Musik vom laufenden Band
Ich habe nichts gegen Nena. Ich finde ihre Musik nur scheiße. Und so viel Auswahl hat man nicht, wenn man guten deutsch-sprachigen Indie-Pop hören will. Wir sind Helden haben sich aufgelöst, von Juli will ich gar nicht erst anfangen, Bosse ist sympathisch, aber gerade sein aktuelles Album schrammt einige Male um Haaresbreite am Schlager-Sing-Sang vorbei und sonst? Ach, ich weiß es doch auch nicht.

Obwohl doch: Mit Heute ist für immer hat am vergangenen Freitag eine neue Band ihr hörenswertes Debütalbum veröffentlicht. Tonbandgerät heißt das Quartett, das aus Hamburg stammt und 2012 den New Music Award gewonnen hat.
Nun ist Hamburg nicht gerade arm an Musikern und schon gar nicht an solchen, die es Jahr für Jahr wissen wollen. Tonbandgerät besingen retrospektiv die Zeit des Abis, die wilde Phase des anschließenden Studiums, die damit verbundenen Unsicherheiten und Ängste, den ganzen Liebeskram, mit dem man fertig werden muss, wenn man erwachsen wird, sich verändernde Freundschaften und die schleichende charakterliche Weiterentwicklung in uns allen.
Alles das gelingt Jakob (Schlagzeug), Isa (Bass), Sophia (Gitarre/Texte) und Ole (Gesang) erstaunlich gut. Man möchte es eigentlich vermeiden, weil das Wort so abgenutzt ist, aber Tonbandgerät klingen: authentisch. Und klug. Und sentimental. Und poetisch.
Man kann Heute ist für immer gut weghören. Interessant wird es aber erst, wenn man sich dabei ertappt, genau auf die Texte zu hören und sich darin wiederfindet. Das ist schön und nie kitschig. Und besser als Nena sowieso.
Tonbandgerät
Heute ist für immer
VÖ: 19. April 2013







