Elvis lebt!
Keine Ahnung, wie ich beginnen soll. Vielleicht damit: Ich mag die Musik von TEXAS. Ich mochte sie schon lange vor deren Überhit Summer Son. Ich mag sie vor allem, weil sie mit Inner Smile und When we are together Songs geschaffen haben, die mich auf ewig glücklich machen werden. Vielleicht verzeihe ich TEXAS auch deshalb mehr als irgendeiner anderen Band oder einem Künstler musikalische Fehltritte – und davon haben sich TEXAS einige geleistet. Auch ihr neues Album The Conversation ist nicht frei davon.
Aber Moment: Neues Album? Yep. TEXAS haben es gerade still und leise veröffentlicht. Sängerin Sharleen Spiteri hatte es unlängst als Solo-Künstlerin versucht und dabei, wie ich finde, eine überaus gute Figur gemacht. Davon, dass es TEXAS irgendwann wieder als Band geben würde, konnte man also nicht wirklich ausgehen.

Es ist gut möglich, dass ich TEXAS vor allem ihrer Frontfrau wegen so schätze. Sie ist eben keine dieser Hochglanzpüppchen, sondern wirkt immer, als könnte man mit ihr hervorragend in einer Kneipe sitzen, Biere leeren und über schlechte Witze lachen. Und obwohl die Britin diesen Eindruck macht, glaube ich, dass sie gleichzeitig auch Frau genug ist, um mit besten Freundinnen über uns ungehobeltes Männervolk zu lästern. Ich mag diesen Typ Frau, dieses Selbstbewusstsein, diese Haltung.
Die erste gleichnamige Single The Conversation ist zugleich Albumopener, aber bei aller Liebe nicht der stärkste Song daraus. Schon oft habe ich in den vergangenen Tage ins digitale Megaphon geschrien und Detroit City gelobt, das sich vom ersten Ton an perfekt anfühlt. Talk about love könnte ebenso gut von Roy Orbison stammen – was mich nicht stört. Ich schreibe das nur, damit danach niemand entsetzt sagen kann: DAS hat der Kerl empfohlen?
Vielleicht schon Schlager, aber scheißegal
TEXAS leben von dieser gelungenen Balance zwischen Blues-Pop-Rock und (amerikanischem/britischem) Schlager. Es ist diese ganz gewisse Haltung, die ich gar nicht genau benennen kann, die aber eben macht, dass TEXAS – vollkommen egal zu welcher Zeit diese Band ihren kreativen Höhepunkt gehabt hätte – nie von Hipstern gemocht worden wäre. Spiteri und ihre Jungs haben schon immer überdurchschnittliche Formatradiosongs komponiert. Auch für The Conversation ist ihnen das gelungen.
Doch wie auch in den 20 Jahren zuvor, haben sich auch diesmal einige Titel eingereiht, für die man Fan sein muss, um sie zu erdulden oder die Forward-Taste bemühen wird (I will always, I need time). Spiteri hat offenbar tierisches Vergnügen daran, einen auf Elvis zu machen (wie sie auch bereits im hervorragenden Musikvideo zu Inner Smile beweisen konnte).
Selten, aber manchmal, übertreibt sie es und geht einem damit tierisch auf den Sack. In Maybe I klingt sie ein paar Sekunden zu lang, als würde sie jeden Moment in eine seltsam verzerrte Version von Always on my mind wechseln – ein Song, der ja bereits vom King persönlich zum Erfolg gesungen wurde.
Sei’s drum: The Conversation wird keine neuen TEXAS-Fans generieren, aber sicher jene glücklich machen, die gar nicht mehr mit neuem Material dieser überaus sympathischen Band gerechnet haben. Und mit Hearts are made to stray gibt es dann noch mal eine große Dosis Hoffnung für alle Hoffnungslosen. Das reicht mindestens bis zum nächsten Album, das bitte nicht wieder acht Jahre auf sich warten lässt.
TEXAS
The Conversation
VÖ: 17. Mai 2013
Quelle: Spotify



