1. Nur ein einziges Mal musste ich an diesem Weihnachtsfest das die Verwandtschaft beherrschende Thema der nicht vorhandenen Freundin über mich ergehen lassen. Ganz kurz nur, als die Lieblingsoma (71) feststellte, dass sie es wohl nicht mehr erleben wird, ihren Enkel halten zu können. Ich konterte betrunken-mutig damit, dass das meine Taktik sei, um dafür zu sorgen, dass sie uns noch möglichst lange erhalten bleibt. Da schüttelte sie lächelnd den Kopf, sah einen winzigen Augenblick zu Boden und zog, als sie wieder aufblickte, die rechte Augenbraue etwas höher und warf mir ein „Verarsch mich nicht, mein Lieber“ entgegen, während sie zur Unterstützung ihrer Allmacht den rechten Zeigefinger vor ihrem Gesicht tadelnd tanzen ließ.
Nach der knapp viereinhalbstündigen Rückfahrt Richtung Hamburg saß mir in der U-Bahn eine rothaarige Frau gegenüber, die mich offensiv anlächelte. Derart offensiv, dass ich annahm, mir würden irgendwo noch Essensreste im Gesicht hängen und mich daraufhin nervös abtastete. Als alles in Ordnung zu sein schien mit meiner oberflächlichen Erscheinung sah ich mich um, weil ich herausfinden wollte, weswegen sie so lächelte. Mitten in der Drehbewegung dachte ich zum ersten Mal daran, dass sie mich meinen könnte und ich begann selbst zu grinsen, was sie wiederum erst sah, als ich in ihre Richtung blickte. Vorsichtige Wellen durchzogen ihr rotes Haar, das sich um ihr Gesicht schmiegte. Himmel, muss sie hübsch gewesen sein, versucht mir meine Erinnerung gerade einzureden. Plötzlich überkommt mich das Bedürfnis, Das Mädchen aus dem Wasser noch einmal anzuschauen, weil Bryce Dallas Howard der U-Bahn-Frau so ähnlich sieht und ich gern über ungenutzte Möglichkeiten nachdenke, statt es zu versemmeln oder versemmeln zu lassen.
Am nächsten Tag werde ich von einer SMS meiner Eltern geweckt, die sich noch einmal für die gemeinsame Weihnachtszeit bedanken und mir entspannte Resttage im alten Jahr wünschen. Mein Blick schweift durchs Zimmer, vorbei an den Büchern im Regal und bleibt kurz hängen bei dem, das die Geschichte einer Depression erzählt und eines von denen ist, die wir damals auf der Büchermesse geklaut haben – sie und ich. Während ich dusche, frage ich mich, warum ich ausgerechnet dieses Buch mitgenommen habe, obwohl es mir damals gut ging. Klar, jetzt bin ich manchmal traurig, fühle mich wie eines dieser riesigen Marmeladen-Gläser, die man bei IKEA leer kaufen kann und zu Hause selbst befüllt. Vielleicht muss man mich auch erst wieder befüllen mit guten Dingen. Hoffnung ist zumindest keine mehr da, begreife ich, während ich mich abtrockne, vor dem Spiegel stehe und einen Moment später sehe, wie Zahnpastaspritzer sich auf dem Spiegel verteilen.
Eigentlich ist alles okay. Ich habe Kaffee und Toastbrot, gute Bücher und Musik, die ausdrückt, was ich selbst noch nicht verstanden habe. Es geht mir wirklich gut. Ehrlich. Zum ersten Mal fehlst nicht du, sondern das Ideal, das wir beide hatten. Traurig macht mich möglicherweise nur, dass ausschließlich ich es bin, dem dieser Zustand fehlt. Aimee Mann singt You deserve all the mess that even guilt won’t allow und ich wundere mich darüber, dass es Menschen gibt, die mit ihrer Musik nichts anfangen können, während ich beide Füße an die Heizung drücke und der Sonne beim Untergehen zusehe. Verdammt, es ist erst früher Nachmittag. Wer kann bei diesen Lichtverhältnissen da draußen schon glücklich sein? Dann beschließe ich zu löschen, woran ich in den zurückliegenden Monaten geschrieben habe. Es hat eh alles mit uns zu tun und wir wissen beide, dass es das nicht mehr gibt - geben wird.
Auf meinem Schreibtisch liegt TV-Serien: Schreiben fürs Fernsehen und ich erinnere mich, dass ich im zurückliegenden Sommer einem guten Freund von einer Idee erzählt habe, die mit einem gewissen Doctor zu tun. Diese Idee muss aufs Papier und ich brauche Werkzeug und Regeln für das, was mir vorschwebt. Während ich mich gesellschaftstauglich bekleide, lache ich mich innerlich aus für diese Doctor-Idee. Aimee Mann ist bei Red Flag Diver angelangt, als ich in die volle Bahn steige.
Hallo Hamburg, hallo 2013.
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    Nach der knapp viereinhalbstündigen Rückfahrt Richtung Hamburg saß mir in der U-Bahn eine rothaarige Frau gegenüber, die mich offensiv anlächelte. Derart offensiv, dass ich annahm, mir würden irgendwo noch Essensreste im Gesicht hängen und mich daraufhin nervös abtastete. Als alles in Ordnung zu sein schien mit meiner oberflächlichen Erscheinung sah ich mich um, weil ich herausfinden wollte, weswegen sie so lächelte. Mitten in der Drehbewegung dachte ich zum ersten Mal daran, dass sie mich meinen könnte und ich begann selbst zu grinsen, was sie wiederum erst sah, als ich in ihre Richtung blickte. Vorsichtige Wellen durchzogen ihr rotes Haar, das sich um ihr Gesicht schmiegte. Himmel, muss sie hübsch gewesen sein, versucht mir meine Erinnerung gerade einzureden. Plötzlich überkommt mich das Bedürfnis, Das Mädchen aus dem Wasser noch einmal anzuschauen, weil Bryce Dallas Howard der U-Bahn-Frau so ähnlich sieht und ich gern über ungenutzte Möglichkeiten nachdenke, statt es zu versemmeln oder versemmeln zu lassen.

    Am nächsten Tag werde ich von einer SMS meiner Eltern geweckt, die sich noch einmal für die gemeinsame Weihnachtszeit bedanken und mir entspannte Resttage im alten Jahr wünschen. Mein Blick schweift durchs Zimmer, vorbei an den Büchern im Regal und bleibt kurz hängen bei dem, das die Geschichte einer Depression erzählt und eines von denen ist, die wir damals auf der Büchermesse geklaut haben – sie und ich. Während ich dusche, frage ich mich, warum ich ausgerechnet dieses Buch mitgenommen habe, obwohl es mir damals gut ging. Klar, jetzt bin ich manchmal traurig, fühle mich wie eines dieser riesigen Marmeladen-Gläser, die man bei IKEA leer kaufen kann und zu Hause selbst befüllt. Vielleicht muss man mich auch erst wieder befüllen mit guten Dingen. Hoffnung ist zumindest keine mehr da, begreife ich, während ich mich abtrockne, vor dem Spiegel stehe und einen Moment später sehe, wie Zahnpastaspritzer sich auf dem Spiegel verteilen.

    Eigentlich ist alles okay. Ich habe Kaffee und Toastbrot, gute Bücher und Musik, die ausdrückt, was ich selbst noch nicht verstanden habe. Es geht mir wirklich gut. Ehrlich. Zum ersten Mal fehlst nicht du, sondern das Ideal, das wir beide hatten. Traurig macht mich möglicherweise nur, dass ausschließlich ich es bin, dem dieser Zustand fehlt.



    Aimee Mann singt You deserve all the mess that even guilt won’t allow und ich wundere mich darüber, dass es Menschen gibt, die mit ihrer Musik nichts anfangen können, während ich beide Füße an die Heizung drücke und der Sonne beim Untergehen zusehe. Verdammt, es ist erst früher Nachmittag. Wer kann bei diesen Lichtverhältnissen da draußen schon glücklich sein? Dann beschließe ich zu löschen, woran ich in den zurückliegenden Monaten geschrieben habe. Es hat eh alles mit uns zu tun und wir wissen beide, dass es das nicht mehr gibt - geben wird.

    Auf meinem Schreibtisch liegt TV-Serien: Schreiben fürs Fernsehen und ich erinnere mich, dass ich im zurückliegenden Sommer einem guten Freund von einer Idee erzählt habe, die mit einem gewissen Doctor zu tun. Diese Idee muss aufs Papier und ich brauche Werkzeug und Regeln für das, was mir vorschwebt. Während ich mich gesellschaftstauglich bekleide, lache ich mich innerlich aus für diese Doctor-Idee. Aimee Mann ist bei Red Flag Diver angelangt, als ich in die volle Bahn steige.

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