Man könnte jetzt fragen, warum es in Deutschland keine ähnlichen Talente gibt, wie sie - wenn auch in Castingshows - in Ländern wie den USA oder Großbritannien regelmäßig entdeckt werden. Den Stimmen, die dort im Finale stehen, würde man meist auch zutrauen, wenn vielleicht auch erst später, ihren Weg ins Musikgeschäft zu finden.
Die Britin Rebecca Ferguson ist so jemand. Einen Durchmarsch sondergleichen hat sie in ihrem Heimatland bei The X Factor hingelegt. Am Ende unterlag sie zwar dem Mitstreiter Matt Cardle, doch auch sie bekam einen Plattenvertrag. Und selbst wenn das alles immer irgendwie klar ist, weil es seitens der Labels fast schon fahrlässig wäre, kein Album mit dem Zweitplatzierten aufzunehmen, wo doch auch dieser einem Millionenpublikum bekannt ist - nur im Ausland tummeln sich scheinbar jene besonderen Stimmen, die diese Chance nicht nur verdienen, sondern auch gekonnt nutzen.
Furgeson jedenfalls bewegt sich so unverschämt selbstsicher zwischen Soul, R’n’B und Pop, das man meinen könnte, sie macht das schon jahrelang. Freilich, das liegt immer auch am Produzenten und all den Leuten, die sonst an der Arbeit des Albums beteiligt sind, aber machen wir uns nichts vor: Das alles kann nur dabei helfen, einer guten Stimme ein Umfeld zu schaffen, in dem sie glänzen kann.
Und Souldiva Furgeson glänzt, als hätte sie nur auf diesen Moment gewartet. Die 22-Jährige ist zudem schon zweifache Mutter, hat schon einige Male hören müssen, dass es das jetzt war, dass da nichts mehr kommt, dass ihr Traum vom Sängerdasein gestorben sei. Nun wird sie ihren Zweiflern mit Inbrunst ein stilvolles «Fuck You» entgegen singen. Und man gönnt es ihr.

Dieser Tage ist die zweite Single (Glitter & Gold) ihres Debütalbums Heaven erschienen. Der ersten Song daraus, so der eine oder andere ihn noch nicht wahrgenommen hat, ist der oben vorgestellte. Furgeson soult sich durch acht weitere Songs und schafft das mit einer Brillanz, die man sonst in dieser Form nur von Adele erlebt. Auch optisch passt die Zweitplatzierte bestens in den Popzirkus: Sie sieht blendend aus, ist jung und wird sich - sollte nicht irgendeine unvorhergesehen (Produzenten)Katastrophe eintreten - ihren erkämpften Status als neue Soullady so schnell nicht nehmen lassen.
Rebecca Ferguson
Heaven
VÖ: 6. April 2012
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