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  • No ReasonGreenshape

Nur im Unterhemd, mit nach hinten gegeltem Haar und leicht nach vorn gebeugt blickt der Mann von unten nach oben. Seine Stirn liegt in Falten. Und einen Bart trägt der Mann der Stunde. Ein Großteil der weiblichen Zielgruppe dürfte GreenShape, der gerade sein Debütalbum Storyteller veröffentlicht hat, damit schon mal sicher sein.

Soviel zu den Oberflächlichkeiten, die in dieser grausamen Popwelt da draußen ja allerorts für schnelle Urteile sorgen. Was macht der wohl für Musik, dieser GreenShape? HipHop ist es nicht. Country, Rock oder alternative Weltmusik auch nicht. Zum Glück, muss man sagen. Der Mann hinter GreenShape ist mit den Beatles aufgewachsen, später kamen Led Zeppelin, Johnny Cash und Nirvana dazu. Obwohl er gerade bei den letzt genannten deutlicher wird: Kurt Cobain habe ihn beeinflusst.

Eine traurige Kindheitsgeschichte gibt’s obendrauf, damit sofort klar ist: Dieser Mann weiß, wovon er singt. Die Eltern ließen sich scheiden, als er 8 Jahre alt war. Gemeinsam mit der Mutter verließ er seine Heimat (Welche das ist, verrät das Promoblatt jedoch nicht.), zieht mit ihr nach Seattle, bekommt irgendwann zu Weihnachten seine erste Gitarre geschenkt und nimmt sich nichts Geringeres vor, als ein zweiter Johnny Cash zu werden. Na dann, wenn’s weiter nichts ist.

Plötzlich ist da die Meldung über seinen Vater, der, zurückgelassen und unter ständigem Alkoholeinfluss, seine mittlerweile schon dritte Frau erschossen hat. Für unseren Nachwuchs-Cash brechen düstere Zeiten an: Er verliert sich selbst im Alkohol und anderen Drogen. Im Grunde droht er zu werden, was er nie sein wollte – sein eigener Vater. Irgendwann landet er in Frankreich, natürlich nur mit seiner Gitarre im Gepäck.

Dort wurde der Chef eines Musiklabels auf den gebrochenen jungen Mann aufmerksam und bot ihm einen Plattenvertrag an. Eine lange Reise begann. Es ging nach Texas, wo er einige Songs des Debütalbums Storyteller aufnahm. Auch nach Schweden zog es ihn, wo er mit Tore Johansson zusammenarbeitete, der auch schon Franz Ferdinand und The Cardigans musikalisch betreute.

Es klingt wie ein Märchen, das GreenShape leben darf. Ob es wahr ist? Egal. Der Mann hinter dem Projektname ist Singer/Songwriter. Eine Gitarre reicht dem Typen, seine wirklich angenehme Singstimme tut ihr übriges. Und doch hat das winzige Produzenten-Team ihn vorsichtig in Richtung akustischen Indie-Pop geschubst, könnte man sagen. Keyboard, Streicher wie Cello und Violine, Schlagzeug und natürlich Gitarre dominieren die Klanglandschaften, auf denen GreenShape von Zusammenbrüchen, Neuanfängen, Selbstbetrug und Läuterung singt. Storyteller, Feel Better und No Reason gehören für mich zu den besten Stücken des Albums.

Ich konnte mir nicht helfen, aber wann immer ich den 11 Liedern auf Storyteller gespannt gelauscht habe, sah ich GreenShape allein in einem großen, alten, ziemlich heruntergekommenen Haus, das sich mit der Zeit verändert. Ein Haus, in dem er sich von Zimmer zu Zimmer arbeitet, die Wände ausbessert, streicht, vielleicht tapeziert, den Boden neu macht, die kaputten Fensterscheiben mit neuen ersetzt, vorher die Rahmen abschleift und neu streicht. Das Haus ist schön geworden, so wie es da steht, auf dem kleinen Hügel, hinter dem die Sonne untergeht. Die Arbeit hat sich gelohnt.

GreenShape
Storyteller
VÖ: 10. August 2012 

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Gib jemandem die Unsterblichkeit und er redet dir ein Loch in den Bauch.

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