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Ein Freund, ein guter Freund

Klingt es kitschig, wenn ich behaupte, dass Musik manchmal nicht nur wie ein guter Freund sein kann, sondern sogar wie der beste? Dann nämlich, wenn sie ausgerechnet dann in Form eines neuen Albums daherkommt, wenn man sie am nötigsten braucht. Ja, vermutlich klingt das kitschig und ein bisschen weit hergeholt, aber genau so geht es mir mit Tape Deck Heart von Frank Turner.


Frank Turner - The Way I Tend To Be on MUZU.TV.

Die Veröffentlichung seines formidables Vorgängeralbum England Keep My Bones liegt gerade mal zwei Jahre zurück. Und obwohl das vergangene wohl zum anstrengendsten seiner Karriere zählen dürfte (Auftritt in der Londoner Wembley Arena, Eröffnung der Olympischen Sommerspiele in London, Auftritte bei Jimmy Kimmel und Conan O’Brien,…), hat Turner Zeit gefunden, an neuen Songs zu arbeiten.

Dass diese nebenbei noch immer klingen, als gehörten sie am besten im Pub um die Ecke präsentiert und sich überhaupt nicht überproduziert und nach einer pseudobeabsichtigten Stilveränderung anhören, ist ein kleines Wunder.

Recovery, der erste Singlevorbote des Albums, weiß wie musikalisches Dauergrinsen geht. Four simple words führt einen ganz kurz auf eine falsche Fährte, bevor es schlagartig zum Brett wird. Überhaupt hat Turner ein gutes Gespür für Songstrukturen, die allesamt klingen, wie die letzten Minuten eines Coming-of-Age-Films, der damit endet, dass die Kamera langsam zurückfährt und man den Hauptfiguren beim Zufriedensein zuschauen darf.

Neben Themen wie in die Brüche gegangener Liebe besingt der 31-jährige Sänger und Songwriter Mut, Ehrlichkeit und die immer währende Hoffnung auf ein Ende, das einen lächelnd zurücklässt.

Doch vielleicht ist dafür gar nicht so viel nötig. Möglicherweise reicht es schon, Tape Deck Heart zu hören und zu wissen, dass man mit diesem Leben und all den damit verbundenen Erfahrungen nicht allein ist.

But then I remember you,
and the way you shine like truth in all you do
And if you remembered me,
You could save me from the way I tend to be.

aus The way I tend to be


Frank Turner
Tape Deck Heart
VÖ: 19. April 2013

Hier könnt ihr Herrn Turner übrigens live erleben: 
29.04. Köln, Kulturkirche
04.05. München, Strom
06.05. Berlin, Bi Nuu
07.05. Hamburg, Knust

Und im September kommt dann eine richtige Deutschland-Tour:

05.09. Dortmund, FZW
06.09. Bremen, Schlachthof
08.09. Berlin, Huxley’s
09.09. Hamburg, Große Freiheit 36
10.09. Hannover, Faust
11.09. Wiesbaden, Schlachthof
12.09. München, Backstage Werk
14.09. Lindau, Club Vaudeville
19.09. Stuttgart, Longhorn
20.09. Köln, E-Werk
    • #Frank Turner
    • #Tape Deck Heart
    • #Punk
    • #Folk
    • #Rock
    • #Album
    • #neu
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  • MüdigkeitPascal Finkenauer

Etwas Besonderes

Das zwischen ihm und mir ist eine ernste Sache geworden. Auch wenn ich ihn zum ersten Mal auf einer schrecklichen Veranstaltung namens Bundesvision Song Contest gesehen habe. Trotzdem reichte diese eine Begegnung aus, um mich dieses ganz besondere Blut lecken zu lassen. 

Der Song, durch den ich auf Pascal Finkenauer aufmerksam wurde, war Unter Grund: Ein dynamischer Abgesang auf alles das, was war, gerade ist und sein könnte. Ein Text, so spitz wie ein gerade geschärftes Messer, dazu Finkenauers Kratzstimme, die Wunden aufzureißen vermag und am Ende einen Tropfen Balsam zurücklässt, damit der verkümmerte Kern wieder heilen kann.

Und tatsächlich ging es mir so mit dem gesamten gleichnamigen Album Unter Grund (2009). Ein vollkommen unterschätztes deutschsprachiges Meisterwerk, weil zu viele da draußen Nena hören.

Kurze Zeit später kaufte ich mir das 2004 veröffentlichte Debütalbum Finkenauer, wurde aber nie so recht warm damit. Man hört dem Album an, dass ein Gerüst fehlt. Etwas, das alles zusammenhält. Musikalisch, gesanglich und textlich tat ich es als gescheitertes Experiment eines jungen Musikers ab, der zu viel auf einmal wollte. Vor zwei Jahren veröffentlichte der Mainzer Songwriter das kleine englischsprachige Mini-Album Diamond, das ich komplett ignoriert habe.

Unter Grund war für mich also das Maß aller Dinge.

Jetzt erscheint sein neues schlicht nach ihm benanntes Album Pascal Finkenauer. Mittlerweile ist der kluge Kopf dahinter Mitte 30, hat viele Höhen und Tiefen erlebt, einen Gedichtband veröffentlicht und verfügt – zum Glück – noch immer über eine Stimme, die schafft, dass ich durch alles hindurchschauen und mich vollständig in diesen extrem guten deutschsprachigen Texten verlieren kann.

Gut möglich, dass Selig neidisch auf Finkenauer blicken, weil er genau die Art von unangestrengten Alternativ-Rock macht, der den Hamburger Jungs nicht mehr so recht gelingen will. Die Stärke dieses besonderen Songwriters liegt in seinen ehrlichen, unkitschigen, eindringlichen, wendungsreichen und dadurch manchmal schlichtweg zu Tränen rührenden Texten.

Dieses Stück hier stammt übrigens auch vom Album Unter Grund:

Ich denke an dich und das wundert mich, nach all der Zeit ist so ein Stück hingeworfene Verszeile vom neuen Album, die mich - in der Bahn sitzend - ausgeknockt hat. Da kann man dann nicht mal was dagegen tun, dass der Blick in die weite Welt plötzlich verschwimmt. Es ist die Hölle. Ehrlich, echt und packend.

Finkenauers neues Album sind die besten 50 Minuten deutschsprachiger Musik, in die man in diesem drei Monate jungen 2013 investieren kann.

Pascal Finkenauer
Pascal Finkenauer
VÖ: 05. April 2013

    • #Pascal
    • #Finkenauer
    • #Pop
    • #Rock
    • #Alternativ
    • #Singer
    • #Songwriter
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Bloß nicht dazwischendenken

Es hat gedauert, bis mir auffiel, an wen mich die Musik von Midas Fall erinnert. Seit 2009 gibt es diese schottische Band jetzt schon und Wilderness, das bereits zweite Album des Trios, klingt nach Aufbruch, Weite, Reise und einer gehörigen Portion Ungewissheit.

Etwa 45 Minuten lang singt sich Elizabeth Heaton mit beeindruckender Stimmgewalt und zugleich beängstigender Zerbrechlichkeit in die Stille des Raums, den jeder in sich trägt. Heaton selbst spielt zusätzlich noch Gitarre und Keyboard, während ihre beiden Mitstreiter hinter einer weiteren Gitarre, einem Schlagzeug, Bass und Klavier stehen.

image

Dieses Instrumentensammelsurium beherrscht das Trio in Perfektion. Jeder Titel auf Wilderness ringt einem so viel Respekt ab, dass man nicht wagt, dazwischenzudenken.

Manchmal kämpft Heatons Gesang mit dem eigenen Pathos, der den Songs zwar gut steht, spätestens im dritten Hördurchlauf in Folge aber auch durchaus seltsam aufgesetzt wirken kann.

An der Brillanz von Stücken wie Our World Recedes, Fight First oder The Moon And The Shine ändert das jedoch nichts. Midas Fall machen alternative Popmusik im besten progressiven Sinne und erinnern damit an Radiohead sowie die phantastischen Jezabels. Wenn auch auf Sparflamme.

Aber noch ist ja kein Sommer. Und die Ungewissheit wegen all der Dinge, die vor uns liegen, ist so groß, dass vorsichtige Aufbruchstücke deren Atmosphäre vielleicht ohnehin am besten einzufangen vermögen.

Midas Fall
Wilderness
VÖ: 28. März 2013 

    • #Midas Fall
    • #Wilderness
    • #Schottland
    • #Pathos
    • #Pop
    • #Rock
    • #Progressive
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Ein guter Plan

Zufälle. Gibt es, sagen die Einen. Gibt es nicht, sagen die Anderen. Tatsache ist: 1896 entdeckte der französische Physiker Antoine Henri Becquerel durch einen Zufall die Radioaktivität. Okay, vielleicht war es auch sein Schicksal. Genau wird man das wohl nie sagen können. Das ist so wie bei mir und dem letzten bisschen Frischkäse, auf dem wirklich immer ein zarter Hauch von Pelz befindet. Schicksal, Zufall oder einfach nur Können.

Dass sich ein paar Jungs nun in Form einer handelsüblichen Band Becquerels nennen, ist jedoch ganz sicher kein Zufall. Und davon abgesehen auch nicht das Spannendste an diesen fünf Herren:

Zu ihren Vorbildern zählen sie David Bowie, Elbow und überhaupt die Strömungen und Stilvariationen des 90er-Jahre-Britpops. Das allein klingt schon mal interessanter als die ersten beiden Absätze zusammen.

Ihre gerade veröffentlichte EP Varmints on the run haben sie in Manchester aufgenommen. Und das wäre keine Extra-Erwähnung wert, wenn Becquerels nicht eigentlich ganz woanders herkämen – aus München nämlich.

Ihr noch namenloses Debütalbum wird derzeit in einer Londoner Grafschaft aufgenommen. Irgendwo draußen vor der Stadt, hinter Hügeln, in einem kleinen Tonstudio, um das jeden Nachmittag punkt 16 Uhr neue Nebelmauern aus dem Erdboben emporsteigen, musizieren sich also ein paar Typen aus München die Seele aus dem Leib, um ihren Vorbildern zu huldigen und den aktuellen Chartpop in seine Schranken zu weisen. Das klingt nach einem Plan. Hoffentlich gepaart mit Schicksal. Wäre doch schade, wenn die Typen ihren Erfolg dem Zufall überlassen würden. 

Aber ganz ehrlich? So sehen sie nicht aus. In diesem Sinne: Rock’n’Roll!

Becquerels
Varmints on the run (EP)
VÖ: 12. März 2013

    • #Becquerels
    • #München
    • #Rock
    • #Rock'n'Roll
    • #Britpop
    • #EP
    • #Varmints on the run
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Digitale Funkstörungen

«Songs müssen deine Phantasie ansprechen, die Vergangenheit, die Zukunft, Maschinen, die Natur» sagt der Eine. «Und ich habe den perversen Stoff geschrieben» ergänzt der Andere.

Der Andere ist der französische Produzent Benoit de Villeneuve, den man nicht kennen muss. Ist nicht schlimm, wirklich. Der Eine aber, der genau weiß, was Songs müssen, ist Mastermind einer neuen französischen Band, die in den kommenden Monaten für Furore sorgen dürfte. Nicolas Fromageau heißt diese kluge Musikwüstling, ehemalige M83-Hälfte, versehen mit Stürmen und Drängen für etwas ganz und gar Neues.

Das Neue hat er jetzt gefunden. Team Ghost heißt seine neue Formation, mit der er neben seiner Vorliebe für elektronische Musik, Chöre und große pathetische Gesten auch die für laute und schrammelnde Gitarrenläufe zelebriert. Sonic Youth, Brian Eno und Tangerine Dream dürften hierfür Pate gestanden haben, wobei Fromageau selbst eher Vergleiche zu seiner alten Band zieht: «Ich glaube, dass Team Ghost noch düsterer ist als M83, da ich Bands wie Joy Division, Cocteau Twins und andere mag.»

Mit Rituals haben Team Ghost knapp 44 Minuten lang atmosphärisch sinnige Klangwelten geschaffen, die von Tempo, unbändiger Energie und unglaublicher Spielwut leben. Schmerz, Obsession, Laster, Lust und Voyeurismus steckt in die diesen 12 digitalen Funkstörungen aus einer phantastischen Parallelwelt.

Es fällt schwer, einzelne Lieder als Highlights hervorzuheben, weil Rituals als Konzeptalbum, das sich der düsteren Gothic-Atmosphäre verschrieben hat, nur insgesamt funktioniert. Dafür aber auch Hammerschlag und weiche hinter einem liegende Matratze zugleich ist. Himmel und Hölle, Licht und Dunkelheit, Gut und Böse. Womit Fromageau sein gestecktes Ziel auch als erreicht betrachten darf: Das hier wird viele Phantasien anregen. 

Team Ghost
Rituals
VÖ: 15. März 2013

Dieser brillante Curtains-Remix sei euch noch ans Herz gelegt:

    • #Team Ghost
    • #Rituals
    • #Nicolas Fromageau
    • #Club
    • #Rock
    • #Elektro
    • #Indie
  • Vor 2 Monaten
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