Der Sommer, in dem ich laufen lernte
Mir ist durchaus bewusst, dass sich die Überschrift gut als Buchtitel eignen würde. Aber ich bin bescheiden und will an dieser Stelle über meine Lauf-Erfahrungen schreiben, die ich in den zurückliegenden Wochen gesammelt habe. Das will ich deshalb tun, weil es zunächst mal ein gänzlich anderes Thema ist, dem ich mich hier widmen kann. Bisher war ich wirklich eine faule Sport-Socke und weil ich gerade Zeit habe, will ich (leider ausführlicher als angedacht) über meine Sporterfahrungen berichten.
Folgendes Vorwissen ist vielleicht wichtig: In der Schule musste ich seit dem 12. Lebensjahr nicht mehr am Sportunterricht teilnehmen. Ich war nie übergewichtig, habe aber immer gern gegessen. Gute Gene nennt man das für gewöhnlich. Als ich erfuhr, dass ich fortan nicht mehr am Sportunterricht würde teilnehmen müssen, war ich nicht sonderlich traurig. Ohnehin zählte ich nie zu den Supersoldaten, sondern war eher unter dem letzten Drittel derer, die in irgendwelche Mannschaften gewählt wurden. Spaß an all dem Theater hatte ich nie sonderlich. Schulsport, zumindest so wie ich ihn erlebt habe, hat mir vermutlich jede Freude am Sport genommen.
Dieser ganze Wettkampfgedanke (Mir ist schon klar, dass dieser dazu gehört. Doch wie das so ist: Wenn man immer der Loser ist, selbst wenn man sich noch so sehr anstrengt, dann verliert man eben irgendwann die Motivation, gut sein zu wollen.), den ein Großteil meiner Mitschüler lebte, ging mir schon damals gehörig auf den Senkel. Aber egal: Irgendwann, nämlich nach einer ungewöhnlichen OP, hieß es plötzlich, dass ich nicht mehr am Sportunterricht teilnehmen muss. Wunderbar! Konnte ich so doch eher nach Hause, Comics lesen, SNES spielen oder komische Geschichten schreiben, die ich wie heute auch noch, wenige Tage später wieder mangels Selbstbewusstsein löschte.
Die Magie, die allein der Kauf der Fit for Fun oder Men’s Health verströmt
Die ersten Jahre meines Studiums nahm ich mir plötzlich vor, regelmäßig Sport zu treiben. Ich war noch immer nicht dick, hatte keine Wampe oder dergleichen. Aber eben auch keine Muskeln – nur ein breites Kreuz. Jedenfalls kaufte ich mir mindestens zwei Jahre lang die Fit for Fun und Men’s Health, weil ich dachte, schon durch den Kauf dieser beiden Magazine würde ich an den richtigen Stellen nicht nur schlank bleiben, sondern auch Superman-Muskeln bekommen.
Und so war das dann auch: Dexter kauft und kauft all die Magazine, müht sich sofort auf dem heimischen Fußboden damit ab, ein paar der darin aufgeführten Übungen zu absolvieren, nur um das gebunden Hochglanzpapier am nächsten Tag auf den Stapel zu den anderen meist kaum gelesenen Magazinen zu legen. Konnte doch niemand ahnen, dass ich mich wirklich würde abmühen muss!
Vor etwa eineinhalb Jahren, ich begann gerade mein Volontariat, meldete ich mich bei McFit an, ging in den ersten drei Monaten auch mindestens zwei Mal pro Woche dorthin und absolvierte artig die Übungen, von denen ich annahm, dass sie diese oder jene Muskelgruppe besser zu gelten bringen. Wie gesagt: Lange hielt auch die Motivation dafür nicht an. Selbst die Tatsache, dass ich monatlich 16,90 Euro dafür zahlte, funktionierte als Arschtritt nicht mal ansatzweise. Ich rechtfertigte diesen festen Betrag irgendwann vor mir selbst mit der „Naja, wenn ich wollte, dann könnte ich immerhin jeden Monat dorthin gehen. Das ist doch auch was wert.“-Erklärung. Dumm, nicht?
Am 19. Juni 2012 stellte ich das Faulsein ab. Das heißt, eigentlich schon eine Woche vorher. Weil ich nämlich sämtliche dieser Magazine wegwarf, schaute ich einige davon noch einmal durch, in der Hoffnung, nützliche Sport- oder Ernährungstipps zu finden, die ich einfach rausreißen und aufheben wollte. Darunter war auch der Laufplan, der oben zu Beginn in der Bilderstrecke zu sehen ist. 6 Wochen lang nach diesem Plan zu trainieren, um am Ende in 50 Minuten etwa 10 Kilometer zu schaffen – das war das Ziel des Plan. Schon etwa ein Jahr zuvor hatte ich mir gute Laufschuhe gekauft (sogar die zeige ich euch in der Bilderstrecke), die endlich zum Einsatz kommen sollten. Da ich mir etwa zur gleichen Zeit für mein iPhone auch die nike+-Laufapp runtergeladen hatte (die also auch etwa ein Jahr lang ungenutzt auf meinem iPhone rumlag), die nun endlich zum Einsatz kommen sollte, wollte ich mich nicht mehr länger selbst verarschen und endlich etwas tun.
Ich wählte das Laufen als Sport deshalb, weil ich im Fitnessstudio von zu vielen Möchtegerns umgeben bin, auf die ich eigentlich keinen Bock habe. Vor allem aber, weil es mir um mehr Ausdauer und Gewichtsreduzierung geht (Ja, plötzlich doch. Denn: Ich wog zu Beginn des Lauftrainings 91 Kilo. Ich hatte noch immer keinen Bauch, alles war gut verteilt. Aber irgendwie hatte ich das Gefühl, dass ich ein paar Kilos verlieren könnte und mir das sogar gut tun würde.) Möglicherweise wäre ich nicht auf die Idee gekommen, wenn ich nicht gerade ohne Job gewesen wäre und deshalb die Zeit für solche Späße habe. Aber so oder so wollte ich die freie Zeit nicht ungenutzt lassen.
Um nicht gleich mit Woche 1 zu starten, erfand ich eine Woche 0. Ich zwang mich einfach nur jeden Tag 15 Minuten Laufen zu gehen. Im Grunde wollte ich meinen inneren Schweinehund überwinden. Das allein war das Ziel dieser zusätzlichen vorangestellten Woche. Und während ich anfangs tatsächlich noch so heranging, dass ich an manchem der ersten fünf Tage aussetzen wollte, ging es mir in den letzten beiden eher so, dass ich mich darüber ärgerte, lediglich für 15 Minuten meine Laufklamotten anzuziehen. Das schien den Aufwand irgendwie nicht wert und so freute ich mich auf die erste richtige Trainingswoche.
Bereits in Woche 3 (in Woche 4 meines modifizierten Plans, wenn man so will) wog ich nur noch 88 Kilo (hatte also im Vergleich zum Startzeitpunkt drei Kilo verloren). In Woche 5 pendelte sich mein Gewicht bei 86 bis 87 Kilo ein. Während dieser Zeit aß ich auch tatsächlich vermehrt Salat, trank deutlich mehr – vor allem Wasser und Kräutertee. Das hielt ich aber auch nur etwa fünf Wochen lang aus. Und schon in dieser Zeit überkamen mich häufig nachts Fressattacken. Dann aß ich meist Kuchen, einfach nur Käse (Maasdamer), den ich mit Frischkäse bestrich und trank Milch. Keine Ahnung, woher der Appetit auf genau das kam, aber es war so. Weil ich mich keinem gesunden Ernährungsprogramm unterworfen hatte, tobte ich mich da auch aus. Und nur um das klarzustellen: Wenn ich Salat aß, dann weil ich mir hier alles mögliche zusammenmischte. Unterschiedlich gemischte Salate, mit Rührei und/oder Mozarella, Putenfleich oder Thunfisch. Ich hatte da keinen Plan von irgendwas, schnitt und schnippelte klein, was grad im Supermarkt angeboten wurde.
Hier die wichtigste aller Infos: Ich verzichtete in dieser Zeit weder auf Nutella, noch auf Rotwein. Dafür bin ich wohl zu sehr Genussmensch.
10 Kilometer in 50 Minuten - Habe ich es geschafft?
Irgendwann knickte ich beim Laufen so fies um, dass ich mich zwar noch an zwei weiteren Trainingstagen dazu zwang, auch ja Laufen zu gehen, weil ich mir nicht faul vorkommen wollte, aber letztlich einsehen musste, dass es nichts bringt. Es tat zu weh und ich kam nicht wirklich vorwärts, lief seltsam und – verdammt! - es tat wirklich höllisch weh. Also setzte ich etwa eine Woche aus, was dafür sorgte, dass der Ausgang dieses Lauftrainings sich um eine Woche nach hinten verschob. Am vergangen Sonntag war der letzte offizielle Lauftag nach Plan: Ich absolvierte die 50 Minuten und legte dabei 9,53 Kilometer zurück.
Keine Ahnung, ob das nun gut oder schlecht ist – aber das ist mir egal. Ich fühle mich gut, will aber noch auf einige Dinge hinweisen: Wie man vielleicht auf dem Laufplan sehen kann, sind die verschiedenen Zeitdauern immer mit einer hochgestellten Ziffer versehen. Im Kleingedruckten wird erklärt, dass man manche Zeit zum Beispiel in bestimmten Intervallen, ein andermal deutlich langsam oder aber schneller als üblich laufen soll. Das war mir immer zu blöd, stattdessen lief ich tatsächlich nur die angegebene Zeit ab. Meist an einer Hauptstraße entlang, weg von meiner Wohnung, einen weiten Kreis, der irgendwann zurück zu meiner Wohnung führte und unterwegs die Möglichkeit bot, in einem Park ein paar „gesunde“ Runden, weit weg von den Autoabgasen zu laufen.
Auffällig ist noch, dass sich meine 1-Kilometer-Zeiten deutlich gebessert haben. Die App liefert dafür eine wirklich gute Übersicht für jeden gelaufene Strecke. Ein paar Beispiele für die verschiedenen Ansichten der App gibt es auch in der Bilderstrecke. Lagen die Zeiten für einen Kilometer zu Beginn des Trainings bei etwa 5:30 bis 6 Minuten, habe ich zuletzt Kilometer für Kilometer in 4:45 bis 5:15 Minuten geschafft. Gestern Abend brauchte ich für den ersten Kilometer sogar nur 4:21 Minuten.
Mittlerweile wiege ich etwa 88 Kilo, wobei das +/- 0,5 Kilo schwankt. In Woche 3 gegann ich übrigens damit, auch wieder ins Fitnessstudio zu gehen. Schließlich bezahle ich dafür. Dort sehe ich immer, was ich nicht werden will: Einer dieser Typen mit breiten Schultern, Oberarmen wie Autoreifen und einer unansehnlichen Wampe. Das Laufen sollte deshalb nach wie vor den Hauptaspekt des Trainings ausmachen. Trotzdem wollte ich meinen Oberkörper, speziell den Bauch ein wenig trainieren. Wie gesagt: Mindestens ein Mal die Woche, aber nicht mehr als zwei Mal.
Ach, und gute Musik ist wichtig! Deshalb gibt es oben auch meine etwa zweieinhalb Stunden andauernde Dauerlauf-Playliste, die nach dem Zufallsprinzip während des Trainings lief. Natürlich ist auch die Tageszeit wichtig, zu der man Laufen geht: Abends hab ich zumindest aktuell die meiste Energie - zumindest mehr, als wenn ich mich am Morgen zwinge, etwas früher aufzustehen, um Laufen zu gehen. Da reagiert mein Körper eher mit einem “Fick dich!”. Den Fehler, in der prallen Mittagssonne laufen zu gehen, habe ich zwei Mal gemacht, dann aber nicht mehr. Bei allen Zeiten über die 40 Minuten hinaus hatte ich eine 0,5-Liter-Wasserflasche mit. Für die abzulaufenden Zeiten bis zu dieser Marke habe ich unmittelbar vor dem Training genug getrunken. Meist habe ich geschwitzt als wäre ich in einen Monsun geraten - auch dafür gibt es einen Bildbeweis.
Das Laufen hat dafür gesorgt, das mein Bauch flacher wurde und die Haut dort und an den Hüften (oder wohl eher die Muskeln darunter) fester. In Zukunft will ich versuchen, 3x pro Woche laufen zu gehen (30, 40 und 50 Minuten). An welchen Tagen ich welche der Zeiteinheiten laufe, will ich spontan entscheiden – je nach Tagesform, der jetzt immerhin kein innerer Schweinehund mehr im Weg steht.
7 Notes/ Hide
-
von itisnoteasybutimdoingalright als Favorit markiert
-
von eingeschenk als Favorit markiert
-
von ichbinverwirrt als Favorit markiert
-
von olibyname als Favorit markiert
-
von bikepirat als Favorit markiert
-
von agentdexter gepostet

