1. Die Schöne und das Biest
Eigentlich sagt die Überschrift schon alles. Was mir jetzt noch bliebe, wäre, darauf hinzuweisen, dass es mir nicht um Film oder Roman geht, den wir alle kennen. Nein, die Überschrift ist eine Metapher auf die seltsame furiose Gesangspaarung der Band July Talk.
Auf deren kürzlich erschienenen EP Paper Girl röchelt sich nämlich Frontmann Peter Dreimanis mit einer Dr. Jekyll-Stimme durch laut-lärmenden Blues-Rock. An seiner Seite: Sängerin Leah Fay, die mit ihrer Lolita-Stimme und einem Nachtigall gleichen Gesang einen durchaus höhrenswerten Gegenpart zu Krümelmonster Dreimanis darstellt.

Der Sound von July Talk ist laut, elektrisch und gefährlich. Aber zugleich magisch, wunderschön und fesselnd. 2012 erschien das Debütalbum der Band in deren Heimatland Kanada. Nun will das Quintett die große weite Welt erobern. Ein Unterfangen, das July Talk ohne größere Schwierigkeiten meistern wird. Denn mir fällt auf: Im stetigen zwei bis drei Jahresrhythmus gibt es eine Band, die Musik abliefert, mit dessen Hilfe man problemlos einen Banküberfall inklusive anschließender Flucht untermalen könnte. In diesem Jahr dürfte das zweifelsohne July Talk sein.
Im September erscheint auch bei uns endlich ein vollständiges Album von July Talk. Auf Soundcloud kann man es schon finden und vielleicht hört ihr es auch gerade. Wenn nicht: Ändert das! Denn bis es das Album zu kaufen gibt, müssen wir eben zu den vier Songs der EP Paper Girl in Banken einbrechen und Geldscheine aus dem offenen Cabrio verlieren. Man nimmt eben, was man kriegen kann.

July TalkPaper GirlVÖ: 30. Mai 2014

    Die Schöne und das Biest

    Eigentlich sagt die Überschrift schon alles. Was mir jetzt noch bliebe, wäre, darauf hinzuweisen, dass es mir nicht um Film oder Roman geht, den wir alle kennen. Nein, die Überschrift ist eine Metapher auf die seltsame furiose Gesangspaarung der Band July Talk.

    Auf deren kürzlich erschienenen EP Paper Girl röchelt sich nämlich Frontmann Peter Dreimanis mit einer Dr. Jekyll-Stimme durch laut-lärmenden Blues-Rock. An seiner Seite: Sängerin Leah Fay, die mit ihrer Lolita-Stimme und einem Nachtigall gleichen Gesang einen durchaus höhrenswerten Gegenpart zu Krümelmonster Dreimanis darstellt.

    Der Sound von July Talk ist laut, elektrisch und gefährlich. Aber zugleich magisch, wunderschön und fesselnd. 2012 erschien das Debütalbum der Band in deren Heimatland Kanada. Nun will das Quintett die große weite Welt erobern. Ein Unterfangen, das July Talk ohne größere Schwierigkeiten meistern wird. Denn mir fällt auf: Im stetigen zwei bis drei Jahresrhythmus gibt es eine Band, die Musik abliefert, mit dessen Hilfe man problemlos einen Banküberfall inklusive anschließender Flucht untermalen könnte. In diesem Jahr dürfte das zweifelsohne July Talk sein.

    Im September erscheint auch bei uns endlich ein vollständiges Album von July Talk. Auf Soundcloud kann man es schon finden und vielleicht hört ihr es auch gerade. Wenn nicht: Ändert das! Denn bis es das Album zu kaufen gibt, müssen wir eben zu den vier Songs der EP Paper Girl in Banken einbrechen und Geldscheine aus dem offenen Cabrio verlieren. Man nimmt eben, was man kriegen kann.

    July Talk
    Paper Girl
    VÖ: 30. Mai 2014

  2. Mal was riskieren
Ihr 2012er Album Bring it on home war 2013 für einen Grammy in der Kategorie „Best Blues Album“ nominiert. Das neue Album von Joan Osborne – Love and Hate – wurde von Jack Petruzzelli produziert, der bereits für Patti Smith und Rufus Wainwright arbeiten durfte. Aber eigentlich hat die 51-Jährige Namedropping gar nicht nötig. Wie Aimee Mann ist sie eine der wenigen US-amerikanischen Singer/Songwriter, die über genug Erfahrung im Business, Können und Energie verfügt, als dass sie auch nur irgendeines ihrer Alben wirklich vermasseln würde.
Auf Love and Hate widmet sich Osborne in 12 Songs mit unser aller Überthema – der Liebe. Aber wie Osborne selbst sagt: „Menschen, die wir lieben, können das Beste und das Schlimmste in uns wecken. Und wir können das umgekehrt genau so. Liebe ist immer ein Risiko.“ Dass es auf ihrem neuen Album auch um Hass geht, überrascht letztlich nicht. Wobei „Love“ und „Hate“ große Worte sind, deren Bedeutung jeder für sich selbst ausloten muss.  
Joan Osborne tut das äußerst leidenschaftlich und wählt dafür gediegenen Classic Rock, der manchmal auch in Richtung Pop und Folk taumelt. Osborne stand bereits mit den Größen der Musikgeschichte wie Bob Dylan, Stevie Wonder oder Patti Smith auf einer Bühne. Dass da einiges an Souveränität hängen geblieben ist, davon kann man ausgehen.

Kitten’s got claws klingt, als wollte sich jemand als Lieferant für die nächste Bond-Hymne ins Gespräch bringen. Up all night klingt wie ein mit Akkustikinstrumenten eingespielte 80er Song. In Work on me singt Osborne mit der Coolness einer Nancy Sinatra. Und Keep it underground könnte so auch von Aimee Mann aufgenommen worden sein.
Joan Osborne mag vermutlich nichts sein für die Hipster dieser Zeit und auch nichts für die, die zwar immer auf der Suche nach Neuem sind, aber mit „Neuem“ eigentlich „junge Musiker“ meinen. Dabei klingt Osbornes Musik niemals altbacken und zu keinem Zeitpunkt rückwärtsgewandt. Love and Hate ist ein Album geworden, das den Ohren schmeichelt und angenehm frei von anbiedernden Sounds ist. Vermutlich wird Osborne auch mit diesem Album schnell Platin-Status erreichen – und das vollkommen zu Recht.
Joan OsborneLove and HateVÖ: 23. Mai 2014

    Mal was riskieren

    Ihr 2012er Album Bring it on home war 2013 für einen Grammy in der Kategorie „Best Blues Album“ nominiert. Das neue Album von Joan OsborneLove and Hate – wurde von Jack Petruzzelli produziert, der bereits für Patti Smith und Rufus Wainwright arbeiten durfte. Aber eigentlich hat die 51-Jährige Namedropping gar nicht nötig. Wie Aimee Mann ist sie eine der wenigen US-amerikanischen Singer/Songwriter, die über genug Erfahrung im Business, Können und Energie verfügt, als dass sie auch nur irgendeines ihrer Alben wirklich vermasseln würde.

    Auf Love and Hate widmet sich Osborne in 12 Songs mit unser aller Überthema – der Liebe. Aber wie Osborne selbst sagt: „Menschen, die wir lieben, können das Beste und das Schlimmste in uns wecken. Und wir können das umgekehrt genau so. Liebe ist immer ein Risiko.“ Dass es auf ihrem neuen Album auch um Hass geht, überrascht letztlich nicht. Wobei „Love“ und „Hate“ große Worte sind, deren Bedeutung jeder für sich selbst ausloten muss.  

    Joan Osborne tut das äußerst leidenschaftlich und wählt dafür gediegenen Classic Rock, der manchmal auch in Richtung Pop und Folk taumelt. Osborne stand bereits mit den Größen der Musikgeschichte wie Bob Dylan, Stevie Wonder oder Patti Smith auf einer Bühne. Dass da einiges an Souveränität hängen geblieben ist, davon kann man ausgehen.

    Kitten’s got claws klingt, als wollte sich jemand als Lieferant für die nächste Bond-Hymne ins Gespräch bringen. Up all night klingt wie ein mit Akkustikinstrumenten eingespielte 80er Song. In Work on me singt Osborne mit der Coolness einer Nancy Sinatra. Und Keep it underground könnte so auch von Aimee Mann aufgenommen worden sein.

    Joan Osborne mag vermutlich nichts sein für die Hipster dieser Zeit und auch nichts für die, die zwar immer auf der Suche nach Neuem sind, aber mit „Neuem“ eigentlich „junge Musiker“ meinen. Dabei klingt Osbornes Musik niemals altbacken und zu keinem Zeitpunkt rückwärtsgewandt. Love and Hate ist ein Album geworden, das den Ohren schmeichelt und angenehm frei von anbiedernden Sounds ist. Vermutlich wird Osborne auch mit diesem Album schnell Platin-Status erreichen – und das vollkommen zu Recht.

    Joan Osborne
    Love and Hate
    VÖ: 23. Mai 2014

  3. Einfach mal kennenlernen
Zugegeben, mittlerweile trinke ich lieber Wein statt Bier. Trotzdem kann ich mir gut vorstellen, zum Rotz-Rock von The Boys You Know über eine eskalierende Studentenparty zu torkeln. „Rotz-Rock“ sage ich deshalb, weil das hoffentlich einigermaßen deutlich macht, wie lässig die 2012 in Österreich gegründete Band klingt.
Die Musik der Eine-Frau-drei-Kerle-Kombi macht einfach unfassbar viel Spaß. Als ich das Album zur Besprechung bekam, lag es erst einige Tage ungehört im Regal, bis ich es nach erstmaligem Hören immer wieder anwarf. Ein bisschen Smashing Pumpkins, hier und da grinsen Weezer durch die Gitarrenmelodien und manchmal schleichen sich sogar die Lemonheads in die Stücke des neuen Albums Purpe Lips. Also noch mal: Dieses anzuhören, macht unglaublich viel Spaß!

Und das eigentlich Erstaunliche ist doch, dass die Band unmittelbar um die Ecke wohnt und es sich dabei nicht um irgendwelche Newcomer aus Brooklyn handelt, die von der New Yorker Hippster-Kultur hochgeschrieben werden. Nein, The Boy You Know gibt es schon einige Zeit. Zumindest so lange, dass nun deren zweites Hauptwerk veröffentlich wurde.
Purple Lips ist süffig, aber ohne seltsamen Nachgeschmack. Zeitgemäß, ohne sich an den Geschmack der Masse anzubiedern. Hart, ohne brutal zu sein und verträumt, ohne zu sehr in Kitsch zu schwelgen. Im Mittelpunkt aller 13 Stücke stehen die Gitarren und nie, wirklich nie, wird einem dabei langweilig, den Songs von The Boys You Know zu lauschen. Ob das große Wax, das mächtige Omar oder das schmeichelnde Cover me – hier wird Überzeugung auf Albumlänge geleistet.
Purple Lips ist ein verdammt gutes Alternative-Rock-Album geworden, für das ich mir gern meine Haare wieder etwas wachsen lasse. Zumindest so lange, bis ich wieder einen Abend lang nur Frank Sinatra höre und das Gefühl habe, dass die Haare ab müssen. Aber jetzt heißt es erstmal: weiter durch die Bude dieser Studentenparty torkeln. 
The Boys You KnowPurple LipsVÖ: 16. Mai 2014

    Einfach mal kennenlernen

    Zugegeben, mittlerweile trinke ich lieber Wein statt Bier. Trotzdem kann ich mir gut vorstellen, zum Rotz-Rock von The Boys You Know über eine eskalierende Studentenparty zu torkeln. „Rotz-Rock“ sage ich deshalb, weil das hoffentlich einigermaßen deutlich macht, wie lässig die 2012 in Österreich gegründete Band klingt.

    Die Musik der Eine-Frau-drei-Kerle-Kombi macht einfach unfassbar viel Spaß. Als ich das Album zur Besprechung bekam, lag es erst einige Tage ungehört im Regal, bis ich es nach erstmaligem Hören immer wieder anwarf. Ein bisschen Smashing Pumpkins, hier und da grinsen Weezer durch die Gitarrenmelodien und manchmal schleichen sich sogar die Lemonheads in die Stücke des neuen Albums Purpe Lips. Also noch mal: Dieses anzuhören, macht unglaublich viel Spaß!

    Und das eigentlich Erstaunliche ist doch, dass die Band unmittelbar um die Ecke wohnt und es sich dabei nicht um irgendwelche Newcomer aus Brooklyn handelt, die von der New Yorker Hippster-Kultur hochgeschrieben werden. Nein, The Boy You Know gibt es schon einige Zeit. Zumindest so lange, dass nun deren zweites Hauptwerk veröffentlich wurde.

    Purple Lips ist süffig, aber ohne seltsamen Nachgeschmack. Zeitgemäß, ohne sich an den Geschmack der Masse anzubiedern. Hart, ohne brutal zu sein und verträumt, ohne zu sehr in Kitsch zu schwelgen. Im Mittelpunkt aller 13 Stücke stehen die Gitarren und nie, wirklich nie, wird einem dabei langweilig, den Songs von The Boys You Know zu lauschen. Ob das große Wax, das mächtige Omar oder das schmeichelnde Cover me – hier wird Überzeugung auf Albumlänge geleistet.

    Purple Lips ist ein verdammt gutes Alternative-Rock-Album geworden, für das ich mir gern meine Haare wieder etwas wachsen lasse. Zumindest so lange, bis ich wieder einen Abend lang nur Frank Sinatra höre und das Gefühl habe, dass die Haare ab müssen. Aber jetzt heißt es erstmal: weiter durch die Bude dieser Studentenparty torkeln. 

    The Boys You Know
    Purple Lips
    VÖ: 16. Mai 2014

  4. Foto: Samatha Casolari
Sommer, jetzt!
Dan Auerbach, eine Hälfte der Black Keys, hatte in den vergangenen Monaten sicher einiges zu tun. Nicht nur, dass am 9. Mai das neue Album seiner eigenen Band erscheint, an dem er entsprechend lang gearbeitet haben wird. Nein, auch das bald erscheinende neue Album von Lana Del Rey hat Auerbach produziert. Und dennoch – als wäre das nicht schon genug Stress – hat der Tausendsassa noch Zeit gefunden, nach Nashville zu fahren, um sich dort um das mittlerweile fünfte Album des Singer/Songwriters Ray LaMontagne zu kümmern.
Supernova, so heißt LaMontagnes neues Werk, an dem der Black Keys-Frontmann sich hinter den Reglern austoben durfte. Und, ähnlich wie DJ Brian Burton aka Danger Mouse, dem es längst gelungen ist, einen so erfolgreichen Sound zu kreieren, dass ihn sich viele Musiker wie Damon Albarn (The Good, The Bad and The Queen), Cee-Lo Green (Gnarls Barkley) oder James Mercer (Broken Bells) zu eigen machten, wildert nun also auch Auerbach in immer wieder neuen Gefilden herum.
Diesmal also an der Seite von Ray LaMontagne, dem US-amerikanischen Musiker, der vor seiner Karriere in einer Schuhfabrik gearbeitet hat. Nach einem Deal mit dem Majorlabel RCA konnte er seinen Job jedoch getrost an den Nagel hängen. Jetzt, fünf Alben und zahlreiche Musikpreise später, ist der 40-Jährige längst eine sichere Nummer im Business. 

Mit seinem ungeschliffenen selbst produzierten Erstling (Trouble) hat Supernova jedoch nichts mehr gemein. Hörte sich das noch eher nach sympathischer Hinterhofproduktion an, schafft es Auerbach LaMontagne so klingen zu lassen, wie Auerbach eben selbst klingt: ein bisschen nach Garage, ein wenig nach Hippie-Festival und dreckigem Bluesrock. Doch – Oh Wunder! – auch das macht unheimlich viel Spaß. Den Titeltrack möchte man(n) seiner Herzdame den ganzen Tag vorsingen. Oder wenigstens dazu mit ihr auf dem Beifahrersitz in einem Mustang gen Sonnenuntergang brettern.
LaMontagnes neues Album bietet – wenn man wirklich ehrlich ist – keine so große Varianz im Rahmen seiner Möglichkeiten. Doch der ist eben auch tatsächlich nicht groß gesteckt. In dieser Form von handgemachter Musik funktioniert der Amerikaner tadellos. Dass sein fünftes Album dem Genre Jazz oder Hardrock zuzuordnen gewesen wäre, hätte man ihm ohnehin nicht abgenommen. Einzig seiner Stimme, die vormals eher rauh und kratzig aus den Boxen drang, ist jetzt samtig aufpoliert. Ob das an Auernbachs Mischkünsten liegt oder LaMontagnes Stimme sich von allein in den vergangenen dreeinhalb Jahren verändert hat – man weiß es nicht.

Supernova jedenfalls ist ein tadelloser Sommersoundtrack geworden, dessen bester Song (Drive-In Movies) am Ende auf einen wartet und den Wunsch in einem weckt, dass das doch bitte noch eine kleine Ewigkeit so weitergehen könnte. Das gesamte Album ist geradezu prädestiniert für Zeitlupengedanken, das große Rumknutschen, entspanntes auf der Wiese liegen und Wolken beobachten oder einfach für zwei ineinander Verknallte, die sich mal wieder 43 Minuten lang verliebt anstarren wollen.
Ray LaMontagneSupernovaVÖ: 02. Mai 2014

    Foto: Samatha Casolari

    Sommer, jetzt!

    Dan Auerbach, eine Hälfte der Black Keys, hatte in den vergangenen Monaten sicher einiges zu tun. Nicht nur, dass am 9. Mai das neue Album seiner eigenen Band erscheint, an dem er entsprechend lang gearbeitet haben wird. Nein, auch das bald erscheinende neue Album von Lana Del Rey hat Auerbach produziert. Und dennoch – als wäre das nicht schon genug Stress – hat der Tausendsassa noch Zeit gefunden, nach Nashville zu fahren, um sich dort um das mittlerweile fünfte Album des Singer/Songwriters Ray LaMontagne zu kümmern.

    Supernova, so heißt LaMontagnes neues Werk, an dem der Black Keys-Frontmann sich hinter den Reglern austoben durfte. Und, ähnlich wie DJ Brian Burton aka Danger Mouse, dem es längst gelungen ist, einen so erfolgreichen Sound zu kreieren, dass ihn sich viele Musiker wie Damon Albarn (The Good, The Bad and The Queen), Cee-Lo Green (Gnarls Barkley) oder James Mercer (Broken Bells) zu eigen machten, wildert nun also auch Auerbach in immer wieder neuen Gefilden herum.

    Diesmal also an der Seite von Ray LaMontagne, dem US-amerikanischen Musiker, der vor seiner Karriere in einer Schuhfabrik gearbeitet hat. Nach einem Deal mit dem Majorlabel RCA konnte er seinen Job jedoch getrost an den Nagel hängen. Jetzt, fünf Alben und zahlreiche Musikpreise später, ist der 40-Jährige längst eine sichere Nummer im Business. 

    Mit seinem ungeschliffenen selbst produzierten Erstling (Trouble) hat Supernova jedoch nichts mehr gemein. Hörte sich das noch eher nach sympathischer Hinterhofproduktion an, schafft es Auerbach LaMontagne so klingen zu lassen, wie Auerbach eben selbst klingt: ein bisschen nach Garage, ein wenig nach Hippie-Festival und dreckigem Bluesrock. Doch – Oh Wunder! – auch das macht unheimlich viel Spaß. Den Titeltrack möchte man(n) seiner Herzdame den ganzen Tag vorsingen. Oder wenigstens dazu mit ihr auf dem Beifahrersitz in einem Mustang gen Sonnenuntergang brettern.

    LaMontagnes neues Album bietet – wenn man wirklich ehrlich ist – keine so große Varianz im Rahmen seiner Möglichkeiten. Doch der ist eben auch tatsächlich nicht groß gesteckt. In dieser Form von handgemachter Musik funktioniert der Amerikaner tadellos. Dass sein fünftes Album dem Genre Jazz oder Hardrock zuzuordnen gewesen wäre, hätte man ihm ohnehin nicht abgenommen. Einzig seiner Stimme, die vormals eher rauh und kratzig aus den Boxen drang, ist jetzt samtig aufpoliert. Ob das an Auernbachs Mischkünsten liegt oder LaMontagnes Stimme sich von allein in den vergangenen dreeinhalb Jahren verändert hat – man weiß es nicht.

    Supernova jedenfalls ist ein tadelloser Sommersoundtrack geworden, dessen bester Song (Drive-In Movies) am Ende auf einen wartet und den Wunsch in einem weckt, dass das doch bitte noch eine kleine Ewigkeit so weitergehen könnte. Das gesamte Album ist geradezu prädestiniert für Zeitlupengedanken, das große Rumknutschen, entspanntes auf der Wiese liegen und Wolken beobachten oder einfach für zwei ineinander Verknallte, die sich mal wieder 43 Minuten lang verliebt anstarren wollen.

    Ray LaMontagne
    Supernova
    VÖ: 02. Mai 2014

  5. Foto: Peter Larson
Erst mal einpendeln
Eigentlich mache ich ungern mit dem Zitat aus einer anderen Albumbesprechung auf. Bei Lucius komme ich aber vermutlich nicht drumherum, denn für den altehrwürdigen Guardian ist die aus Brooklyn stammende Band „the missing link between Arcade Fire und Haim“. Und das kann man dann auch gern erst mal auf sich wirken lassen.
Irgendwas wird schon dran sein, denn zuletzt durften Lucius die gerade stark umhypten Arcade Fire auf deren US-Tour begleiten. Bekanntermaßen werden Supportacts auch ein Stück weit nacht musikalisch-stilistischen Überschneidungen mit dem Hauptact ausgewählt. Aber wie viel Arcade Fire stecken in Lucius? Die Wahrheit ist: Die Kanadier haben mit ihrem Album Reflektor eine Neuerfindung sondergleichen vollzogen. Schon deshalb ist es eher unwahrscheinlich, dass Lucius jetzt fast bis genau so klingen.

Tatsächlich aber wecken einzelne Instrumentalisierungen auf Wildwoman von Lucius hin und wieder Erinnerungen an The Suburbs von Arcade Fire. Zusätzlich werfen die drei Herren um die beiden Frontfrauen Jess Wolfe und Holly Laessig noch andere Elemente in den musikalischen Hexenkessel: 80er Jahre Synthesizer, den Vibe der 60er, vorsichtigen Folk und modernen Indie-Pop.
Größte Stärke der Band aber, die sich schon im College kennengelernt hat und seitdem gemeinsam Musik macht, sind zum Einen die frenetischen Percussion-Momente, zu denen Kopf und Füße in Eigenregie das Kommando übernehmen. Zum Anderen aber auch der wunderschöne Gesang von Wolfe und Laessig. Mal einstimmig, mal zweistimmig, mal verspielt, mal laut, mal leise, mal kämpferisch, mal verletzlich. Den beiden Damen zuzuhören, bereitet einem große Freude.
Außer Arcade Fire könnte man in Sachen musikalischer Ähnlichkeit auch auf Angus & Julia Stone oder Of Monsters and Men verweisen. Aber alles das ist im Grunde Quatsch, weil es Lucius auf ihrem Debütalbum außerordentlich überzeugend schaffen, sich in einer eigenen Nische einzurichten.
Es wird hin und her gependelt, nein, eigentlich gesprungen – fast so wie bei diesen Spielen, in denen Kinder nach bestimmten Regeln auf den Boden gezeichnete Felder abspringen müssen. Genau so arbeiten sich Lucius durch Genre- und Stil-Felder, nehmen, was gerade gut genug ist und überraschen am Ende mit 12 verdammt guten Songs, die trotz der teilweise berechtigten Vergleiche mit einigen Großen der Branche noch immer sehr eigen klingen.
LuciusWildewomanVÖ: 04. April 2014Und hier noch flink die Tourdaten:

09.04. Köln, Gebäude 910.04. München, Atomic Cafe11.04. Berlin, Magnet12.04. Hamburg, Molotow

    Foto: Peter Larson

    Erst mal einpendeln

    Eigentlich mache ich ungern mit dem Zitat aus einer anderen Albumbesprechung auf. Bei Lucius komme ich aber vermutlich nicht drumherum, denn für den altehrwürdigen Guardian ist die aus Brooklyn stammende Band „the missing link between Arcade Fire und Haim“. Und das kann man dann auch gern erst mal auf sich wirken lassen.

    Irgendwas wird schon dran sein, denn zuletzt durften Lucius die gerade stark umhypten Arcade Fire auf deren US-Tour begleiten. Bekanntermaßen werden Supportacts auch ein Stück weit nacht musikalisch-stilistischen Überschneidungen mit dem Hauptact ausgewählt. Aber wie viel Arcade Fire stecken in Lucius? Die Wahrheit ist: Die Kanadier haben mit ihrem Album Reflektor eine Neuerfindung sondergleichen vollzogen. Schon deshalb ist es eher unwahrscheinlich, dass Lucius jetzt fast bis genau so klingen.

    Tatsächlich aber wecken einzelne Instrumentalisierungen auf Wildwoman von Lucius hin und wieder Erinnerungen an The Suburbs von Arcade Fire. Zusätzlich werfen die drei Herren um die beiden Frontfrauen Jess Wolfe und Holly Laessig noch andere Elemente in den musikalischen Hexenkessel: 80er Jahre Synthesizer, den Vibe der 60er, vorsichtigen Folk und modernen Indie-Pop.

    Größte Stärke der Band aber, die sich schon im College kennengelernt hat und seitdem gemeinsam Musik macht, sind zum Einen die frenetischen Percussion-Momente, zu denen Kopf und Füße in Eigenregie das Kommando übernehmen. Zum Anderen aber auch der wunderschöne Gesang von Wolfe und Laessig. Mal einstimmig, mal zweistimmig, mal verspielt, mal laut, mal leise, mal kämpferisch, mal verletzlich. Den beiden Damen zuzuhören, bereitet einem große Freude.

    Außer Arcade Fire könnte man in Sachen musikalischer Ähnlichkeit auch auf Angus & Julia Stone oder Of Monsters and Men verweisen. Aber alles das ist im Grunde Quatsch, weil es Lucius auf ihrem Debütalbum außerordentlich überzeugend schaffen, sich in einer eigenen Nische einzurichten.

    Es wird hin und her gependelt, nein, eigentlich gesprungen – fast so wie bei diesen Spielen, in denen Kinder nach bestimmten Regeln auf den Boden gezeichnete Felder abspringen müssen. Genau so arbeiten sich Lucius durch Genre- und Stil-Felder, nehmen, was gerade gut genug ist und überraschen am Ende mit 12 verdammt guten Songs, die trotz der teilweise berechtigten Vergleiche mit einigen Großen der Branche noch immer sehr eigen klingen.

    Lucius
    Wildewoman
    VÖ: 04. April 2014

    Und hier noch flink die Tourdaten:

    09.04. Köln, Gebäude 9
    10.04. München, Atomic Cafe
    11.04. Berlin, Magnet
    12.04. Hamburg, Molotow
  6. Musik zum blau machen
In den 80ern hat man sich Abends nicht entscheiden können, ob das Licht an oder aus sein soll. Und so ist dann auch das Strobo-Licht entstanden. Das kennt man, so wird es überliefert – seit Jahren schon. Viel Strobo-Licht wird auch bei den Auftritten jener Kombo zum Einsatz kommen, die ich euch nun vorstellen will: I Heart Shark heißt sie und beschreibt sich selbst mit „One english boy, one german boy, one lost boy“.
Schon das macht sie charmant. Da dürfte für jeden etwas dabei sein und wenn ich wählen müsste, würde ich mich noch am ehesten mit dem „lost boy“ identifizieren. Anthems heißt ihr in Kürze erscheinendes neues Album. Und das vereint das beste der 80er und Gegenwart. Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass keinem der Herren aufgefallen sein soll, in welchem Jahrzehnt sie mit großer Liebe zu wildern scheinen. Die Synthesizer und typischen 80er-Sound-Elemente sind aber meine Zeugen. Auch wenn einen die erste Single To be young durchaus auf eine falsche Fährte führen könnte.

Anders als die einst hochgelobten Hurts überzeugen I Heart Sharks mit angenehmer Gelassenheit und verzichten komplett auf deren unausstehlichen Pathos. Nicht zuletzt verdankt die Band das dem Neonstreif an der Horizonttapete: ihrem Sänger Pierre Bee.
Manche mögen die Jungs, die sich im Berghain kennengelernt haben, mit Friendly Fires vergleichen. Ich nicht. Selbstverständlich ist das hier Indiepop mit mal mehr und mal weniger starkem Elektro-Einfluss, aber: Die drei Herren scheinen den Dreh raus zu haben, alle Geschmäcker inklusive den Retrorückgriff auf ein zugleich tolles wie auch furchtbares Musikjahrzehnt zu einen, ohne dass es an irgendeiner Stelle gewollt wirkt und am Ende schief geht.

Klar ist: Hier steckt viel Herz drin. Verspielt, aber frei jeglicher Hektik macht die 2007 gegründete Formation wirklich durch und durch schöne Musik, die sich textlich an der ersten Liebe, dem damit verbundenen Gefühlschaos und manchen unschönen Phasen danach abarbeitet. Entstanden sind Großstadthymnen, wie sie den Killers schon eine Ewigkeit nicht mehr gelingen wollen. Eines ist sicher: Wenn Ferris heute blau machen würde, dann zu dieser Musik.
I Heart SharksAnthemsVÖ: 28. März 2014

    Musik zum blau machen

    In den 80ern hat man sich Abends nicht entscheiden können, ob das Licht an oder aus sein soll. Und so ist dann auch das Strobo-Licht entstanden. Das kennt man, so wird es überliefert – seit Jahren schon. Viel Strobo-Licht wird auch bei den Auftritten jener Kombo zum Einsatz kommen, die ich euch nun vorstellen will: I Heart Shark heißt sie und beschreibt sich selbst mit „One english boy, one german boy, one lost boy“.

    Schon das macht sie charmant. Da dürfte für jeden etwas dabei sein und wenn ich wählen müsste, würde ich mich noch am ehesten mit dem „lost boy“ identifizieren. Anthems heißt ihr in Kürze erscheinendes neues Album. Und das vereint das beste der 80er und Gegenwart. Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass keinem der Herren aufgefallen sein soll, in welchem Jahrzehnt sie mit großer Liebe zu wildern scheinen. Die Synthesizer und typischen 80er-Sound-Elemente sind aber meine Zeugen. Auch wenn einen die erste Single To be young durchaus auf eine falsche Fährte führen könnte.

    Anders als die einst hochgelobten Hurts überzeugen I Heart Sharks mit angenehmer Gelassenheit und verzichten komplett auf deren unausstehlichen Pathos. Nicht zuletzt verdankt die Band das dem Neonstreif an der Horizonttapete: ihrem Sänger Pierre Bee.

    Manche mögen die Jungs, die sich im Berghain kennengelernt haben, mit Friendly Fires vergleichen. Ich nicht. Selbstverständlich ist das hier Indiepop mit mal mehr und mal weniger starkem Elektro-Einfluss, aber: Die drei Herren scheinen den Dreh raus zu haben, alle Geschmäcker inklusive den Retrorückgriff auf ein zugleich tolles wie auch furchtbares Musikjahrzehnt zu einen, ohne dass es an irgendeiner Stelle gewollt wirkt und am Ende schief geht.

    Klar ist: Hier steckt viel Herz drin. Verspielt, aber frei jeglicher Hektik macht die 2007 gegründete Formation wirklich durch und durch schöne Musik, die sich textlich an der ersten Liebe, dem damit verbundenen Gefühlschaos und manchen unschönen Phasen danach abarbeitet. Entstanden sind Großstadthymnen, wie sie den Killers schon eine Ewigkeit nicht mehr gelingen wollen. Eines ist sicher: Wenn Ferris heute blau machen würde, dann zu dieser Musik.

    I Heart Sharks
    Anthems
    VÖ: 28. März 2014

  7. Lebendig fühlen
Er könnte das Kind von Nick Cave und Get Well Soon-Frontmann Konstantin Gropper sein, wenn Mutter Natur das erlauben würde. So ist Blaudzun aber vor allem eins: ein begnadeter Musiker und Songwriter. Auf seinem Album Promises of No Man’s Land entfacht der Niederländer jedenfalls ein Kreativfeuerwerk an alternativem Indie-Rock, das so facettenreich ist, dass man sich in einer nie enden wollenden Achterbahnfahrt wähnt.
Johannes Sigmonds, wie Blaudzun eigentlich heißt, ist in seinem Heimatland längst kein Geheimtipp mehr. Von den Kritikern hochgelobt, wird er sogar mit Arcade Fire oder Ryan Adams verglichen. Was Arcade Fire betrifft: da bin ich dabei, darauf lasse ich mich ohne Widersprache ein. Bunt, verspielt und neugierig wirkt Blaudzuns Musik. Mit dem Solobarden Ryan Adams, der zuletzt deutlich stiller und konzentrierter daherkam, hat der junge Niederländer hingegen nichts gemein. Und wer auch immer diese Schublade geöffnet hat, hat dem frischen Ausnahmetalent ohnehin Unrecht getan.

Promises of No Man’s Land ist das nunmehr vierte Album des Niederländers, dessen ersten drei Alben bei uns nur als Import zu beziehen sind. Das 2012 veröffentlichte Album Heavy Flowers hat sich in seinem Heimatland sage und schreibe 70 Wochen in den Charts halten können und damit locker Gold-Status erreicht. Darüber hinaus ist es dem Ausnahme-Songwriter gelungen, sämtliche wichtige Musikpreise in seinem Heimatland einzukassieren.
Mit seiner 9-köpfigen Band komponiert Blaudzun Musik, die jenseits vom üblichen Indie-Pop-Rock-Einerlei ist. Jeder Song: ein kleines Klanguniversum, das geschliffen und ausgereizt bis zum Gehtnichtmehr Spuren im Hörer hinterlässt. Titel, die – mit einer ganz besonderen Magie ausgestattet – hochkomplex sind und dabei auf eine ungemein schlichte Art fesseln. Es fällt schwer, ausgewählte Songs hervorzuheben, weil jeder einzelne einem chaotischen Naturschauspiel gleicht, dem zugleich ein Höchstmaß an Schönheit innewohnt.

Unwiderstehlich, packend, lebendig, hochdramatisch und mitreißend sind die elf Stücke auf Blaudzuns neuem Album geworden. Promises of No Man’s Land begeistert mit brillanten Melodien, vielschichtigen Arrangements und einer Atmosphäre, die dichter nicht sein könnte – ja, manchmal sogar beklemmend ist.
Blaudzun, der eigentlich Johannes Sigmond heißt, singt sich durch seine Lieder, als ginge es um Leben und Tod. So ernst war es womöglich schon lange keinem Musiker mehr. Es ist hinlänglich bekannt, dass es im Auge eines Orkans still ist. Die Songs auf Blaudzuns neuem Album sind der Soundtrack für den Weg in dieses Zentrum, das man – einmal erreicht – am liebsten gleich wieder verlassen will, weil der Kampf dorthin einen hat lebendig fühlen lassen. Das hier ist Befriedigung bis ins Mark.

BlaudzunPromises of No Man’s LandVÖ: 07. März 2014  
Blaudzun ist demnächst auf Tour und ihr solltet die Chance nutzen, ihn live zu erleben. Es ist zu erwarten, dass man das Konzert verändert verlassen wird:
21.03.2014 Köln - Stadtgarten22.03.2014 Düdingen (CH) - Bad Bonn23.03.2014 Zürich (CH) - Papiersaal24.03.2014 München - Kranhalle25.03.2014 Wien - Chelsea26.03.2014 Berlin - Privat Club27.03.2014 Hamburg - Prinzenbar 

    Lebendig fühlen

    Er könnte das Kind von Nick Cave und Get Well Soon-Frontmann Konstantin Gropper sein, wenn Mutter Natur das erlauben würde. So ist Blaudzun aber vor allem eins: ein begnadeter Musiker und Songwriter. Auf seinem Album Promises of No Man’s Land entfacht der Niederländer jedenfalls ein Kreativfeuerwerk an alternativem Indie-Rock, das so facettenreich ist, dass man sich in einer nie enden wollenden Achterbahnfahrt wähnt.

    Johannes Sigmonds, wie Blaudzun eigentlich heißt, ist in seinem Heimatland längst kein Geheimtipp mehr. Von den Kritikern hochgelobt, wird er sogar mit Arcade Fire oder Ryan Adams verglichen. Was Arcade Fire betrifft: da bin ich dabei, darauf lasse ich mich ohne Widersprache ein. Bunt, verspielt und neugierig wirkt Blaudzuns Musik. Mit dem Solobarden Ryan Adams, der zuletzt deutlich stiller und konzentrierter daherkam, hat der junge Niederländer hingegen nichts gemein. Und wer auch immer diese Schublade geöffnet hat, hat dem frischen Ausnahmetalent ohnehin Unrecht getan.

    Promises of No Man’s Land ist das nunmehr vierte Album des Niederländers, dessen ersten drei Alben bei uns nur als Import zu beziehen sind. Das 2012 veröffentlichte Album Heavy Flowers hat sich in seinem Heimatland sage und schreibe 70 Wochen in den Charts halten können und damit locker Gold-Status erreicht. Darüber hinaus ist es dem Ausnahme-Songwriter gelungen, sämtliche wichtige Musikpreise in seinem Heimatland einzukassieren.

    Mit seiner 9-köpfigen Band komponiert Blaudzun Musik, die jenseits vom üblichen Indie-Pop-Rock-Einerlei ist. Jeder Song: ein kleines Klanguniversum, das geschliffen und ausgereizt bis zum Gehtnichtmehr Spuren im Hörer hinterlässt. Titel, die – mit einer ganz besonderen Magie ausgestattet – hochkomplex sind und dabei auf eine ungemein schlichte Art fesseln. Es fällt schwer, ausgewählte Songs hervorzuheben, weil jeder einzelne einem chaotischen Naturschauspiel gleicht, dem zugleich ein Höchstmaß an Schönheit innewohnt.

    Unwiderstehlich, packend, lebendig, hochdramatisch und mitreißend sind die elf Stücke auf Blaudzuns neuem Album geworden. Promises of No Man’s Land begeistert mit brillanten Melodien, vielschichtigen Arrangements und einer Atmosphäre, die dichter nicht sein könnte – ja, manchmal sogar beklemmend ist.

    Blaudzun, der eigentlich Johannes Sigmond heißt, singt sich durch seine Lieder, als ginge es um Leben und Tod. So ernst war es womöglich schon lange keinem Musiker mehr. Es ist hinlänglich bekannt, dass es im Auge eines Orkans still ist. Die Songs auf Blaudzuns neuem Album sind der Soundtrack für den Weg in dieses Zentrum, das man – einmal erreicht – am liebsten gleich wieder verlassen will, weil der Kampf dorthin einen hat lebendig fühlen lassen. Das hier ist Befriedigung bis ins Mark.

    Blaudzun
    Promises of No Man’s Land
    VÖ: 07. März 2014  

    Blaudzun ist demnächst auf Tour und ihr solltet die Chance nutzen, ihn live zu erleben. Es ist zu erwarten, dass man das Konzert verändert verlassen wird:

    21.03.2014 Köln - Stadtgarten
    22.03.2014 Düdingen (CH) - Bad Bonn
    23.03.2014 Zürich (CH) - Papiersaal
    24.03.2014 München - Kranhalle
    25.03.2014 Wien - Chelsea
    26.03.2014 Berlin - Privat Club
    27.03.2014 Hamburg - Prinzenbar 

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