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Juli (Der Monat, nicht die Band) - Ein Rückblick

Gesehen
The Dark Knight Rises, The Amazing Spider-Man, Defendor, Zivilprozess - Gerechtigkeit hat ihren Preis, Männer im Wasser, Mr. Holland’s Opus, The Shield (Staffel 6), Deadwood (Staffel 1) (Wie ich über die gesehenen Filme denke, erfahrt ihr hier.)

Gelesen
Lange lag es ungelesen bei mir rum, obwohl ich es einst kaufte und schnell lesen wollte: Und im Zweifel für dich selbst von Elisabeth Rank. Lene und Tonia brechen zu einem Roadtrip auf, nachdem Lene erfährt, dass ihr Freund Tim bei einem Unfall ums Leben gekommen ist. Die Protagonisten der Geschichte sind wohl Anfang 20, jedenfalls dem Gefühl nach, das man beim Lesen hat. Erzählt wird die Geschichte, bis auf (ich glaube) eine Ausnahme, aus Tonias Sicht, als der der Begleiterin bzw. Beobachterin, wenn man so will. Viele Seiten konnte ich in einem weg lesen, durch andere Passagen musste ich mich regelrecht quälen. Der Grund: Die Sätze, in denen Tonia ihr Innenleben erzählt, sind oft unendlich lang. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich ein Kerl und möglicherweise nicht empathisch genug bin, aber mitunter hatte ich arge Probleme manches über viele Zeilen mühsam beschriebene Gefühl nach- oder mitempfinden zu können.
Andererseits stehen in diesem Buch unzählige Sätze, die man gern auf Postkarten schreiben und verschicken will. Sätze, die ohne Kontext funktionieren. Weisheiten - klug, kurz und so nah an dem, was man mindestens genauso schon einmal sagen, aber letztlich doch nicht so pointiert zusammenfassen konnte. Noch etwas hat mich ziemlich überrascht: Mindestens ein Mal wird aus der Perspektive von Lene geschrieben, also der Figur, die ihren Freund verloren hat. Diese Gedanken sind im Kursivdruck kenntlich gemacht und wäre das nicht der Fall, könnten es ebenso die Gedanken von Tonia sein. Die Sprache, die Art zu Denken, die Wörter aneinanderzureihen, Vergleiche zu ziehen - alles das ähnelt sich so sehr, dass ich es in meinem Kopf mit der gleichen Stimme gelesen habe, wie die übrigen knapp 200 Seiten des Buches.
Vielleicht klingt das hart oder maßlos, aber ich finde, das darf nicht passieren. Da sind zwei Hauptfiguren, die sich für mich fühlbar nicht nur geähnelt haben, sondern sogar identisch waren. Trotzdem hat mich diese Geschichte in ihrer Thematik und Wucht mancher Sätze umgehauen. Und ich habe mich gefragt: Kann man so eindringlich über dieses Thema schreiben, ohne es erlebt zu haben? Vermutlich nicht. Aber egal: Das hier ist eine verdammt gute Geschichte über den Umgang mit einem der schwierigsten Themen überhaupt. Und es ist das Debüt von Elisabeth Rank, die derzeit an ihrem nächsten Buch schreibt.

Peter Abrahams ist in Amerika ein Autor, der für seine ausgeklügelten Thriller-Krimis bekannt ist. Ob einige davon bisher auch auf Deutsch erschienen sind - ich weiß es nicht (glaube aber schon). Was ich sicher weiß, ist, dass drei ganz besondere Geschichten von ihm, mit denen er sich auch auf persönliches Autoren-Neuland wagte, seit 2007 bei uns veröffentlicht wurden: Was geschah in Echo Falls?, Hinter dem Vorhang und …verliefen sich im Wald. Dabei handelt es sich um Jugendkrimis, deren bekanntester Fan vermutlich Stephen King ist, den ich wie folgt zitieren will: 

Wie wir seit Harry Potter wissen, sind Einteilungen wie “für Jugendliche” und “für Erwachsene” bedeutungslos, wenn die Geschichte so gut ist wie diese. Sie besitzt einfach einen unglaublich guten Spannungsbogen, und ich konnte das Buch nicht aus der Hand legen und ins Bett gehen, bevor ich es nicht zu Ende gelesen hatte.

Und was soll ich sagen? King hat Recht! Im Mittelpunkt steht die 12 bzw. 13-jährige Ingrid, die in Band eins noch eher durch Zufall in eine Lage gerät, in der sie sich gezwungen sieht, einen Mordfall zu lösen.
Ingrid liebt die Farbe Rot (Ob sie deshalb keine Angst vor Blut zu haben scheint?), hat einen nervigen älteren Bruder (der in Band zwei eine wichtige Rolle spielt, weil eine Art Nebenkrimihandlung parallel zum eigentlichen Hauptfall erzählt wird, in der Ingrid zum Wohle ihres Bruders etwas herausfinden muss, das ihn in eine unangenehme Lage bringen könnte), zwei Eltern, die eigentlich ganz und gar phantastisch sind, würde da nicht mehr und mehr angedeutet werden, dass es in der Ehe der beiden kriselt (was beachtenswert feinsinnig, hintergründig und reduziert geschildert wird), einen Hund namens Nigel, den sie in Band eins findet und behalten darf (damit er in Band drei eine wichtige Rolle übernehmen kann) und einen Großvater, der mürrisch, aber auch ein grundfeiner Kerl ist (was im dritten Band jedoch eine beängstigende Wendung erfährt, als dieser - so viel kann ich verraten - des Mordes angeklagt wird).
Diese riesige Kosmos: Schule, Mitschüler, das Erleben der ersten kleinen Liebe, die reiche Freundin, die im Laufe der Geschichte zur Feindin wird, Elternzoff und Ingrids Umgang damit, die damit einhergehende familiäre Situation, sowie natürlich all die skurilen Mordfälle, die Ingrid aus den verschiedensten Antrieben heraus lösen will - all diese zahlreichen Ebenen schildert Abrahams so spannend, elektrifizierend und einfühlsam, dass ich mitunter den Eindruck nicht los wurde, hier einer jungen Version von Veronica Mars beim Erwachsenwerden zu folgen.
Ganz ehrlich: Versteht das bitte als dringende Kaufempfehlung für diese drei Bände, die es mittlerweile schon als Taschenbücher gibt! Wann immer Abrahams Echo Falls beschreibt, also die Kleinstadt, in der Ingrid aufwächst, muss ich unweigerlich an Twin Peaks denken - was ich verdammt noch mal gut finde. Übrigens: Lieblingsheld von Ingrid ist Sherlock Holmes. Wie könnte man dieses Mädchen da nicht toll finden?

KICK-ASS 2 heißt eine neue Storyline, die in Band 1 erzählt wird. Den Helden kennen hoffentlich alle, die das lesen - immerhin wurde die erste auf zwei Bände verteilte Geschichte bereits verfilmt. Inhalt der Fortsetzung: Immer mehr Menschen in der Stadt, in der Kick-Ass lebt, haben sich bunte Neoprenanzüge übergestreift und seltsame Namen gegeben. Es gibt sogar eine Superheldengruppe, die unseren liebgewonnenen Protagonisten unbedingt aufnehmen will. Das klingt alles nicht sooo spektakulär? Nun ja, Red Mist kommt zurück, ist irgendwie unfassbar böse und Hit-Girl muss ihrer Mum, zu der Hit-Girl nach dem Tod ihres Vaters ging, versprechen, dass sie nicht mehr als Superheldin durch die Straßen streift. Geschrieben von Mark Millar (wie immer für Comic-Verhältnisse selten realistisch und gerade deshalb so gut) und gezeichnet von John Romita, Jr., der zu einem meiner Lieblingszeichner gehört, weil es ihm gelingt, selbst die kleinste Regung überzeugend in das Gesicht einer Figur zu setzen. Eine gelungene und absolut empfehlenswerte Fortsetzung, die mit einem Herzschlagcliffhänger endet!

Ich muss gestehen, dass ich schon längst über den DC-Reboot bloggen wollte. All die zahlreichen neuen Serien, die aus dem Hause stammen, aus dem auch Batman und Superman kommen. Und ich muss auch zugeben, dass ich selten zur Konkurrenz schiele, es aber bei einigen Figuren, aufgrund ihrer Entstehungsgeschichte und dem Potential, das manche Autoren auch nach Jahrzehnten noch darin entdecken, doch ab und an tue. Daredevil ist eine dieser Marvel-Helden, die ich neben Spider-Man schon immer ultra-interessant fand.
Ein junger Mann rettet einen alten Mann davor, überfahren zu werden und wird dabei von einer Chemikalie, die mit dem LKW transportiert wird, überschüttet. Fortan ist er blind, hat aber auch das Glück, dass sich nicht nur all seine anderen Sinne schärfen, sondern noch ein anderer, ein sogenannter Radarsinn, dazu kommt. 2011 wurde das Autoren-Zepter an Mark Waid weitergegeben, den ich noch aus DC-Zeiten kenne. Dort hat er die wendungsreichsten und spektakulärsten Justice-League-of-America-Geschichten verfasst. Nur spielten die alle im Weltall oder in anderen Dimensionen oder waren eben anderweitig phantastisch. Jedenfalls war die Spielwiese so groß, dass ich mich gefragt habe: Kann der Kerl die Geschichte eines relativ geerdeten Mannes schreiben, der seinen New Yorker Stadtteil fast nie verlässt?
Und Mark Waid kann! Ich mag die psychologische Tiefe, die er der Hauptfigur gibt. Da ist kein Wort zu viel, kein unnötiges Auf-die-Brust-Gehaue und Alphatier-Gehabe. Dabei kommt mir Daredevil um einiges entspannter vor, als in früheren Geschichten, in denen man der Figur einiges an dramatisch-bitteren Erfahrungen aufgebürdet hat. Und noch etwas macht Waid, das ich sehr schätze: Er lässt die Hauptfigur uns Lesern zeigen, was sie kann, selbst wenn er nicht das scharlachrote Teufelskostüm trägt. Es gibt diese schöne Szene, die über zwei gegenüberliegenden Seiten geht (also ein riesiges Bild), in der Matt Murdock (Ja, liebe Unwissenden, so heißt Daredevil tagsüber, wenn er als Anwalt arbeitet.) mit seinem besten Freund durch einen Stadtteil geht und mit all seinen Sinnen wahrnimmt, was um ihn herum geschieht: Ob den steigenden Herzschlag eines Passanten, der ein wichtiges Telefonat zu führen scheint, der Duft der Haare einer Frau, die an ihm vorüberfährt, der Hundehaufen, der unmittelbar vor den Füßen liegt oder die Flügelschläge einer Taube. Diese und mehr sinnliche Wahrnehmungen sind auf dem Bild in kleinen Quadraten mit umgekehrten Farben dargestellt.
Auf die Handlungen als solche einzugehen, macht wenig Sinn, weil es eine in den USA fortlaufende Serie ist, die in Deutschland in Paperbacks veröffentlicht wird, also mehrere abgeschlossene Geschichten in sich vereint. Band 1 besteht aus den ersten sechs Ausgaben und lohnt definitiv, auch wenn der Stil der beiden Zeichner anfangs etwas simpel, comichaft und leicht film-noirig erscheinen mag. Das passt, wird man schnell bemerken, ganz hervorragend zu Daredevil und den Geschichten, die Waid erzählen will! Nicht zu Unrecht hat cnn.com geurteilt:

Locker eine der besten neuen Serien, die 2011 erschienen sind.

Gelernt
Es tut nicht mehr so weh, dafür anders.

    • #Elisabeth Rank
    • #Im Zweifel für dich selbst
    • #Peter Abrahams
    • #Was geschah in Echo Falls?
    • #Hinter dem Vorhang
    • #Verliefen sich im Wald
    • #Kick-Ass 2
    • #Daredevil
    • #Cimics
    • #Bücher
  • Vor 9 Monaten
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  1. von mnemonika als Favorit markiert
  2. von wrongkindoflife als Favorit markiert
  3. von agentdexter gepostet

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