1. "The same procedure as every year": Meine 10 Lieblingsalben 2013

    Bevor ich gleich anfange eine Antipasti-Wähe zu bauen, Gemüse für den Kartoffelauflauf klein zu schneiden, Gewürze zu hacken und Walnuss-Brownies zu backen, habe ich mir gerade den letzten Kaffee dieses Jahres aufgebrüht, um euch ganz schnell meine 10 Lieblingsalben 2013 vorzustellen. Ich weiß doch, wie gern Vincent schreibt, dass er kein einziges der Alben kennt – und es würde mir etwas fehlen, wenn ich dieses Satz in diesem Jahr nicht zu lesen bekäme.

    Wie immer beginne ich mit der 10 und arbeite mich durch bis zu meiner Nummer 1. Wie immer entspricht diese Liste meinem Geschmack und ist frei von Zusatzstoffen der Musikindustrie. Neu ist hingegen an dieser Stelle, weil es einem ja ohnehin auf last.fm so schön angezeigt wird, dass ich euch die von mir am häufigsten gehörten 10 Songs 2013 präsentiere. Diese Liste korreliert nicht immer mit meiner Alben-Top-10, ist aber vielleicht auch interessant - dafür klickt ihr bitte oben einfach zwischen den beiden Bildern hin und her.

    Wer mag, kann hier in eine Spotify-Playlist reinhören, die von jedem der nachfolgenden Alben einen Song vorstellt - von der Nummer 1 sogar zwei Songs am Ende.

    10. NO CEREMONY von NO CEREMONY///

    Schon lange machte das Trio aus Manchester mit Remixen und kleinen Songveröffentlichungen auf sich aufmerksam. In diesem Jahr ist endlich ihr erstes Album erschienen. Hier treffen warme Piano-Klänge auf harte Beats und sphärischen Falsettgesang. Gefühlt wurde kaum über dieses Album berichtet – deshalb möchte ich das an dieser Stelle ändern: Victory, Kelly und James machen wundervolle Pop-Musik für Herzschmerzmomente, lange Autofahren und noch längere Partynächte.

    9. Bye Bye Manchester von Mélanie Paine

    An dieser Stelle spare ich mir mal alle billigen „Ich mag’s französisch“-Gags. Bekannt wurde Mélanie Paine durch das Bandprojekt Nouvelle Vague, aber auch der Band M83 hat sie schon ihre Stimme geliehen. Auf ihrem Soloalbum bewegt sich die französische Pop- und Chansonsängerin durch dunkle, gut gelaunte und melancholische Geschichten. Dabei wirkt Paine immer ein bisschen wie die beste Freundin, die auf Teufel komm raus nicht zulässt, dass es einem dreckig geht. Und nach Manchester will ich nun auch nicht mehr.

    8. Push the sky away von Nick Cave & The Bad Seeds

    Ich muss gestehen: Nick Cave könnte mir auch aus dem Telefonbuch vorsingen und ich wäre fasziniert. Das liegt daran, dass seine Stimme weiß, wovon der Geist erzählen will. Wenn er auf Albumlänge von neun Momente über Verlust, Angst, Alleinsein, Scheitern, neuen Zielen und Hoffnung in schönstem Pop-Gospel-Blues-Songwritertum berichtet, darf man auch mal die eine oder andere Träne vergießen. Ein vollkommen zurecht allerorts hochgelobtes Album, das vermutlich auch über 2013 hinaus auf vielen Bestenlisten bestehen bleibt.

    7. Blausicht von Gerard

    Nichts mit Casper. Nicht in diesem Jahr. Nicht bei mir. Dafür haben mir Gerards Geschichten, Erfahrungen und Destillate besser gefallen. Komplexer und weniger gewollt, ehrlicher und (jetzt kommt das böse Wort) authentischer singt der österreichische Rapper von unser aller Leben, jede Wette. Eingepackt in funkelnd-blinkende Synthieflächen und wüste Beats springt auch Gerard auf den Erfolgszug des deutschsprachigen Hip-Hops auf. Aber – und das muss gesagt werden – mehr als verdient.

    6. Repave von Volcane Choir

    Justin Vernon macht eigentlich als Bon Iver Musik. So wird er weltweit angehimmelt von den Indie-Folk-Pop-Jüngern dieser Zeit. In der Kollaboration Volcano Choir, die von der US-Wikipedia-Version als Indie-Rock machende Band bezeichnet wird, klingt er zwar etwas wilder als die Musik seines ungleich berühmteren Projekts, aber als Rock würde ich das noch immer nicht bezeichnen. Zur Ruhe kommt man auch hier, wenngleich der Sound etwas lauter, ungestümer und dramatischer daherkommt. Mir bleibt nur zu sagen: Wenn ich einmal ertrinke, dann bitte zu Repave. Danke.

    5. Free your mind von Cut Copy

    Man kann den Kopf frei kriegen, aber nie das Herz. Das wissen auch Cut Copy. Die australische Pop-Band, die offenbar eine große Vorliebe für den New Wave der 80er hat, tobt sich auf ihrem gerade erschienen Album derart unverschämt aus, dass es womöglich nur zwei Möglichkeiten für den Hörer gibt: Entweder man hasst es oder verliebt sich unsterblich. Ich belohne so viel Mut, der zudem schon einige Male bei diversen Musikgroßveranstaltungen in der Kategorie „Best Dance Release“ nominiert war. Ganz viel Liebe für die Drogen, die die Jungs genommen haben müssen, um diese Musik zu komponieren!

    4. Reflektor von Arcade Fire

    Was war das für ein Hype! Was für eine Gigantomanie! Was für eine Anspannung, die zum ersten Mal von mir fiel, als ich zur Single Reflektor und zu David Bowies Gesang durch meinen heimischen Tanzsaal gespurtet bin. James Murphy (LCD Soundsystem) wird nun vermutlich von sehr vielen Menschen gehasst oder noch inniger geliebt, denn er hat der kanadischen Band ein Klangkostüm geschneidert, dass dafür sorgen dürfte, dass die Musik dieser erstaunlichen Kombo ab sofort auch in den Indie-Discos dieser Welt zu hören sein wird. Wir wissen doch alle: Je bekloppter man beim Tanzen aussieht, desto egaler ist einem alles um einen herum. Und eines kann ich euch verraten: Ich sehe sehr sehr bekloppt dabei aus.

    3. If you wait von London Grammar

    Wenn die ungewöhnlich dunkle Stimme von Hannah Reid auf helle und breitwandtaugliche Trip-Hop-Sounds trifft, hat man das Gefühl, die Zeit stünde still. Vielleicht das schönste Debüt in diesem Jahr stammt von der britischen Band London Grammar, weil es ähnlich wie die Musik der Florence Welch über eine ganz eigene Magie verfügt. Die Deluxe Version des Albums hält sogar 17 Stationen parat, die einer unfassbaren Achterbahnfahrt gleichkommen. Hierauf habe ich gern gewartet, aber jetzt, ja?, jetzt ist Schluss mit Warten.

    2. Back to forever von Lissie

    Neben Aimee Mann ist Lissie die einzige Frau der gegenwärtigen Musikwelt, neben der ich aus tiefem Respekt und Bewunderung kein Wort rausbekommen würde. (Es sei denn, ich bräuchte einfach nur mitzusingen – das würde ich vermutlich gerade so noch hinbekommen.) Auf ihrem zweiten richtigen Album nach ihrem 2010er Debüt (wenn man das darauf folgende Live-Album mal ausblendet) wirkt Lissie gereifter, stärker und selbstbewusster. Mit noch mehr Elan, als man es von ihr kennt, macht sie amerikanischen Folk-Rock, der trotz seiner Kratzigkeit, der Rauheit und der Anti-Mainstreamigkeit über so viel Charme verfügt, dass man so seine Schwierigkeit haben wird, sich nicht in Lissie zu verlieben.

    1. Where does this door go von Mayer Hawthorne

    Das Ding ist: Ich kann absolut nachvollziehen, dass diesen Album vielen Kritikern zu elektrolastig ist. Hawthorne hat viel rumgespielt und an seiner Interpretation von modernem Soul-Funk gefeilt. Möglicherweise geht einem das Geblinker schnell auf den Sack – mir aber eben nicht. Darum hat es dieses Album auch ganz locker auf meinen Platz 1 geschafft. Dass er mit All Better dann auch noch einen Piano-Song kreiert hat, der genauso von den Beatles stammen könnte und einen zu Tränen rührt, ist so famos, dass ich es nur wage ihn ganz ganz leise mitzusingen. Darüberhinaus gilt: Schöner hat man lange nicht Mitgeschubiduuut!

    1. von agentdexter gepostet

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