1. Draufhauen, aufbauen!
Manche dort draußen glauben tatsächlich, ich würde gute neue Musik auf gar keinen Fall übersehen. Im zurückliegenden Jahr muss aber einiges schief gelaufen sein, denn ich habe sowohl die Singles Brighter, Lust and Lies und Tokyo von The Ramona Flowers überhört. Oder vielmehr: nicht zu hören bekommen – was eine ziemliche Schande ist. Denn die Band, die sich nach einer der Figuren aus dem Film Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt benannt hat, erntet für ihr neues Album Dismantle And Rebuild Lob ohne Ende.

Da ist der britische NME, der dazu sagt „A wholly different beast, and one that could have feasibly fitted on Radiohead’s Kid A“ oder der Guardian, der es noch schneller auf den Punkt bringt mit „Hugeness may be imminent“. Und glaubt mir, die Zitatenliste auf meinem Schreibtisch gäbe noch einiges mehr her. Aber dann könnte ich es ja auch gleich lassen, meine Meinung darüber in dieses Internet zu tippen.Die Jungs, die hinter The Ramona Flowers stehen, kommen aus Bristol. Und tatsächlich: Soundtechnisch und vor allem gesanglich scheint es, als hätte man sich hier und da an Radiohead bzw. dessen Frontmann Thom York orientiert. Aber – und das ist gut – nicht nur. Auch die Dramatik des U2-Frontmanns Bono steckt bereits in der DNS dieser Debütanten.
Unter der Leitung von Andy Barlow (eine Hälfte des Trip-Hop-Duos Lamb) ist dabei ein erstaunlich vielfältiges Alternativ-Pop-Album entstanden, das alles erreicht, was ein Erstling nur erreichen kann. Dismantle and Rebuild ist aufregend, wüst, still, stürmisch, chaotisch und überlebensgroß.

Tokyo ist das Monster, das dich nicht mehr loslässt, wenn du dich einmal von ihm hast umrennen lassen. Brighter beginnt finsterer, als es auf dem Dachboden eurer Eltern war und wendet sich doch schon nach wenigen Sekunden mit dem Gesang von Frontmann Steve Bird gen Licht. Modern World erinnert in Sachen Geradlinigkeit, Melodiestruktur und Coolness an New Order.
The Ramona Flowers spielen mit den Erwartungen, überraschen mit wendungsreichen Kompositionen und überzeugen mit einem Sound, der auch bei Foxes, dem Bombay Bicycle Club, Hot Chip, Alt-J oder Ladytron einen bleibenden Eindruck hinterlassen hat. So sehr, dass TRF bereits Support-Act einiger dieser Bands waren oder mit einem Remix von einem ihrer Songs geehrt wurden.

In ihren besten Momenten sind die Jungs aus Bristol episch und bauen in weniger als fünf Minuten eine Klangwelt auf, die mitreißt. Trotz der vielen Zitierungen eigener musikalischer Vorbilder versteht es die Band, eigene Merkmale in die Waagschale zu werfen. 11 Songs, knapp 50 Minuten Spielzeit und das Gefühl, über sich hinauswachsen zu können, wann immer man dieses Album hört. Besser kann man sich gar nicht wieder zusammenbauen lassen.
The Ramona FlowersDismantle and RebuildVÖ: 18. Juli 2014

    Draufhauen, aufbauen!

    Manche dort draußen glauben tatsächlich, ich würde gute neue Musik auf gar keinen Fall übersehen. Im zurückliegenden Jahr muss aber einiges schief gelaufen sein, denn ich habe sowohl die Singles Brighter, Lust and Lies und Tokyo von The Ramona Flowers überhört. Oder vielmehr: nicht zu hören bekommen – was eine ziemliche Schande ist. Denn die Band, die sich nach einer der Figuren aus dem Film Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt benannt hat, erntet für ihr neues Album Dismantle And Rebuild Lob ohne Ende.

    Da ist der britische NME, der dazu sagt „A wholly different beast, and one that could have feasibly fitted on Radiohead’s Kid A“ oder der Guardian, der es noch schneller auf den Punkt bringt mit „Hugeness may be imminent“. Und glaubt mir, die Zitatenliste auf meinem Schreibtisch gäbe noch einiges mehr her. Aber dann könnte ich es ja auch gleich lassen, meine Meinung darüber in dieses Internet zu tippen.

    Die Jungs, die hinter The Ramona Flowers stehen, kommen aus Bristol. Und tatsächlich: Soundtechnisch und vor allem gesanglich scheint es, als hätte man sich hier und da an Radiohead bzw. dessen Frontmann Thom York orientiert. Aber – und das ist gut – nicht nur. Auch die Dramatik des U2-Frontmanns Bono steckt bereits in der DNS dieser Debütanten.

    Unter der Leitung von Andy Barlow (eine Hälfte des Trip-Hop-Duos Lamb) ist dabei ein erstaunlich vielfältiges Alternativ-Pop-Album entstanden, das alles erreicht, was ein Erstling nur erreichen kann. Dismantle and Rebuild ist aufregend, wüst, still, stürmisch, chaotisch und überlebensgroß.

    Tokyo ist das Monster, das dich nicht mehr loslässt, wenn du dich einmal von ihm hast umrennen lassen. Brighter beginnt finsterer, als es auf dem Dachboden eurer Eltern war und wendet sich doch schon nach wenigen Sekunden mit dem Gesang von Frontmann Steve Bird gen Licht. Modern World erinnert in Sachen Geradlinigkeit, Melodiestruktur und Coolness an New Order.

    The Ramona Flowers spielen mit den Erwartungen, überraschen mit wendungsreichen Kompositionen und überzeugen mit einem Sound, der auch bei Foxes, dem Bombay Bicycle Club, Hot Chip, Alt-J oder Ladytron einen bleibenden Eindruck hinterlassen hat. So sehr, dass TRF bereits Support-Act einiger dieser Bands waren oder mit einem Remix von einem ihrer Songs geehrt wurden.

    In ihren besten Momenten sind die Jungs aus Bristol episch und bauen in weniger als fünf Minuten eine Klangwelt auf, die mitreißt. Trotz der vielen Zitierungen eigener musikalischer Vorbilder versteht es die Band, eigene Merkmale in die Waagschale zu werfen. 11 Songs, knapp 50 Minuten Spielzeit und das Gefühl, über sich hinauswachsen zu können, wann immer man dieses Album hört. Besser kann man sich gar nicht wieder zusammenbauen lassen.

    The Ramona Flowers
    Dismantle and Rebuild
    VÖ: 18. Juli 2014

  2. Mi(a)u!
iTunes sagt, Miu macht „R&B“. Aber wie so oft, irrt sich Jobs Software. Das, was es stattdessen von Miu auf ihrer EP Complicated Issues zu hören gibt, ist astreiner Soul. Temporeich, leidenschaftlich und stellenweise angenehm verrucht.
2011 sitzt Miu im New Yorker Club „The Bitter End“ – nicht auf einem Barhocker, sondern auf der kleinen Bühne an einem alten Flügel. Ihr blondes Haar schmiegt sich leicht gewellt um ihr Gesicht, ihr Lippen sind zu einem knallroten Kussmund geschminkt und schwarze Lidstriche rahmen ihre Kulleraugen. Lange hat sie auf diesen Moment gewartet. Soulgrößen wie Marvin Gaye und Donny Hathaway haben hier schon gestanden und für das verwöhnte Publikum die Nacht zum Tag gesungen. Und nun also sie.

Danach kam Miu dorthin zurück, von wo sie einst ins unbekannte Land aufgebrochen war: Hamburg. Wieder in Deutschland, ihrem Heimatland, dauert es nicht lange, bis sich eine Band um sie herum bildet. In deren Zentrum steht der helle Fixstern namens Miu. Zackige Bläser und aufregende Grooves machen aus dem Soul der Begeisterung weckenden Sängerin eine spannende Rückbesinnung auf musikalische Zeiten, in denen niemand wagte, an das Digitale zu denken.
Erstaunlich an Miu ist, dass sie die Texte ihrer Musik selbst schreibt und ganz genau weiß, wie die Musik drumherum klingen soll. Dabei gelingt es ihr ausgesprochen überzeugend, die Rolle der Femme Fatale zu leben. So sehr, dass man das Gefühl nicht los wird, dass sie wirklich so sein könnte. Das ist keine Masche, nein. Miu liebt den Sound dieser Musik, diese Wärme und Entschlossenheit. 5 Songs sind auf ihrer ersten EP enthalten und hiermit sei euch Complicated Issues ohne Wenn und Aber empfohlen.
MiuComplicated Issues EP VÖ: bereits erschienen

    Mi(a)u!

    iTunes sagt, Miu macht „R&B“. Aber wie so oft, irrt sich Jobs Software. Das, was es stattdessen von Miu auf ihrer EP Complicated Issues zu hören gibt, ist astreiner Soul. Temporeich, leidenschaftlich und stellenweise angenehm verrucht.

    2011 sitzt Miu im New Yorker Club „The Bitter End“ – nicht auf einem Barhocker, sondern auf der kleinen Bühne an einem alten Flügel. Ihr blondes Haar schmiegt sich leicht gewellt um ihr Gesicht, ihr Lippen sind zu einem knallroten Kussmund geschminkt und schwarze Lidstriche rahmen ihre Kulleraugen. Lange hat sie auf diesen Moment gewartet. Soulgrößen wie Marvin Gaye und Donny Hathaway haben hier schon gestanden und für das verwöhnte Publikum die Nacht zum Tag gesungen. Und nun also sie.

    Danach kam Miu dorthin zurück, von wo sie einst ins unbekannte Land aufgebrochen war: Hamburg. Wieder in Deutschland, ihrem Heimatland, dauert es nicht lange, bis sich eine Band um sie herum bildet. In deren Zentrum steht der helle Fixstern namens Miu. Zackige Bläser und aufregende Grooves machen aus dem Soul der Begeisterung weckenden Sängerin eine spannende Rückbesinnung auf musikalische Zeiten, in denen niemand wagte, an das Digitale zu denken.

    Erstaunlich an Miu ist, dass sie die Texte ihrer Musik selbst schreibt und ganz genau weiß, wie die Musik drumherum klingen soll. Dabei gelingt es ihr ausgesprochen überzeugend, die Rolle der Femme Fatale zu leben. So sehr, dass man das Gefühl nicht los wird, dass sie wirklich so sein könnte. Das ist keine Masche, nein. Miu liebt den Sound dieser Musik, diese Wärme und Entschlossenheit. 5 Songs sind auf ihrer ersten EP enthalten und hiermit sei euch Complicated Issues ohne Wenn und Aber empfohlen.

    Miu
    Complicated Issues EP
    VÖ: bereits erschienen

  3. Wenn sich jahrelange Arbeit plötzlich auszahlt und sich der Erfolg mehr und mehr einstellt. Das Musikprojekt Malky kann ein Lied davon singen. Das müsste dann aber ein neues sein. Eins, das sich zu den elf des gerade veröffentlichten Debütalbums Soon gesellen würde. Malky wird derzeit mit Lob überschüttet, wie ich es in den zurückliegenden Wochen nur bei David Grays Mutineers erleben durfte. Doch hier das Wichtigste: Beide Lobeshymnen und vor allem jene, die Malky gilt, werden zu Recht angestimmt.

    Malky sind Sänger Daniel Stoyanov und Keyboarder Michael Vajna, der die Musik der beiden auch produziert. Und was soll ich sagen? Eigentlich hatte alles mal gut angefangen, mit mir und solchen 2-Mann-Bands. Da war Savage Garden, die ich als Teenager für ihre cleveren Melodien und guten Texte schätzte. Später kam Orange Blue und die hasste ich wie sonst nichts. Zu tränendrüsig, zu glatt, zu vorhersehbar, zu öde. Doch zum Glück ist Malky anders. Malky ist brillant.

    Angefangen als Backing Vocalist steht Sänger Stoyanov, dessen Wurzeln in Bulgarien liegen, mit 19 Jahren zum ersten Mal auf der Bühne. In Mannheim lernte er Keyboarder Vajna kennen, der wiederum ursprünglich aus Ungarn kommt. Der Balkan und die Liebe zur Musik verbindet beide. Lange Zeit schrieb das Duo Musik für verschiedene deutsche Pop-Größen, sammelte Erfahrungen im Business, lernte sich besser kennen und fand heraus, ob es als Team auch eigene Musik zustande zu bringen in der Lage sein sollte.

    Der Plan ging auf. Auf Soon bedient sich Malky am Sound der 60er Jahre, lädt ihn mit Elektroklängen auf und findet auf Basis klassischen Songwritings zu einem interessanten eigenen Sound, der fesselt.

    Hypnotisch windet sich der dramatische Opener Soon durch die Gehörgänge. Diamonds, über das ich schon geraumer Zeit jede Menge lobende Wort fand, ist ein erstaunliches Stück Soulmusik aus Deutschland. Trouble lebt von einem einprägsamen Elektroorgelsound und Human Love begeistert als stilles Akustikgitarrenstück.

    Über allem thront Stoyanovs seelige Soulstimme, die auch nach den großartigen 45 Minuten Spieldauer noch lange Zeit über der plötzlich einbrechenden Stille steht. Keyboarder und Produzent Vajna komponiert Stücke jenseits von Gut und Böse – out of space, müsste man eigentlich sagen. Traut man sich aber nicht, denn die Musik ist ja schließlich da. Zum Glück.

    Malky, sind eine weitere vielversprechende Neuentdeckung aus Deutschland, die vorzüglichen modernen Pop präsentieren, der sich viel traut, ohne seine Wurzeln zu verleugnen. Davon darf es gern schnell mehr geben. Bis dahin singe ich leise die wohl verdiente Lobeshymne. Und wer will, darf gern mit einstimmen.

    Malky
    Soon
    VÖ: 27. Juni 2014

  4. Tadellos
Schon seit März ist es auf Spotify zu hören; jetzt kann man das neue Album von Paloma Faith auch endlich kaufen. An A Perfect Contradiction haben große Namen des Musikbusiness mitgearbeitet – allen voran Pharrell Williams, der schon der ersten Single Can’t rely on you einen letzten Feinschliff verschafft hat.
Nun bin ich vermutlich nicht die neutralste Stimme, die sich zu Paloma Faith äußern könnte. Seit ihrem 2009er Debüt Do You Want The Truth Or Something Beautiful? bewundere ich diese schräge Frau, deren Duckfacelippen selbst Lana Del Rey eifersüchtig machen dürften. Faith verfügt über eine eindrucksvolle Stimme, gepaart mit einem extrovertierten Charakter – eine Frau, die es sich also erlauben kann, einzufordern, was sie will.

Und über weite Strecken ihres neuen Album gelingt das Faith auch tadellos. Mit einer nahezu perfekten Symbiose aus dem Disco-Sound der 70er, verspieltem Pop der Moderne und unfassbar guten R’n’B-Gerüsten, bekommt die Britin hier ein neues Klangkleidchen geschneidert. Vordergründig unterscheidet sich das zunächst zwar kaum von dem ihrer Vorgängeralben, doch schon nach dem ersten Hördurchlauf der elf neuen Songs wird klar: Paloma Faith will tanzen und sich möglicherweise als zeitgemäße Donna-Summer-Nachfolgerin ins Spiel bringen.
Mouth to Mouth etwa, das von Raphael Saadiq geschrieben wurde, stellt das gleich nach dem gelungen Opener unter Beweis. Take Me strotzt vor Selbstbewusstsein, was eben einmal mehr an Faith tadellosen Vortrag liegt, der nur so vor Soul und Funk sprüht.
Only Love Can Hurt Like This ist eine der besten Pop-Balladen jüngster Zeit – und kann damit getrost als der herausragendste Song dieses Albums verstanden werden. Für Other Woman arbeitete Faith mit dem Briten Plan B zusammen, der einigen von euch vielleicht durch sein großartiges Album The Defamation Strickland Banks bekannt ist. Leider, und dieses Eingeständnis tut mir selbst am meisten weh, geht A Perfect Contradiction zur Halbzeit ein wenig die Puste aus. Vielleicht haben sich Faith und ihr Team doch zu viel vorgenommen.
Was in der ersten Hälfte noch abwechslungsreich klingt, wirkt schnell wie das Zitat vom Zitat. Die Qualität der Produktion ist hoch, keine Frage. Aber man wird ihn nicht los, den Eindruck, dass es schnell an neuen Ideen gefehlt hat. Und trotzdem: Faith’ Stimme ragt über allem hinweg und schafft, wo man bei mittelmäßigen Sängerinnen und Sängern längst von Track zu Track springen würde – man hängt an dieser Zuckernschnute und ertappt sich trotz der Ähnlichkeiten gewisser Songs immer wieder dabei, das eine Paar Füße, das man hat, nicht still halten zu können.

Was das betrifft, ist Paloma Faith also erneut ein durchaus gutes Album gelungen. Diesmal ist das Ziel die Tanzfläche – aber mit hervorragendem Pop, Funk und Soul, statt mit marktschreierischem Plastikpop. Schon dafür würde ich sie vom Fleck weg ehelichen. Dass die neuen Songs auch ohne Bombast, also nahezu unplugged erstaunlich gut funktionieren, beweisen die vier Bonusaufnahmen, die auf der Deluxe-Edition enthalten sind (die man ganz einfach auf Spotify genießen kann).
Paloma FaithA Perfect ContradictionVÖ: 13. Juni 2014

    Tadellos

    Schon seit März ist es auf Spotify zu hören; jetzt kann man das neue Album von Paloma Faith auch endlich kaufen. An A Perfect Contradiction haben große Namen des Musikbusiness mitgearbeitet – allen voran Pharrell Williams, der schon der ersten Single Can’t rely on you einen letzten Feinschliff verschafft hat.

    Nun bin ich vermutlich nicht die neutralste Stimme, die sich zu Paloma Faith äußern könnte. Seit ihrem 2009er Debüt Do You Want The Truth Or Something Beautiful? bewundere ich diese schräge Frau, deren Duckfacelippen selbst Lana Del Rey eifersüchtig machen dürften. Faith verfügt über eine eindrucksvolle Stimme, gepaart mit einem extrovertierten Charakter – eine Frau, die es sich also erlauben kann, einzufordern, was sie will.

    Und über weite Strecken ihres neuen Album gelingt das Faith auch tadellos. Mit einer nahezu perfekten Symbiose aus dem Disco-Sound der 70er, verspieltem Pop der Moderne und unfassbar guten R’n’B-Gerüsten, bekommt die Britin hier ein neues Klangkleidchen geschneidert. Vordergründig unterscheidet sich das zunächst zwar kaum von dem ihrer Vorgängeralben, doch schon nach dem ersten Hördurchlauf der elf neuen Songs wird klar: Paloma Faith will tanzen und sich möglicherweise als zeitgemäße Donna-Summer-Nachfolgerin ins Spiel bringen.

    Mouth to Mouth etwa, das von Raphael Saadiq geschrieben wurde, stellt das gleich nach dem gelungen Opener unter Beweis. Take Me strotzt vor Selbstbewusstsein, was eben einmal mehr an Faith tadellosen Vortrag liegt, der nur so vor Soul und Funk sprüht.

    Only Love Can Hurt Like This ist eine der besten Pop-Balladen jüngster Zeit – und kann damit getrost als der herausragendste Song dieses Albums verstanden werden. Für Other Woman arbeitete Faith mit dem Briten Plan B zusammen, der einigen von euch vielleicht durch sein großartiges Album The Defamation Strickland Banks bekannt ist. Leider, und dieses Eingeständnis tut mir selbst am meisten weh, geht A Perfect Contradiction zur Halbzeit ein wenig die Puste aus. Vielleicht haben sich Faith und ihr Team doch zu viel vorgenommen.

    Was in der ersten Hälfte noch abwechslungsreich klingt, wirkt schnell wie das Zitat vom Zitat. Die Qualität der Produktion ist hoch, keine Frage. Aber man wird ihn nicht los, den Eindruck, dass es schnell an neuen Ideen gefehlt hat. Und trotzdem: Faith’ Stimme ragt über allem hinweg und schafft, wo man bei mittelmäßigen Sängerinnen und Sängern längst von Track zu Track springen würde – man hängt an dieser Zuckernschnute und ertappt sich trotz der Ähnlichkeiten gewisser Songs immer wieder dabei, das eine Paar Füße, das man hat, nicht still halten zu können.

    Was das betrifft, ist Paloma Faith also erneut ein durchaus gutes Album gelungen. Diesmal ist das Ziel die Tanzfläche – aber mit hervorragendem Pop, Funk und Soul, statt mit marktschreierischem Plastikpop. Schon dafür würde ich sie vom Fleck weg ehelichen. Dass die neuen Songs auch ohne Bombast, also nahezu unplugged erstaunlich gut funktionieren, beweisen die vier Bonusaufnahmen, die auf der Deluxe-Edition enthalten sind (die man ganz einfach auf Spotify genießen kann).

    Paloma Faith
    A Perfect Contradiction
    VÖ: 13. Juni 2014

  5. Endlich Kohle verdienen mit der Kunst
Ich sag’s gleich vorweg: Bonaparte klingen jetzt wie The Ting Tings. Aber weil ich mit Bonaparte nie etwas anfangen konnte und mit The Ting Tings hingegen schon, bin ich über diese Entwicklung natürlich hocherfreut. Bonaparte-Fans der ersten Stunde wird das natürlich überhaupt nicht gefallen. 
An Bonaparte und dem gleichnamigen neuen Album kann man sehr gut erkennen, was mit Bands passiert, die sich vom kleinen Indie-Label in die Hand großer bekannter Labels begeben. Plötzlich muss das Musikmachen eben Geld abwerfen. Also richtig Schotter, wenn ihr versteht. Da muss es Bling-Bling-Bling in den mit Freudentränen erfüllten Äuglein der Labelbosse machen. Und bei Bonaparte wird das vermutlich der Fall sein.
Das Musikprojekt, dessen kreativer Kopf der Schweizer Tobias Jundt ist, zeichnete sich bisher durch eine teils konfus-chaotische Trash-Punk-Haltung aus. Die Live-Shows waren mehr berüchtigt als berühmt – jedenfalls brachte die in Höchstbesetzung 20 Musikerinnen und Musiker umfassende Band die begeisterte Masse zum Schwitzen wie sonst nur ein ganztägiger Marathon.

Das alles konnte man mögen oder nicht. Mein Fall war die Musik von Bonaparte eher weniger, gleichwohl ich die wüste Energie der Band als wohligen Gegenpart zum Konformismus der Musikwelt sehr geschätzt habe. Wenn Musiker oder Bands nach einigen bereits erschienenen Alben ganz plötzlich ein neues veröffentlichen, das allein den Namen des Musikers bzw. der Band trägt, dann gibt es dafür meist einen ganz einfachen Grund: Man will sich neu positionieren, neu definieren, einen neuen Weg einschlagen. Nicht zuletzt: Endlich Kohle verdienen mit dem, was man da macht. Soll zwar noch immer Kunst sein, aber man will ja schließlich auch davon leben können.
Und Bonaparte? Die geben einen Großteil ihrer lang geheimgehaltenen Chaostheorie auf. Die Gründe dafür kenn ich nicht, muss ich aber auch nicht wissen, weil für mich nur das Ergebnis zählt. Das ist tatsächlich noch immer recht trashig. Ganz vom Punk verabschiedet hat sich Jundt mit seiner musikalischen Neuausrichtung nicht. Mit Me so Selfie wurde mir sogar ein Lied auf den Leib geschrieben.
Noch immer kann man sich zur Musik von Bonaparte recht gut bewegen, rumspringen, die Wände hochgehen und die Möbel aus dem Fenster werfen. Trotzdem, ich ahne es, wird das vielen Fans zu brav sein. Mit Into the wild und Riot in my head finden sich sogar gleich zwei eher stille Songs auf dem Album, die noch dazu unmittelbar aufeinander folgen. Seltsamerweise fühle ich beim Hören ebenjener Stücke angenehm an die Eels im Allgemeinen oder Becks ruhige Schrammelrockphase erinnert, die er auf Guero ausleben konnte.

Out of control beginnt sogar mit einem wunderschönen und einen in die Irre führenden Violinensolo, bevor nach knapp 20 Sekunden wieder rumgewütet wird. Schlussendlich sind Bonaparte etwas erwachsener geworden und ja, auch massentauglicher. Das können die Fans der ersten Stunde furchtbar finden – schon aus Prinzip, versteht sich. Aber ganz sicher werden noch genügend alte und jede Menge frischer Fans zu den 12 neuen Tracks eine ordentliche Tanzwut entwickeln. Mission completed!  
BonaparteBonaparteVÖ: 30. Mai 2014

    Endlich Kohle verdienen mit der Kunst

    Ich sag’s gleich vorweg: Bonaparte klingen jetzt wie The Ting Tings. Aber weil ich mit Bonaparte nie etwas anfangen konnte und mit The Ting Tings hingegen schon, bin ich über diese Entwicklung natürlich hocherfreut. Bonaparte-Fans der ersten Stunde wird das natürlich überhaupt nicht gefallen. 

    An Bonaparte und dem gleichnamigen neuen Album kann man sehr gut erkennen, was mit Bands passiert, die sich vom kleinen Indie-Label in die Hand großer bekannter Labels begeben. Plötzlich muss das Musikmachen eben Geld abwerfen. Also richtig Schotter, wenn ihr versteht. Da muss es Bling-Bling-Bling in den mit Freudentränen erfüllten Äuglein der Labelbosse machen. Und bei Bonaparte wird das vermutlich der Fall sein.

    Das Musikprojekt, dessen kreativer Kopf der Schweizer Tobias Jundt ist, zeichnete sich bisher durch eine teils konfus-chaotische Trash-Punk-Haltung aus. Die Live-Shows waren mehr berüchtigt als berühmt – jedenfalls brachte die in Höchstbesetzung 20 Musikerinnen und Musiker umfassende Band die begeisterte Masse zum Schwitzen wie sonst nur ein ganztägiger Marathon.

    Das alles konnte man mögen oder nicht. Mein Fall war die Musik von Bonaparte eher weniger, gleichwohl ich die wüste Energie der Band als wohligen Gegenpart zum Konformismus der Musikwelt sehr geschätzt habe. Wenn Musiker oder Bands nach einigen bereits erschienenen Alben ganz plötzlich ein neues veröffentlichen, das allein den Namen des Musikers bzw. der Band trägt, dann gibt es dafür meist einen ganz einfachen Grund: Man will sich neu positionieren, neu definieren, einen neuen Weg einschlagen. Nicht zuletzt: Endlich Kohle verdienen mit dem, was man da macht. Soll zwar noch immer Kunst sein, aber man will ja schließlich auch davon leben können.

    Und Bonaparte? Die geben einen Großteil ihrer lang geheimgehaltenen Chaostheorie auf. Die Gründe dafür kenn ich nicht, muss ich aber auch nicht wissen, weil für mich nur das Ergebnis zählt. Das ist tatsächlich noch immer recht trashig. Ganz vom Punk verabschiedet hat sich Jundt mit seiner musikalischen Neuausrichtung nicht. Mit Me so Selfie wurde mir sogar ein Lied auf den Leib geschrieben.

    Noch immer kann man sich zur Musik von Bonaparte recht gut bewegen, rumspringen, die Wände hochgehen und die Möbel aus dem Fenster werfen. Trotzdem, ich ahne es, wird das vielen Fans zu brav sein. Mit Into the wild und Riot in my head finden sich sogar gleich zwei eher stille Songs auf dem Album, die noch dazu unmittelbar aufeinander folgen. Seltsamerweise fühle ich beim Hören ebenjener Stücke angenehm an die Eels im Allgemeinen oder Becks ruhige Schrammelrockphase erinnert, die er auf Guero ausleben konnte.

    Out of control beginnt sogar mit einem wunderschönen und einen in die Irre führenden Violinensolo, bevor nach knapp 20 Sekunden wieder rumgewütet wird. Schlussendlich sind Bonaparte etwas erwachsener geworden und ja, auch massentauglicher. Das können die Fans der ersten Stunde furchtbar finden – schon aus Prinzip, versteht sich. Aber ganz sicher werden noch genügend alte und jede Menge frischer Fans zu den 12 neuen Tracks eine ordentliche Tanzwut entwickeln. Mission completed!  

    Bonaparte
    Bonaparte
    VÖ: 30. Mai 2014

  6. Schöne neue Schublade
Mit “So you think electronic music is boring? You think it’s stupid? You think it’s repetitive? Well it is repetitive.“ steigen Clean Bandit in ihr Debütalbum New Eyes ein. Dass ausgerechnet jenes sich der elektronischen Musik zuwendet und damit die drei Leidenschaften der Band – House, Electro-Pop und Clubmusik – feiert, muss wohl ironisch verstanden werden.

Jede Menge Ironie und Eleganz steckt auch in Clean Bandits Mozart’s House, einen Song, der House und Klassik gekonnt miteinander verbindet, ohne den Eindruck zu vermitteln, dass man das halt mal eben versucht und nicht so wirklich weiß, ob das überhaupt funktioniert. Zu verdanken ist diese frühe Souveränität einem gehörigen Maß an Detailverliebtheit, das die gesamte Formation beim Basteln mit Soundstücken und Klangfetzen an den Tag legt.
Gleich die erste Single (Rather be) des britischen Quartetts war die am schnellsten verkaufte Single des Monats Januar der vergangenen 20 Jahre. Und dabei ist das Prinzip Pop-meets-Klassik nicht neu. Was Clean Bandit aber eindrucksvoll gelingt, ist, es neu zu definieren. Mit britischem Understatement erweitert man die Zutatenliste um die bereits erwähnten Genres House und Clubmusik. Auch Elemente des erst in jüngster Zeit immer beliebter gewordenen Dubsteps finden sich in den 13 Tracks dieses außergewöhnlichen Debüts wieder.
Und noch etwas ist Besonders an diesem Album: Die Gesangsparts stammen Song für Song von Gastmusikern, die man entweder noch aus Zeiten des gemeinsamen Studiums kannte oder von der Straßenecke weg für sich entdeckt hat. Man kann sich gut vorstellen, wie die vier unscheinbar wirkenden Jungspunde durch die Straßen Londons ziehen, in Hörweite des einen oder anderen Straßenmusikers stehen bleiben, tuschelnd darüber entscheiden, ob sie oder er zu einem ihrer Tracks passt und dann gegebenenfalls sofort mit der frohen Botschaft überrascht wird.

Jess Glynne, die Stimme hinter Rather be, hat mittlerweile einen eigenen Plattenvertrag und den vielen anderen beteiligten Sängerinnen und Sängern wird es sicher ähnlich ergehen. Bedenkt man, dass die Stimme eigentlich Aushängeschild einer Band ist – nicht umsonst gibt es den Begriff der Frontfrau oder des Frontmanns –, dann ist es umso erstaunlicher, dass Clean Bandit auf wechselnde Stimmen setzen.
Andererseits macht das auch deutlich, dass es Grace, Neil, Jack und Luke vorrangig um die komponierte Musik geht. Die Fusionen verschiedener genretypischer Sounds stehen im Mittelpunkt, eine immer neue Stimmung und Atmosphäre sind das Ziel. Doch das Musikmachen allein reicht den vier Köpfen hinter Clean Bandit nicht aus. Auch die Regie, Umsetzung und Postproduktion ihrer Musikvideos und Bühnenshows nehmen sie selbst in Angriff. Nichts wird hier dem Zufall überlassen.
Und doch klingen die Tracks nicht klinisch perfekt. Bei aller Austüftelung und der Auslotung aller bestehenden Möglichkeiten gibt es Ecken und Kanten. Kein Lied klingt wie das vorherige. Clean Bandit werden gefeiert und vermutlich (zu Recht) als neuer heißer Shit gefeiert. Hipster und solche, die es gern wären, werden sie hören. Dabei wird die Band auch zu Klassik-Events eingeladen, wo sie sogar eine ältere Fraktion begeisterter Genre-Fans positiv überrascht.
Das hier ist Kunst, so muss das Fazit lauten. Natürlich gilt das für jede Musik, aber für manche Projekte eben doch ein bisschen mehr. Clean Bandit wissen das, weil sie sich diesen Status hart erarbeitet haben. Eine Schublade, die sie auch so schnell nicht wieder verlassen wollen. Wer kann es ihnen verübeln? Denn vielleicht ist das die schönste neue Schublade, die in diesem Sommer aufgemacht werden kann.
Clean BanditNew EyesVÖ: 30. Mai 2014

    Schöne neue Schublade

    Mit “So you think electronic music is boring? You think it’s stupid? You think it’s repetitive? Well it is repetitive.“ steigen Clean Bandit in ihr Debütalbum New Eyes ein. Dass ausgerechnet jenes sich der elektronischen Musik zuwendet und damit die drei Leidenschaften der Band – House, Electro-Pop und Clubmusik – feiert, muss wohl ironisch verstanden werden.

    Jede Menge Ironie und Eleganz steckt auch in Clean Bandits Mozart’s House, einen Song, der House und Klassik gekonnt miteinander verbindet, ohne den Eindruck zu vermitteln, dass man das halt mal eben versucht und nicht so wirklich weiß, ob das überhaupt funktioniert. Zu verdanken ist diese frühe Souveränität einem gehörigen Maß an Detailverliebtheit, das die gesamte Formation beim Basteln mit Soundstücken und Klangfetzen an den Tag legt.

    Gleich die erste Single (Rather be) des britischen Quartetts war die am schnellsten verkaufte Single des Monats Januar der vergangenen 20 Jahre. Und dabei ist das Prinzip Pop-meets-Klassik nicht neu. Was Clean Bandit aber eindrucksvoll gelingt, ist, es neu zu definieren. Mit britischem Understatement erweitert man die Zutatenliste um die bereits erwähnten Genres House und Clubmusik. Auch Elemente des erst in jüngster Zeit immer beliebter gewordenen Dubsteps finden sich in den 13 Tracks dieses außergewöhnlichen Debüts wieder.

    Und noch etwas ist Besonders an diesem Album: Die Gesangsparts stammen Song für Song von Gastmusikern, die man entweder noch aus Zeiten des gemeinsamen Studiums kannte oder von der Straßenecke weg für sich entdeckt hat. Man kann sich gut vorstellen, wie die vier unscheinbar wirkenden Jungspunde durch die Straßen Londons ziehen, in Hörweite des einen oder anderen Straßenmusikers stehen bleiben, tuschelnd darüber entscheiden, ob sie oder er zu einem ihrer Tracks passt und dann gegebenenfalls sofort mit der frohen Botschaft überrascht wird.

    Jess Glynne, die Stimme hinter Rather be, hat mittlerweile einen eigenen Plattenvertrag und den vielen anderen beteiligten Sängerinnen und Sängern wird es sicher ähnlich ergehen. Bedenkt man, dass die Stimme eigentlich Aushängeschild einer Band ist – nicht umsonst gibt es den Begriff der Frontfrau oder des Frontmanns –, dann ist es umso erstaunlicher, dass Clean Bandit auf wechselnde Stimmen setzen.

    Andererseits macht das auch deutlich, dass es Grace, Neil, Jack und Luke vorrangig um die komponierte Musik geht. Die Fusionen verschiedener genretypischer Sounds stehen im Mittelpunkt, eine immer neue Stimmung und Atmosphäre sind das Ziel. Doch das Musikmachen allein reicht den vier Köpfen hinter Clean Bandit nicht aus. Auch die Regie, Umsetzung und Postproduktion ihrer Musikvideos und Bühnenshows nehmen sie selbst in Angriff. Nichts wird hier dem Zufall überlassen.

    Und doch klingen die Tracks nicht klinisch perfekt. Bei aller Austüftelung und der Auslotung aller bestehenden Möglichkeiten gibt es Ecken und Kanten. Kein Lied klingt wie das vorherige. Clean Bandit werden gefeiert und vermutlich (zu Recht) als neuer heißer Shit gefeiert. Hipster und solche, die es gern wären, werden sie hören. Dabei wird die Band auch zu Klassik-Events eingeladen, wo sie sogar eine ältere Fraktion begeisterter Genre-Fans positiv überrascht.

    Das hier ist Kunst, so muss das Fazit lauten. Natürlich gilt das für jede Musik, aber für manche Projekte eben doch ein bisschen mehr. Clean Bandit wissen das, weil sie sich diesen Status hart erarbeitet haben. Eine Schublade, die sie auch so schnell nicht wieder verlassen wollen. Wer kann es ihnen verübeln? Denn vielleicht ist das die schönste neue Schublade, die in diesem Sommer aufgemacht werden kann.

    Clean Bandit
    New Eyes
    VÖ: 30. Mai 2014

  7. Mal was riskieren
Ihr 2012er Album Bring it on home war 2013 für einen Grammy in der Kategorie „Best Blues Album“ nominiert. Das neue Album von Joan Osborne – Love and Hate – wurde von Jack Petruzzelli produziert, der bereits für Patti Smith und Rufus Wainwright arbeiten durfte. Aber eigentlich hat die 51-Jährige Namedropping gar nicht nötig. Wie Aimee Mann ist sie eine der wenigen US-amerikanischen Singer/Songwriter, die über genug Erfahrung im Business, Können und Energie verfügt, als dass sie auch nur irgendeines ihrer Alben wirklich vermasseln würde.
Auf Love and Hate widmet sich Osborne in 12 Songs mit unser aller Überthema – der Liebe. Aber wie Osborne selbst sagt: „Menschen, die wir lieben, können das Beste und das Schlimmste in uns wecken. Und wir können das umgekehrt genau so. Liebe ist immer ein Risiko.“ Dass es auf ihrem neuen Album auch um Hass geht, überrascht letztlich nicht. Wobei „Love“ und „Hate“ große Worte sind, deren Bedeutung jeder für sich selbst ausloten muss.  
Joan Osborne tut das äußerst leidenschaftlich und wählt dafür gediegenen Classic Rock, der manchmal auch in Richtung Pop und Folk taumelt. Osborne stand bereits mit den Größen der Musikgeschichte wie Bob Dylan, Stevie Wonder oder Patti Smith auf einer Bühne. Dass da einiges an Souveränität hängen geblieben ist, davon kann man ausgehen.

Kitten’s got claws klingt, als wollte sich jemand als Lieferant für die nächste Bond-Hymne ins Gespräch bringen. Up all night klingt wie ein mit Akkustikinstrumenten eingespielte 80er Song. In Work on me singt Osborne mit der Coolness einer Nancy Sinatra. Und Keep it underground könnte so auch von Aimee Mann aufgenommen worden sein.
Joan Osborne mag vermutlich nichts sein für die Hipster dieser Zeit und auch nichts für die, die zwar immer auf der Suche nach Neuem sind, aber mit „Neuem“ eigentlich „junge Musiker“ meinen. Dabei klingt Osbornes Musik niemals altbacken und zu keinem Zeitpunkt rückwärtsgewandt. Love and Hate ist ein Album geworden, das den Ohren schmeichelt und angenehm frei von anbiedernden Sounds ist. Vermutlich wird Osborne auch mit diesem Album schnell Platin-Status erreichen – und das vollkommen zu Recht.
Joan OsborneLove and HateVÖ: 23. Mai 2014

    Mal was riskieren

    Ihr 2012er Album Bring it on home war 2013 für einen Grammy in der Kategorie „Best Blues Album“ nominiert. Das neue Album von Joan OsborneLove and Hate – wurde von Jack Petruzzelli produziert, der bereits für Patti Smith und Rufus Wainwright arbeiten durfte. Aber eigentlich hat die 51-Jährige Namedropping gar nicht nötig. Wie Aimee Mann ist sie eine der wenigen US-amerikanischen Singer/Songwriter, die über genug Erfahrung im Business, Können und Energie verfügt, als dass sie auch nur irgendeines ihrer Alben wirklich vermasseln würde.

    Auf Love and Hate widmet sich Osborne in 12 Songs mit unser aller Überthema – der Liebe. Aber wie Osborne selbst sagt: „Menschen, die wir lieben, können das Beste und das Schlimmste in uns wecken. Und wir können das umgekehrt genau so. Liebe ist immer ein Risiko.“ Dass es auf ihrem neuen Album auch um Hass geht, überrascht letztlich nicht. Wobei „Love“ und „Hate“ große Worte sind, deren Bedeutung jeder für sich selbst ausloten muss.  

    Joan Osborne tut das äußerst leidenschaftlich und wählt dafür gediegenen Classic Rock, der manchmal auch in Richtung Pop und Folk taumelt. Osborne stand bereits mit den Größen der Musikgeschichte wie Bob Dylan, Stevie Wonder oder Patti Smith auf einer Bühne. Dass da einiges an Souveränität hängen geblieben ist, davon kann man ausgehen.

    Kitten’s got claws klingt, als wollte sich jemand als Lieferant für die nächste Bond-Hymne ins Gespräch bringen. Up all night klingt wie ein mit Akkustikinstrumenten eingespielte 80er Song. In Work on me singt Osborne mit der Coolness einer Nancy Sinatra. Und Keep it underground könnte so auch von Aimee Mann aufgenommen worden sein.

    Joan Osborne mag vermutlich nichts sein für die Hipster dieser Zeit und auch nichts für die, die zwar immer auf der Suche nach Neuem sind, aber mit „Neuem“ eigentlich „junge Musiker“ meinen. Dabei klingt Osbornes Musik niemals altbacken und zu keinem Zeitpunkt rückwärtsgewandt. Love and Hate ist ein Album geworden, das den Ohren schmeichelt und angenehm frei von anbiedernden Sounds ist. Vermutlich wird Osborne auch mit diesem Album schnell Platin-Status erreichen – und das vollkommen zu Recht.

    Joan Osborne
    Love and Hate
    VÖ: 23. Mai 2014

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