Hören wir mal: Musikquartal II
Man mag es kaum glauben, aber ich kaufe mir sogar Musik, wenn ich sie nicht in Form eines Freedownloads oder der guten alten CD im Zuge einer nachfolgenden Besprechung meinerseits in den virtuellen oder metallenen Briefkasten gelegt bekomme. Hier ein paar persönliche Musiktipps aus den vergangenen drei Monaten.
Punk? Rock? Indie? Näää, längst nicht mehr. Schon auf der vor einiger Zeit veröffentlichten und nach ihr benannten EP hat Beth Ditto allein und ohne ihre Band eher auf schwitzige Großraum-Disco gemacht. Auf Gossips A Joyful Noise wird dieses Konzept nun bis zur Ekstase zelebriert. Beruhigend: Schlagzeug und Gitarre sind noch immer dabei. Aber fiese Ohrwurmbeats und Dittos Stimmgewalt stehen über allem. Das klingt anders, aber konsequent gut.
WhoMadeWho mögen allmählich in jene gefährlichen Jahre kommen, in denen sich ihr Dance-Electro-Rock nicht mehr weiterentwickelt. Aber selbst wenn dem so sein sollte, dann machen die drei Jungs aus Kopenhagen das immer noch besser als viele ihrer Nachahmer. Brighter ist das aktuelle Beispiel der Dänen und ich liebe es innig wie jedes ihrer Vorgängeralben. Abgesehen davon hab ich WMW live gesehen und weiß: Die sind alles andere als müde.
Es ist das zweite Album von The Temper Trap. Deshalb verzeiht man den Australiern, dass es nicht so gut ist wie deren Debüt Conditions. Beim zweiten stehen immer die Fragen im Raum «Weiter wie bisher oder etwas Neues wagen?». Die Lösung: Zwar dominieren noch immer Gitarre und Schlagzeug, aber den Synthie-Spielereien wurde diesmal deutlich mehr Raum gegeben. Und über allem thront Dougy Mandagis nach Aufbruch klingende Stimme.
Ich schäme mich nicht, es zuzugeben: Little Broken Hearts ist das von mir am häufigsten gehörte Album der zurückliegenden Wochen. Norah Jones ist Dank Produzent Danger Mouse erwachsen geworden. Sie wurde von ihrem Freund, der zugleich bisheriger Produzent ihrer Musik war, betrogen und verlassen. Das Ergebnis: Dieses sentimentale, aber auch bitter-böse und erotische Album. Jones klingt verrucht und singt sich ins Ohr wie eine Zunge, die über nackte Haut gleitet.
Achtung! Heartbeats ist aus dem Jahr 2010. Weil ich den Elektropop von Grum aber erst Anfang dieses Jahres entdeckt habe, gehört es fairerweise mit in diese Auflistung. Zum Sport machen, zum in der Sonne braten, zum Ficken, zum wach werden, zum Durchdrehen, zum durch die eigenen vier Wände springen, zum sich an der Supermarktkasse durch heftiges Rumzappeln zum Affen machen. Kurzum: Herzschlagmusik von einem von House- und Italo-Disco-Musik beeinflussten britischen DJs.
Nein, Of Monsters And Men sind nicht die neuen Arcade Fire, sondern eine 6-köpfige Band aus Island, die Folk-Rock lieben und diesen auf ihrem Debütalbum My Head Is An Animal leben. Das klingt nach Wohnwagenmusik, wenn Berge und grüne Wälder an einem vorüberziehen. Oft auch nach den letzten Stunden eines langen Strandtages. Mehrstimmiger Mann-Frau-Gesang, viele Instrumente und wenn schon ein Vergleich her muss, dann doch der mit Edward Sharpe & The Magnetic Zeros.
We Have Band sind phantastisch und es ist traurig, dass man das hierzulande noch sagen muss. Ternion ist das zweite Album der britischen 2-Mann-eine-Frau-Band. Ach und einer der Kerle ist mit der Frau zusammen. Soviel zum Gossip. Die Harmonie scheint jedenfalls zu stimmen, das beweist das Indie-Electro-Zeug der Marke „überlebensgroß“. Hier wird an Sounds getüftelt bis zum Gehtnichtmehr. Manches davon klingt bedrohlich, vieles nach Revolution – alles das, ohne schwermütig zu sein. Brillant.
Würde ich die Welt erobern wollen, dann wäre Port Of Morrow von The Shins wohl mein Soundtrack dafür. James Mercer, Kopf der Band, scheint vieles gelernt zu haben bei der vorherigen Projektarbeit mit Überproduzent Danger Mouse, die ja bekanntlich zu Broken Bells führte. Die neuen The Shins klingen deutlich surfpoppiger als bisher. Es zittert, hallt und wabbert aus allen Ecken und Kanten. Musik zum mit den besten Freunden saufen, schweigen, Sterne kucken oder einfach nur um zu fahren. So weit der Sprit reicht. Herrlich.

