Ich bin fürs Wollen.

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Die Geschichte des einsamen Cowboys ist eine voller Missverständnisse. Die meisten verbinden eine seltsam unpräzise Romantik mit den Revolvermännern und es dauert lange, bis man noch andere Bilder findet, an die man dabei denkt. Natürlich ist das alles unfassbarer Unsinn. Moderne Western-Filme haben mit dem Genre aufgeräumt und gezeigt, dass das Leben des einsamen durch die Gegend ziehenden Kerls vor allem eins ist: brutal.

Auch Kid Kopphausen rettet sich von Geschichte zu Geschichte. Sie alle werden erzählt vom Duo Gisbert zu Knyphausen und Nils Koppruch auf deren gemeinsamen Debüt I. Ersteren kennt man als Singer und Songwriter der aktuellen Stunde: Zu Knyphausen besingt das Elend des Lebens und besticht dabei durch brillant schöne Texte, die nie wehleidig sind, aber immer aus unser aller Biographien stammen könnten. Koppruch war bis 2006 Frontmann der deutschen Band Fink, ist aber darüber hinaus auch in zahlreichen anderen Projekten als Texter, Sänger und Künstler involviert.

Mit Hier bin ich, dem Eröffnungssong des Debütalbums, stellt sich Kid Kopphausen vor: Er ist wir alle und doch ganz anders. Ein Geist, kein guter oder böser, sondern einer, der unersättlich ist. Einer, der der Welt berichten will von seinen Erfahrungen und dabei nicht davor zurückschreckt, einem weh zu tun.

Es gibt brillante Songs auf I: Das Leichteste der Welt etwa ist so einer. Sinnsuche im Song hat nie packender geklungen – «Ich lerne langsam wieder laufen und sprechen und gebe den Dingen einen Namen». Zu Knyphausen singt um das Leben des Protagonisten, die Band musiziert sich in Ekstase und wenn man die Augen schließt, wähnt man sich einen kurzen Moment lang auf dem Schlachtfeld und glaubt, man habe als einziger überlebt.

Wenn ich dich gefunden habe ist wie ein endloser Blick in den langsamen Tanz des Funken sprühenden Lagerfeuers, an dem Kid spät in der Nacht sitzt, während er von der einzigen Liebe träumt, die – natürlich – gescheitert irgendwo ihre Vergangenheit hat. Wenn der Wind übers Dach geht wird getragen von einer seltsamen Elektro-Orgel, bevor schmierige Gitarren Risse durch das Spiegelglas ziehen. Ein von Selbstzweifeln und Ängsten beseelter Text, der wie alle 13 Stücke auf I von perfekt arrangierter und eingespielter Musik umgeben ist.

Koppruch und zu Knyphausen präsentieren sich als ambitioniertes Duo, das sich auf den ersten Blick gefunden zu haben scheint, aber auf den zweiten hin und wieder übers Ziel hinausschießt. Ein Umstand, der für Cowboys bekanntermaßen tödlich enden kann.

Nicht immer funktionieren die bilderreichen und doppeldeutigen Texte, weil sie mit schwer zugänglicher Poesie zugekleistert werden. Etwas mehr Eindeutigkeit hätte manchem Vers gut getan. Es ist wie bei einem High-Noon-Duell: Mehr als ein einziger schneller Schuss bleibt dem Cowboy nicht. Wer will sich schon in den Tod labern lassen? Und Gisbert zu Knyphausen weiß das, denn im letzten Song singt er «Oft ist es nur ein Satz, der alles andere nach sich zieht».

Durchschnittliche bis brillante Songwritermomente kann man auf I entdecken. Aber Kid Kopphausen ist noch jung und ein ungestümer Neuling in der Pop-Prärie, der manchmal nicht so recht weiß, wann es besser ist, wenig zu sagen. Trotzdem könnte er sich als perfekter Begleiter für die letzten Spätsommernächte herausstellen. Sattelt die Pferde - das Abenteuer beginnt!

Kid Kopphausen
I
VÖ: 24. August 2012 

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