wenn Andreas Borcholte von Spiegel Online dieser Schritt fast zu gewagt erscheint und vor allem einer sein soll, der hin zum Kommerz geht, ohne dabei wirklich mit neuen Ideen aufzutrumpfen. Das ist aber nur die halbe Wahrheit.
Denn: Genauso klingt der Sommer! Ob der grandiose Opener Motion Sickness, der flimmert, wabbert und einem die graue Langeweile aus der Seele schüttelt, die erste Single Night And Day, die klingt als würde sich die Welt um einen herum nach Einnahme einiger bunter Smarties in ein aus der Zeit gefallenes Konsolenspiel verwandelt haben, in dem es einzig darum geht, gegnerische Raumschiffe aus dem stillen Weltall zu schießen, das herrlich sphärische Let Me Be Him (siehe oben) oder die übrigen acht Songs vom neuen Album - alles das ist eine Wohltat von hier so weit der blaue Sommerhimmel reichen wird.
Hot Chip spielen noch immer mit Pop, Electro, einigen wenigen Indie-Gitarrensounds und so viel Soul, dass das Album eigentlich In Our Hearts heißen sollte. Denn dahin zielt jeder der geschmeidigen Tracks und vielleicht - nur vielleicht - ist das hier tatsächlich schon “Hipster-House” wie Borcholte schreibt. Dafür aber von so unfassbar guter Art, dass man ihm jedes Uuuh, Aaah und Oooh verzeiht, das möglicherweise zuviel in die Songs gestreut ist. Aber was auch immer in unseren Köpfen vorgeht, In Our Heads wird die Herzen leuchten lassen. Etwa 57 Minuten lang. Und dann wieder und wieder und wieder und wieder und wieder…
Hot Chip
In Our Heads
VÖ: 08.06.2012
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kaffeehuhn hat diesen Eintrag von agentdexter gerebloggt
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