Das ist bestimmt ein Netter
Dass Matthew E. White nicht die Musik macht, die man von ihm erwartet, wenn man ihn sieht, ist eine Oberflächlichkeit, die hier und da mal in einer Rezension zu lesen ist. Jetzt auch bei mir - allerdings um den Hinweis ergänzt, dass diese Beobachtung totaler Quatsch ist. Ja, der große Matthew E. White trägt einen wirklich vollen Vollbart vor sich her, sieht deshalb aber noch lange nicht aus wie ein verschollenes Mitglied von ZZ Top.
White macht Folkmusik und versucht dabei, diese so sehr mit seinem eigenen Dreh zu versehen, dass man sich einfach eingestehen muss, dass alle sieben Songs auf seinem Debüt Big Inner tatsächlich anders klingen. Denn Country, Soul, Gospel und Funk scheinen Stile zu sein, die er mindestens ebenso mag. Genregrenzen wurden und werden in der Musik schon längst gesprengt, aber so deutlich wie hier, gab es das vermutlich lange nicht mehr zu hören.
Doch Achtung: Wer jetzt erwartet, dass White mit laut-krakeliger Stimme um Aufmerksamkeit buhlt, der kann beruhigt oder muss an dieser Stelle enttäuscht werden – je nachdem, wie man es denn nun gern hätte. Der 30-jährige Amerikaner singt mit seiner Stimme dann doch ähnlich zart wie William Fitzsimmons, als dass der Eindruck entstehen könnte, er würde auf Big Inner einen auf die nächste bisher unentdeckte Soulgröße machen.
Die will er vermutlich auch gar nicht sein. Vielmehr interessiert ihn das Zusammenspiel all dieser unterschiedlichen Musikrichtungen. Es gibt Gospelchöre, viele Bläser, finstere Streicherarrangements und eine Art vorsichtige (besser: zeitlupenähnliche) Schunkelstimmung.
Am Ende ist das hier womöglich mutig inszenierte Popmusik. Aber das ist eigentlich egal, denn: Matthew E. White überrascht mit jedem der zwischen viereinhalb bis neuneinhalb Minuten andauernden Stücke, die so vielfältig komponiert sind, dass man auch Wochen später und nach unzähligen Hördurchläufen noch Neues an ihnen entdecken wird.
Matthew E. White
Big Inner
VÖ: 08. Februar 2013







