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2012: Meine Alben-Top-10

(10) – Will Young / Echoes

Damit lehne ich mich weit aus dem Fenster. Aber das macht Spaß, weil Youngs eleganter Sphärenpop über vielem thront, was mir 2012 von gekünstelten Hypes als das Neueste vom Neuen zu verkaufen versucht wurde. Zu kompliziert der Satz? Also noch mal: Echoes ist brillant, weil simpel. Hier und da ein paar Soundtüfteleien, manchmal (aber wirklich selten!) klingt irgendetwas irgendwo nach den (guten) 80ern, dafür aber wirklich immer nach einem perfekten und nie enden sollenden Sommer.

(09) – Nada Surf / The Stars Are Indifferent To Astronomy

Zugegeben: Den Schmackes vom Album-Opener Clear Eye Clouded Mind erreichen Nada Surf mit den übrigen Songs ihres neuen Albums nicht mehr. Das ist aber nicht schlimm, denn TSAITA wird von großartigen, jungen, energetischen und nicht totzukriegenden Melodien beherrscht, die für Sommermonate gemacht wurden. Dieses Album klingt, als hätten es die Jungs kurz vor der Veröffentlichung mit einem Anti-Grau-Waschmittel durchgeschleudert. Und Leute, das Ergebnis erstrahlt in den schönsten Farben.

(08) – Fritz Kalkbrenner / Sick Travellin’

Schon das Vorgängeralbum Here Today Gone Tomorrow von Fritz Kalkbrenner finde ich phänomenal. Und meiner unwichtigen Einschätzung nach ist Fritz der um Längen kreativere der beiden Kalkbrenner-Brüder obwohl Paul (Berlin Calling) der erfolgreichere der beiden ist. Sick Travellin’ ist so unfassbar monumental, dass es mir schwer fällt, einen Song hervorzuheben: Dieses Gesamt-Techno-Konzeptalbum klingt so sagenhaft entspannt, als wäre es geradewegs dafür gemacht, einen an den Ohren haltend durch den Tag zu tragen. Ist das überhaupt noch Techno? Egal, es ist wunderschön.

(07) – Jessie Ware / Devotion

Womit wir beim ersten echten Hype in dieser Liste angelangt wären: Obwohl Jessie Ware noch gut weggekommen ist. So sehr wurde Devotion dann doch nicht gehypt, als dass man es schon allein des Hypes wegen scheiße finden müsste. Jetzt, wo ich es kenne, bin ich der Meinung, dass diese Frau hier die Aufmerksamkeit verdient hätte, die Lana Del Rey zuteil wurde. Ware macht brillanten R’n’B-Pop-Soul, der unfassbar filigran daherkommt, zerbrechlich wirkt und letztlich doch so majestätisch-stark klingt, als würde man alles Schöne eines Lebens auf einmal ins Herz gepresst bekommen.

(06) – Rangleklods / Beekeeper

Nachdem ich Rangleklods im Frühjahr dieses Jahres zum ersten Mal live erlebte, ging ich hypnotisch zum Merchandising-Stand und kaufte mir deren Debütalbum Beekeeper. Die Band besteht aus einer Gitarristin, die ab und an spielt und noch viel seltener singt und einem Mann. Dieser wiederum singt, als hätte er Chris Martin verschluckt und mit ein paar Gläsern Scotch nachgespült. Außerdem hat der Typ so ein seltsames kleines Gerät vor sich stehen, an dem er Regler nach oben, unten, links und rechts schiebt oder zieht. Manchmal bewegt er auch seine Handflächen über dem Maschinchen und erzeugt damit wabbernde Klangteppiche. Ich mag das. Beekeeper könnte möglicherweise auch ein Depeche-Mode-Album sein. Doch manchmal habe ich das Gefühl, dass es dafür eigentlich zu originell, düster, bedrohlich, kühl und gewaltig ist. Das hier ist das musikgewordeneste Großstadtgefühl, das ich je auf die Lauscher bekam.

(05) – Olli Schulz / SOS Save Olli Schulz

Allein für Zeilen wie «Wenn die Wahrheit stirbt, begrab sie» muss man Olli Schulz lieben. So lange es ihn gibt, so lange mag ich schon seine sympathisch-schräge Art. Dieses Album ist klug, leicht und unfassbar kumpelig-charmant. Als ich mit meinem Vater an einem Sonntag im September nach Hamburg gefahren bin, um mir fünf Wohnungen und WG-Zimmer anzuschauen, lief dieses Album und mein Vater hat hier, da und überhaupt auffällig oft gelächelt. Bei Koks & Nutten muss ich mich zusammenreißen, nicht zu flennen, weil es die schönste Geschichte ist, die ich je in Liedform erzählt bekommen habe. Wer Olli unterschätzt und ihn auf seine TV-Rumblödelei reduziert, hat vermutlich nicht kapiert, dass dieser einer der klügsten Gegenwartspoeten ist.

(04) – The Shins / Port Of Morrow

Vielleicht ist das hier der beste Soundtrack für eine Zeit, die nach Abenteuern schreit. James Mercer, Sänger der Shins, hat gemeinsam mit Danger Mouse, mit dem er schon bei dem Soloprojekt Broken Bells zusammengearbeitet hat, ein Album aufgenommen, das womöglich nicht mehr wirklich rockt – zumindest nicht im klassischen Sinne. Aber es surfrockt, wenn ihr versteht. Das hier klingt nach dem heißesten Sommer, den man sich vorstellen kann. Und nach allerlei neuen Erfahrungen. Selten hat mich ein Album nach dem ersten Hördurchlauf so überzeugt, wie dieses. Damit kann man sich schlafen legen, aufwachen und auch die ganze Zeit dazwischen verbringen, ohne auch nur einen einzigen Ton zu bereuen.

(03) – Norah Jones / Little Broken Hearts

Ich weiß nicht, wie man sich als Mann dazu entschließen kann, Norah Jones zu betrügen. Ihr Ex-Freund, der zudem ihr Produzent war, hat genau diesen Fehler gemacht. Deshalb hat sie ihn abgeschossen, sich für das neue Album Zeit gelassen, kluge Trennungs- und Abschiedslieder komponiert und diese von Überproduzent Danger Mouse (zum zweiten Mal in dieser Liste!) aufpolieren lassen. Der hat gemacht, dass die Aufnahmen klingen, als würde Jones in ein Mikro singen, das in einer anderen Zeit steht und den Klang durch so eine riesige Plattenspielermuschel in die Gegenwart trägt. Es zittert, fiebert, glänzt, pulsiert, hallt und klingt phantastisch. Nie hat Norah Jones sexyer (Schreibt man das so?) geklungen.

(02) – Frank Ocean / Channel ORANGE

Ich weiß nicht wie R’n’B und HipHop geklungen hat, bevor sich Frank Ocean all dem angenommen hat. Mit Channel Orange hat er es aber geschafft, mich dafür zu begeistern. Selten hat mich Musik dieses Genres so mitgenommen: elegant, anschmiegsam, sanft und verspielt. Manchmal habe ich noch immer das Gefühl, dass es sich hierbei 1. eigentlich um Popmusik handelt, die 2. ihrer Zeit voraus ist und 3. trotz des Hypes, den Ocean wohlverdient genießen durfte, noch nicht genügend gewürdigt wurde. Auch ich kann das nicht: Aber man kann dieses orange-farbene Gesamtkunstwerk kaufen und sich damit den Frühling und Sommer 2013 veredeln.

(01) – Aimee Mann / Charmer

Sie hat sich ganz schön Zeit gelassen. Ich mir aber auch. Ende September ist Charmer erschienen, erst vor drei Tagen hat es den Weg in meine Mediathek geschafft und Frank Ocean von der Eins gestoßen. Aimee kann man anmachen, wo man will – man wird nie ein unpassendes Lied erwischen. Charmer ist so voller kluger Pop-Perlen, das einem das Herz explodiert vor Glück. Es ist mir schleierhaft, wie es dazu kommen konnte, dass kranker Poprotz wie der von Madonna noch immer gefeiert wird, während Songs wie Gumby, Barfly, Red Flag Diver oder Living a Lie (das Aimee mit James Mercer singt) nicht genug geliebt werden. Mann singt noch immer distanziert, leicht von oben herab, dabei aber mit so viel Inbrunst, als ginge es ums Überleben. Aber mal ehrlich: Geht es nicht genau darum? Wie gut, dass es Alben wie Charmer gibt, die uns dabei helfen.

Das noch als Nachschlag: Mein persönliches Lieblingslied 2012 ist Madness von Muse. Mein Lieblingsalbum-Cover stammt von Ben Folds Five und sieht so aus:
 

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    • #Madness
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    • #The Sound Of The Life Of The Mind
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Hören wir mal: Musikquartal II

Man mag es kaum glauben, aber ich kaufe mir sogar Musik, wenn ich sie nicht in Form eines Freedownloads oder der guten alten CD im Zuge einer nachfolgenden Besprechung meinerseits in den virtuellen oder metallenen Briefkasten gelegt bekomme. Hier ein paar persönliche Musiktipps aus den vergangenen drei Monaten.

Punk? Rock? Indie? Näää, längst nicht mehr. Schon auf der vor einiger Zeit veröffentlichten und nach ihr benannten EP hat Beth Ditto allein und ohne ihre Band eher auf schwitzige Großraum-Disco gemacht. Auf Gossips A Joyful Noise wird dieses Konzept nun bis zur Ekstase zelebriert. Beruhigend: Schlagzeug und Gitarre sind noch immer dabei. Aber fiese Ohrwurmbeats und Dittos Stimmgewalt stehen über allem. Das klingt anders, aber konsequent gut.

WhoMadeWho mögen allmählich in jene gefährlichen Jahre kommen, in denen sich ihr Dance-Electro-Rock nicht mehr weiterentwickelt. Aber selbst wenn dem so sein sollte, dann machen die drei Jungs aus Kopenhagen das immer noch besser als viele ihrer Nachahmer. Brighter ist das aktuelle Beispiel der Dänen und ich liebe es innig wie jedes ihrer Vorgängeralben. Abgesehen davon hab ich WMW live gesehen und weiß: Die sind alles andere als müde.

Es ist das zweite Album von The Temper Trap. Deshalb verzeiht man den Australiern, dass es nicht so gut ist wie deren Debüt Conditions. Beim zweiten stehen immer die Fragen im Raum «Weiter wie bisher oder etwas Neues wagen?». Die Lösung: Zwar dominieren noch immer Gitarre und Schlagzeug, aber den Synthie-Spielereien wurde diesmal deutlich mehr Raum gegeben. Und über allem thront Dougy Mandagis nach Aufbruch klingende Stimme.  

Ich schäme mich nicht, es zuzugeben: Little Broken Hearts ist das von mir am häufigsten gehörte Album der zurückliegenden Wochen. Norah Jones ist Dank Produzent Danger Mouse erwachsen geworden. Sie wurde von ihrem Freund, der zugleich bisheriger Produzent ihrer Musik war, betrogen und verlassen. Das Ergebnis: Dieses sentimentale, aber auch bitter-böse und erotische Album. Jones klingt verrucht und singt sich ins Ohr wie eine Zunge, die über nackte Haut gleitet. 

Achtung! Heartbeats ist aus dem Jahr 2010. Weil ich den Elektropop von Grum aber erst Anfang dieses Jahres entdeckt habe, gehört es fairerweise mit in diese Auflistung. Zum Sport machen, zum in der Sonne braten, zum Ficken, zum wach werden, zum Durchdrehen, zum durch die eigenen vier Wände springen, zum sich an der Supermarktkasse durch heftiges Rumzappeln zum Affen machen. Kurzum: Herzschlagmusik von einem von House- und Italo-Disco-Musik beeinflussten britischen DJs.

Nein, Of Monsters And Men sind nicht die neuen Arcade Fire, sondern eine 6-köpfige Band aus Island, die Folk-Rock lieben und diesen auf ihrem Debütalbum My Head Is An Animal leben. Das klingt nach Wohnwagenmusik, wenn Berge und grüne Wälder an einem vorüberziehen. Oft auch nach den letzten Stunden eines langen Strandtages. Mehrstimmiger Mann-Frau-Gesang, viele Instrumente und wenn schon ein Vergleich her muss, dann doch der mit Edward Sharpe & The Magnetic Zeros.

We Have Band sind phantastisch und es ist traurig, dass man das hierzulande noch sagen muss. Ternion ist das zweite Album der britischen 2-Mann-eine-Frau-Band. Ach und einer der Kerle ist mit der Frau zusammen. Soviel zum Gossip. Die Harmonie scheint jedenfalls zu stimmen, das beweist das Indie-Electro-Zeug der Marke „überlebensgroß“. Hier wird an Sounds getüftelt bis zum Gehtnichtmehr. Manches davon klingt bedrohlich, vieles nach Revolution – alles das, ohne schwermütig zu sein. Brillant.

Würde ich die Welt erobern wollen, dann wäre Port Of Morrow von The Shins wohl mein Soundtrack dafür. James Mercer, Kopf der Band, scheint vieles gelernt zu haben bei der vorherigen Projektarbeit mit Überproduzent Danger Mouse, die ja bekanntlich zu Broken Bells führte. Die neuen The Shins klingen deutlich surfpoppiger als bisher. Es zittert, hallt und wabbert aus allen Ecken und Kanten. Musik zum mit den besten Freunden saufen, schweigen, Sterne kucken oder einfach nur um zu fahren. So weit der Sprit reicht. Herrlich.

    • #Gossip
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