1. Der, der sich das Traurigsein selbst beigebracht hat
Es gibt diese Tage, an denen du, ganz egal wie oft du dich eiskalt duschst, die Trägheit nicht runtergespült bekommst. Dann hat die Hitze dich nicht nur im Griff, sondern die Kontrolle über dein ganzes Selbst übernehmen können. Widerstand zwecklos. Benommen kriechst du durch den Tag und wartest auf Besserung. Unfähig, sogar etwas wie Ungeduld zu empfinden, bist du froh, wenn du dich nicht bewegen musst.
Auf dich gestellt, bleibt dir nichts anderes übrig, als dich mit dem auseinanderzusetzen, was es in deinem Kopf an vorderste Front geschafft hat. Pech, wenn das der Blues ist. Jonah Tolchin kann ein Lied davon singen. Elf, um genau zu sein. Der amerikanische Songwriter hat als Teenager damit begonnen, sich das Gitarrenspielen selbst beizubringen, in einer seiner traurigsten Phasen den Blues für sich entdeckt und seitdem eine erstaunliche Wandlung vollzogen.

Mit seinem zweiten Album, Clover Lane, beweist er sein ungeheures Gespür für die Art von Blues, die man genau so gut während einer Kanufahrt aus dem Mississippi gezogen haben könnte: schmutzig, endgültig und bitter bis zum Gehtnichtmehr. Einzige Ausnahme: 21st Century Girl, zu dem man sich gut die Frau seiner Träume in irgendeinem heruntergekommenen Dinner tanzend vorstellen kann. Auch man die vermutlich nie dorthin ausführen würde.
Der Opener Mockingbirg klingt wie der Titelsong einer TV-Serie über die Anfangsjahre der Eisenbahngeschichte – er stampft, rüttelt und entwickelt dabei eine ungeahnte Energie. Mansion in Hollywood ist von unfassbarer Schönheit und Eleganz; Musik, bei der man schlichtweg mal die Klappe halten will. Vergesst, was ich Eingangs geschrieben habe. Eine anständige Portion Traurigkeit ist vielleicht gar nicht so schlimm. Vor allem dann nicht, wenn sie durch Musik wie die von Jonah Tolchin hervorgerufen wird.
Obwohl der Blues nie die Oberhand verliert, rangelt er auf Clover Lane gehörig mit amerikanischer Folkmusik. Perfekt eingespielt schmiert Tolchin einem zum Niederknien schön Banjo, Schlagzeug, Gitarre und Streicher um die Öhrchen. So sehr, dass man sich eine Terrasse wünscht und eine Hütte im Nirgendwo und Glühwürmchen, die durch die Dunkelheit surren und Kojoten, deren Augen aufleuchten, sobald sie Richtung Licht blicken und einen kurze Zeit gebannt anstarren, bevor sie weiter ihrer Wege ziehen. Viva la Sadness und einen guten Bartwuchs!
Jonah TolchinClover LaneVÖ: 25. Juli 2014

    Der, der sich das Traurigsein selbst beigebracht hat

    Es gibt diese Tage, an denen du, ganz egal wie oft du dich eiskalt duschst, die Trägheit nicht runtergespült bekommst. Dann hat die Hitze dich nicht nur im Griff, sondern die Kontrolle über dein ganzes Selbst übernehmen können. Widerstand zwecklos. Benommen kriechst du durch den Tag und wartest auf Besserung. Unfähig, sogar etwas wie Ungeduld zu empfinden, bist du froh, wenn du dich nicht bewegen musst.

    Auf dich gestellt, bleibt dir nichts anderes übrig, als dich mit dem auseinanderzusetzen, was es in deinem Kopf an vorderste Front geschafft hat. Pech, wenn das der Blues ist. Jonah Tolchin kann ein Lied davon singen. Elf, um genau zu sein. Der amerikanische Songwriter hat als Teenager damit begonnen, sich das Gitarrenspielen selbst beizubringen, in einer seiner traurigsten Phasen den Blues für sich entdeckt und seitdem eine erstaunliche Wandlung vollzogen.

    Mit seinem zweiten Album, Clover Lane, beweist er sein ungeheures Gespür für die Art von Blues, die man genau so gut während einer Kanufahrt aus dem Mississippi gezogen haben könnte: schmutzig, endgültig und bitter bis zum Gehtnichtmehr. Einzige Ausnahme: 21st Century Girl, zu dem man sich gut die Frau seiner Träume in irgendeinem heruntergekommenen Dinner tanzend vorstellen kann. Auch man die vermutlich nie dorthin ausführen würde.

    Der Opener Mockingbirg klingt wie der Titelsong einer TV-Serie über die Anfangsjahre der Eisenbahngeschichte – er stampft, rüttelt und entwickelt dabei eine ungeahnte Energie. Mansion in Hollywood ist von unfassbarer Schönheit und Eleganz; Musik, bei der man schlichtweg mal die Klappe halten will. Vergesst, was ich Eingangs geschrieben habe. Eine anständige Portion Traurigkeit ist vielleicht gar nicht so schlimm. Vor allem dann nicht, wenn sie durch Musik wie die von Jonah Tolchin hervorgerufen wird.

    Obwohl der Blues nie die Oberhand verliert, rangelt er auf Clover Lane gehörig mit amerikanischer Folkmusik. Perfekt eingespielt schmiert Tolchin einem zum Niederknien schön Banjo, Schlagzeug, Gitarre und Streicher um die Öhrchen. So sehr, dass man sich eine Terrasse wünscht und eine Hütte im Nirgendwo und Glühwürmchen, die durch die Dunkelheit surren und Kojoten, deren Augen aufleuchten, sobald sie Richtung Licht blicken und einen kurze Zeit gebannt anstarren, bevor sie weiter ihrer Wege ziehen. Viva la Sadness und einen guten Bartwuchs!

    Jonah Tolchin
    Clover Lane
    VÖ: 25. Juli 2014

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  2. Wenn sich jahrelange Arbeit plötzlich auszahlt und sich der Erfolg mehr und mehr einstellt. Das Musikprojekt Malky kann ein Lied davon singen. Das müsste dann aber ein neues sein. Eins, das sich zu den elf des gerade veröffentlichten Debütalbums Soon gesellen würde. Malky wird derzeit mit Lob überschüttet, wie ich es in den zurückliegenden Wochen nur bei David Grays Mutineers erleben durfte. Doch hier das Wichtigste: Beide Lobeshymnen und vor allem jene, die Malky gilt, werden zu Recht angestimmt.

    Malky sind Sänger Daniel Stoyanov und Keyboarder Michael Vajna, der die Musik der beiden auch produziert. Und was soll ich sagen? Eigentlich hatte alles mal gut angefangen, mit mir und solchen 2-Mann-Bands. Da war Savage Garden, die ich als Teenager für ihre cleveren Melodien und guten Texte schätzte. Später kam Orange Blue und die hasste ich wie sonst nichts. Zu tränendrüsig, zu glatt, zu vorhersehbar, zu öde. Doch zum Glück ist Malky anders. Malky ist brillant.

    Angefangen als Backing Vocalist steht Sänger Stoyanov, dessen Wurzeln in Bulgarien liegen, mit 19 Jahren zum ersten Mal auf der Bühne. In Mannheim lernte er Keyboarder Vajna kennen, der wiederum ursprünglich aus Ungarn kommt. Der Balkan und die Liebe zur Musik verbindet beide. Lange Zeit schrieb das Duo Musik für verschiedene deutsche Pop-Größen, sammelte Erfahrungen im Business, lernte sich besser kennen und fand heraus, ob es als Team auch eigene Musik zustande zu bringen in der Lage sein sollte.

    Der Plan ging auf. Auf Soon bedient sich Malky am Sound der 60er Jahre, lädt ihn mit Elektroklängen auf und findet auf Basis klassischen Songwritings zu einem interessanten eigenen Sound, der fesselt.

    Hypnotisch windet sich der dramatische Opener Soon durch die Gehörgänge. Diamonds, über das ich schon geraumer Zeit jede Menge lobende Wort fand, ist ein erstaunliches Stück Soulmusik aus Deutschland. Trouble lebt von einem einprägsamen Elektroorgelsound und Human Love begeistert als stilles Akustikgitarrenstück.

    Über allem thront Stoyanovs seelige Soulstimme, die auch nach den großartigen 45 Minuten Spieldauer noch lange Zeit über der plötzlich einbrechenden Stille steht. Keyboarder und Produzent Vajna komponiert Stücke jenseits von Gut und Böse – out of space, müsste man eigentlich sagen. Traut man sich aber nicht, denn die Musik ist ja schließlich da. Zum Glück.

    Malky, sind eine weitere vielversprechende Neuentdeckung aus Deutschland, die vorzüglichen modernen Pop präsentieren, der sich viel traut, ohne seine Wurzeln zu verleugnen. Davon darf es gern schnell mehr geben. Bis dahin singe ich leise die wohl verdiente Lobeshymne. Und wer will, darf gern mit einstimmen.

    Malky
    Soon
    VÖ: 27. Juni 2014

  3. Foto: Zoran Orlic
Wie geil ist DAS denn?
In seiner Band Wilco gibt Jeff Tweedy den Melancholiker, zuweilen ein bisschen verträumt, aber dafür auch hochgeschätzt von seinen Fans. Das letzter Album von Wilco stammt aus dem Jahr 2011, was ja nun doch schon einige Zeit her ist. Baldigen Nachschub wird es dennoch nicht geben. Dafür steht aber eine andere Überraschung in den Startlöchern.
Gemeinsam mit seinem 18 Jahre alten Sohn Spencer hat Jeff Tweedy an einem Album gearbeitet, das am 19. September erscheinen wird. Es trägt den Namen Sukierae, wird sage und schreibe zwei CDs lang sein und für mich vor allem deshalb reizvoll, weil es eine Vater-und-Sohn-Zusammenarbeit ist.
Nun ist sein Sohn kein gestandener Hase, der in eigenen Bands schon Erfahrung hat sammeln können, sondern allem Anschein nach ein ganz normaler 18 Jähriger, der eben einfach einen saucoolen Papa hat. Wie die Musik klingt, wollt ihr jetzt wissen? Nun, hier ist die erste Single Summer Noon:
Bis zur Veröffentlichung des Albums erscheint ab sofort jeden Montag ein neuer Song zum käuflichen Erwerb – für all jene, die nicht mehr warten wollen bis zum 19. September.
Die Formation nennt sich übrigens ganz einfach Tweedy – da kann man froh sein, dass der Nachname der beiden “Schwendke” ist. Auf Tour werden Vater und Sohn sich auch begeben, an drei Tagen sogar durch die riesige Bundesrepublik.
06.11.2014: Berlin - Apostel Paulus Kirche08.11.2014: Weissenhäuser Strand - Rolling Stone Weekender13.11.2014: Köln - Kulturkirche

    Foto: Zoran Orlic

    Wie geil ist DAS denn?

    In seiner Band Wilco gibt Jeff Tweedy den Melancholiker, zuweilen ein bisschen verträumt, aber dafür auch hochgeschätzt von seinen Fans. Das letzter Album von Wilco stammt aus dem Jahr 2011, was ja nun doch schon einige Zeit her ist. Baldigen Nachschub wird es dennoch nicht geben. Dafür steht aber eine andere Überraschung in den Startlöchern.

    Gemeinsam mit seinem 18 Jahre alten Sohn Spencer hat Jeff Tweedy an einem Album gearbeitet, das am 19. September erscheinen wird. Es trägt den Namen Sukierae, wird sage und schreibe zwei CDs lang sein und für mich vor allem deshalb reizvoll, weil es eine Vater-und-Sohn-Zusammenarbeit ist.

    Nun ist sein Sohn kein gestandener Hase, der in eigenen Bands schon Erfahrung hat sammeln können, sondern allem Anschein nach ein ganz normaler 18 Jähriger, der eben einfach einen saucoolen Papa hat. Wie die Musik klingt, wollt ihr jetzt wissen? Nun, hier ist die erste Single Summer Noon:



    Bis zur Veröffentlichung des Albums erscheint ab sofort jeden Montag ein neuer Song zum käuflichen Erwerb – für all jene, die nicht mehr warten wollen bis zum 19. September.

    Die Formation nennt sich übrigens ganz einfach Tweedy – da kann man froh sein, dass der Nachname der beiden “Schwendke” ist. Auf Tour werden Vater und Sohn sich auch begeben, an drei Tagen sogar durch die riesige Bundesrepublik.

    06.11.2014: Berlin - Apostel Paulus Kirche
    08.11.2014: Weissenhäuser Strand - Rolling Stone Weekender
    13.11.2014: Köln - Kulturkirche

  4. Hallelujah!
Es gibt Alben, die machen mir das hier sehr leicht. Caustic Love von Paolo Nutini ist eines davon. Ganz sicher: Man wird nirgends Verrisse darüber zu lesen bekommen. Und das aus gutem Grund. Denn es ist – preiset den Herren! – durch und durch phänomenal.
Was wurde nicht schon alles über die nächste Stufe dieser fulminanten Karriere berichtet. Adele soll sich schon in Schwärmereien zum Song Iron Sky verloren haben, von dem es bereits eine Studio-Session ins Netz geschafft hat. Aber Himmelherrgottnochmal! Dieses ganzes Album ist ein erster ganz besonderer Meilenstein in diesem Jahr.

27 Jahre als ist Nutini mittlerweile. Fünf Jahre sind seit seiner letzten Albumveröffentlichung (Sunny Side Up) vergangen. Der in England lebende Italiener konnte schon immer mit ordentlich Soul in seinen Songs überzeugen. Jetzt aber ist es ihm gelungen, so viel Funk in jedes der 13 Stücke zu legen, dass es einem fast unheimlich wird – so sehr überzeugt dieses Album von Anfang bis Ende.
Doch das ist nicht allein Nutinis Verdienst. Man muss auch einfach diese wirklich großartige Instrumentalisierung loben, die seine Band, jeder einzelne Musiker, der an diesem Album beteiligt war, mit seinem Instrument uns Hörern kredenzt hat. Das ist Kunst, die man spürt. Jeder einzelne Ton enthält soviel Liebe zum Detail, dass die gesamten Songs einen an den Rand eines Nervenzusammenbruchs führen können. Und das muss einem erst mal gelingen.

One Day klingt so ehrlich dramatisch und kitschfrei orchestriert, dass einem nach den fünf Minuten das Herz in tausend Teile gebrochen ist. Gleich darauf folgt Numpty mit seinem funky E-Piano und eh man sich versieht, weiß man nicht mehr, wie Kummer eigentlich buchstabiert wird.
Nutini liebt Musik. Dieser drei Worte, so schnell sie sich auch weglesen, schwirren einem unentwegt im Kopf umher, wenn man Caustic Love hört. Soul, Funk, Blues oder 60s-Pop dominieren dieses Album. Und dieser Italiener singt kratzig-kräftig über all diese großartigen Kompositionen hinweg: mal gebrochen und kaputt, mal selbstbewusst und brüllend. Immer hat man das Gefühl, dass dieser Kerl sich einem komplett öffnet. Es ist wunderbar.
Wenn etwa wie in Better Man plötzlich ein Chor mit einstimmt, wird das niemanden kalt lassen. Wirklich wahr. Caustic Love ist ein großes Album, das vermutlich und hoffentlich einschlägt wie schon lange nichts mehr. Nutini hätte den Erfolg verdient. Mit diesem Album hat er die Messlatte für alles, was noch von ihm kommen wird, ungünstigerweise so hoch gelegt, dass man sich fast ein wenig vor dem Nachfolgealbum fürchtet.
Aber das ist zu früh. Vorerst wird Caustic Love zu feiern sein. Und das Leben. Und die Musik. Das dritte Album von Paolo Nutini ist wie der Moment erster Gewissheit für eine neue Liebe nach einer viel zu langen Durststrecke. Es gibt Moment der Angst, weil es einem überlebensgroß erscheint. Aber so ist das mit Dingen, die einen verändern. Sie dringen vor bis in deine DNA, krallen sich darin fest und rütteln an deinem Denken, deiemn Fühlen, deinre Sicht auf die Dinge. Sie bringen dich zum Weinen und entlocken dir ein neues lautes Lachen.
Vielleicht ist Caustic Love Nutinis Meisterwerk. Ganz bestimmt ist es ein Album, das viele Musiker und Bands ein Leben lang nicht hinbekommen.
Paolo NutiniCaustic LoveVÖ: 11. April 2014
Hier gibt es das Album in den kommenden 7 Tagen für 4,99 € zum Download!
Und auf Tour ist er auch!07. Mai in Hamburg (Docks)08. Mai in Köln (E-Werk)09. Mai in München (Backstage Werk)

    Hallelujah!

    Es gibt Alben, die machen mir das hier sehr leicht. Caustic Love von Paolo Nutini ist eines davon. Ganz sicher: Man wird nirgends Verrisse darüber zu lesen bekommen. Und das aus gutem Grund. Denn es ist – preiset den Herren! – durch und durch phänomenal.

    Was wurde nicht schon alles über die nächste Stufe dieser fulminanten Karriere berichtet. Adele soll sich schon in Schwärmereien zum Song Iron Sky verloren haben, von dem es bereits eine Studio-Session ins Netz geschafft hat. Aber Himmelherrgottnochmal! Dieses ganzes Album ist ein erster ganz besonderer Meilenstein in diesem Jahr.

    27 Jahre als ist Nutini mittlerweile. Fünf Jahre sind seit seiner letzten Albumveröffentlichung (Sunny Side Up) vergangen. Der in England lebende Italiener konnte schon immer mit ordentlich Soul in seinen Songs überzeugen. Jetzt aber ist es ihm gelungen, so viel Funk in jedes der 13 Stücke zu legen, dass es einem fast unheimlich wird – so sehr überzeugt dieses Album von Anfang bis Ende.

    Doch das ist nicht allein Nutinis Verdienst. Man muss auch einfach diese wirklich großartige Instrumentalisierung loben, die seine Band, jeder einzelne Musiker, der an diesem Album beteiligt war, mit seinem Instrument uns Hörern kredenzt hat. Das ist Kunst, die man spürt. Jeder einzelne Ton enthält soviel Liebe zum Detail, dass die gesamten Songs einen an den Rand eines Nervenzusammenbruchs führen können. Und das muss einem erst mal gelingen.


    One Day klingt so ehrlich dramatisch und kitschfrei orchestriert, dass einem nach den fünf Minuten das Herz in tausend Teile gebrochen ist. Gleich darauf folgt Numpty mit seinem funky E-Piano und eh man sich versieht, weiß man nicht mehr, wie Kummer eigentlich buchstabiert wird.

    Nutini liebt Musik. Dieser drei Worte, so schnell sie sich auch weglesen, schwirren einem unentwegt im Kopf umher, wenn man Caustic Love hört. Soul, Funk, Blues oder 60s-Pop dominieren dieses Album. Und dieser Italiener singt kratzig-kräftig über all diese großartigen Kompositionen hinweg: mal gebrochen und kaputt, mal selbstbewusst und brüllend. Immer hat man das Gefühl, dass dieser Kerl sich einem komplett öffnet. Es ist wunderbar.

    Wenn etwa wie in Better Man plötzlich ein Chor mit einstimmt, wird das niemanden kalt lassen. Wirklich wahr. Caustic Love ist ein großes Album, das vermutlich und hoffentlich einschlägt wie schon lange nichts mehr. Nutini hätte den Erfolg verdient. Mit diesem Album hat er die Messlatte für alles, was noch von ihm kommen wird, ungünstigerweise so hoch gelegt, dass man sich fast ein wenig vor dem Nachfolgealbum fürchtet.

    Aber das ist zu früh. Vorerst wird Caustic Love zu feiern sein. Und das Leben. Und die Musik. Das dritte Album von Paolo Nutini ist wie der Moment erster Gewissheit für eine neue Liebe nach einer viel zu langen Durststrecke. Es gibt Moment der Angst, weil es einem überlebensgroß erscheint. Aber so ist das mit Dingen, die einen verändern. Sie dringen vor bis in deine DNA, krallen sich darin fest und rütteln an deinem Denken, deiemn Fühlen, deinre Sicht auf die Dinge. Sie bringen dich zum Weinen und entlocken dir ein neues lautes Lachen.

    Vielleicht ist Caustic Love Nutinis Meisterwerk. Ganz bestimmt ist es ein Album, das viele Musiker und Bands ein Leben lang nicht hinbekommen.

    Paolo Nutini
    Caustic Love
    VÖ: 11. April 2014

    Hier gibt es das Album in den kommenden 7 Tagen für 4,99 € zum Download!

    Und auf Tour ist er auch!
    07. Mai in Hamburg (Docks)
    08. Mai in Köln (E-Werk)
    09. Mai in München (Backstage Werk)

  5. Lebendig fühlen
Er könnte das Kind von Nick Cave und Get Well Soon-Frontmann Konstantin Gropper sein, wenn Mutter Natur das erlauben würde. So ist Blaudzun aber vor allem eins: ein begnadeter Musiker und Songwriter. Auf seinem Album Promises of No Man’s Land entfacht der Niederländer jedenfalls ein Kreativfeuerwerk an alternativem Indie-Rock, das so facettenreich ist, dass man sich in einer nie enden wollenden Achterbahnfahrt wähnt.
Johannes Sigmonds, wie Blaudzun eigentlich heißt, ist in seinem Heimatland längst kein Geheimtipp mehr. Von den Kritikern hochgelobt, wird er sogar mit Arcade Fire oder Ryan Adams verglichen. Was Arcade Fire betrifft: da bin ich dabei, darauf lasse ich mich ohne Widersprache ein. Bunt, verspielt und neugierig wirkt Blaudzuns Musik. Mit dem Solobarden Ryan Adams, der zuletzt deutlich stiller und konzentrierter daherkam, hat der junge Niederländer hingegen nichts gemein. Und wer auch immer diese Schublade geöffnet hat, hat dem frischen Ausnahmetalent ohnehin Unrecht getan.

Promises of No Man’s Land ist das nunmehr vierte Album des Niederländers, dessen ersten drei Alben bei uns nur als Import zu beziehen sind. Das 2012 veröffentlichte Album Heavy Flowers hat sich in seinem Heimatland sage und schreibe 70 Wochen in den Charts halten können und damit locker Gold-Status erreicht. Darüber hinaus ist es dem Ausnahme-Songwriter gelungen, sämtliche wichtige Musikpreise in seinem Heimatland einzukassieren.
Mit seiner 9-köpfigen Band komponiert Blaudzun Musik, die jenseits vom üblichen Indie-Pop-Rock-Einerlei ist. Jeder Song: ein kleines Klanguniversum, das geschliffen und ausgereizt bis zum Gehtnichtmehr Spuren im Hörer hinterlässt. Titel, die – mit einer ganz besonderen Magie ausgestattet – hochkomplex sind und dabei auf eine ungemein schlichte Art fesseln. Es fällt schwer, ausgewählte Songs hervorzuheben, weil jeder einzelne einem chaotischen Naturschauspiel gleicht, dem zugleich ein Höchstmaß an Schönheit innewohnt.

Unwiderstehlich, packend, lebendig, hochdramatisch und mitreißend sind die elf Stücke auf Blaudzuns neuem Album geworden. Promises of No Man’s Land begeistert mit brillanten Melodien, vielschichtigen Arrangements und einer Atmosphäre, die dichter nicht sein könnte – ja, manchmal sogar beklemmend ist.
Blaudzun, der eigentlich Johannes Sigmond heißt, singt sich durch seine Lieder, als ginge es um Leben und Tod. So ernst war es womöglich schon lange keinem Musiker mehr. Es ist hinlänglich bekannt, dass es im Auge eines Orkans still ist. Die Songs auf Blaudzuns neuem Album sind der Soundtrack für den Weg in dieses Zentrum, das man – einmal erreicht – am liebsten gleich wieder verlassen will, weil der Kampf dorthin einen hat lebendig fühlen lassen. Das hier ist Befriedigung bis ins Mark.

BlaudzunPromises of No Man’s LandVÖ: 07. März 2014  
Blaudzun ist demnächst auf Tour und ihr solltet die Chance nutzen, ihn live zu erleben. Es ist zu erwarten, dass man das Konzert verändert verlassen wird:
21.03.2014 Köln - Stadtgarten22.03.2014 Düdingen (CH) - Bad Bonn23.03.2014 Zürich (CH) - Papiersaal24.03.2014 München - Kranhalle25.03.2014 Wien - Chelsea26.03.2014 Berlin - Privat Club27.03.2014 Hamburg - Prinzenbar 

    Lebendig fühlen

    Er könnte das Kind von Nick Cave und Get Well Soon-Frontmann Konstantin Gropper sein, wenn Mutter Natur das erlauben würde. So ist Blaudzun aber vor allem eins: ein begnadeter Musiker und Songwriter. Auf seinem Album Promises of No Man’s Land entfacht der Niederländer jedenfalls ein Kreativfeuerwerk an alternativem Indie-Rock, das so facettenreich ist, dass man sich in einer nie enden wollenden Achterbahnfahrt wähnt.

    Johannes Sigmonds, wie Blaudzun eigentlich heißt, ist in seinem Heimatland längst kein Geheimtipp mehr. Von den Kritikern hochgelobt, wird er sogar mit Arcade Fire oder Ryan Adams verglichen. Was Arcade Fire betrifft: da bin ich dabei, darauf lasse ich mich ohne Widersprache ein. Bunt, verspielt und neugierig wirkt Blaudzuns Musik. Mit dem Solobarden Ryan Adams, der zuletzt deutlich stiller und konzentrierter daherkam, hat der junge Niederländer hingegen nichts gemein. Und wer auch immer diese Schublade geöffnet hat, hat dem frischen Ausnahmetalent ohnehin Unrecht getan.

    Promises of No Man’s Land ist das nunmehr vierte Album des Niederländers, dessen ersten drei Alben bei uns nur als Import zu beziehen sind. Das 2012 veröffentlichte Album Heavy Flowers hat sich in seinem Heimatland sage und schreibe 70 Wochen in den Charts halten können und damit locker Gold-Status erreicht. Darüber hinaus ist es dem Ausnahme-Songwriter gelungen, sämtliche wichtige Musikpreise in seinem Heimatland einzukassieren.

    Mit seiner 9-köpfigen Band komponiert Blaudzun Musik, die jenseits vom üblichen Indie-Pop-Rock-Einerlei ist. Jeder Song: ein kleines Klanguniversum, das geschliffen und ausgereizt bis zum Gehtnichtmehr Spuren im Hörer hinterlässt. Titel, die – mit einer ganz besonderen Magie ausgestattet – hochkomplex sind und dabei auf eine ungemein schlichte Art fesseln. Es fällt schwer, ausgewählte Songs hervorzuheben, weil jeder einzelne einem chaotischen Naturschauspiel gleicht, dem zugleich ein Höchstmaß an Schönheit innewohnt.

    Unwiderstehlich, packend, lebendig, hochdramatisch und mitreißend sind die elf Stücke auf Blaudzuns neuem Album geworden. Promises of No Man’s Land begeistert mit brillanten Melodien, vielschichtigen Arrangements und einer Atmosphäre, die dichter nicht sein könnte – ja, manchmal sogar beklemmend ist.

    Blaudzun, der eigentlich Johannes Sigmond heißt, singt sich durch seine Lieder, als ginge es um Leben und Tod. So ernst war es womöglich schon lange keinem Musiker mehr. Es ist hinlänglich bekannt, dass es im Auge eines Orkans still ist. Die Songs auf Blaudzuns neuem Album sind der Soundtrack für den Weg in dieses Zentrum, das man – einmal erreicht – am liebsten gleich wieder verlassen will, weil der Kampf dorthin einen hat lebendig fühlen lassen. Das hier ist Befriedigung bis ins Mark.

    Blaudzun
    Promises of No Man’s Land
    VÖ: 07. März 2014  

    Blaudzun ist demnächst auf Tour und ihr solltet die Chance nutzen, ihn live zu erleben. Es ist zu erwarten, dass man das Konzert verändert verlassen wird:

    21.03.2014 Köln - Stadtgarten
    22.03.2014 Düdingen (CH) - Bad Bonn
    23.03.2014 Zürich (CH) - Papiersaal
    24.03.2014 München - Kranhalle
    25.03.2014 Wien - Chelsea
    26.03.2014 Berlin - Privat Club
    27.03.2014 Hamburg - Prinzenbar 

    Reblogged from: blaudzun
  6. 
Bin ich der einzige Mensch auf der Welt, dem dieser Pharell Williams unfassbar auf die Nüsse geht?!
— Silvereisen™ (@silvereisen)
March 7, 2014
Der wahre König
Vermutlich wird es schon noch ein paar mehr Menschen dort draußen geben, denen Parrell Williams mindestens genau so auf den Sack geht. Deutlich mehr Menschen aber werden seine Musik mögen, weil sie schon seit Jahren – egal wessen Songs Williams gerade produziert hat – vorgeben, wie zeitloser Pop klingen kann.
Aber Moment: Eine Woche ist GIRL, das Soloalbum von Pharrell Williams, jetzt schon draußen. Die deutschen Albumcharts zeigen sich davon jedoch ziemlich unbeeindruckt. Heute wurde bekannt, dass Gary Barlows Since I saw you last neu auf Platz 10 eingestiegen ist. Ebenfalls neu dabei ist Close to the glass von The Notwist (immerhin sogar auf der 6). Sieht man aber einmal von diesen beiden englischsprachigen Alben ab, dann muss man resümieren, dass sonst nur deutsche Musik in den Charts vertreten ist, deren Gipfel ein gewisser Wolfgang Petry erklommen hat. Das macht mich sehr sehr traurig.
Williams, der sich in den vergangenen Jahren zum Produzenten-Gott mit sicherem Hit-Gespür entwickelt und Künstler wie Madonna, Duft Punk oder Justin Timberlake zum Schotter geführt hat, soll jetzt nicht die Aufmerksamkeit bekommen, die er mit seinem Album GIRL eigentlich verdient hätte? Entschuldigung, aber das kann ich mir nicht vorstellen. Gut möglich, dass es nicht klug war, bei Wetten, dass…?! aufzutreten. Schließlich ist ja bekannt, dass die Einschaltquoten des einstigen Samstagabendshowflaggschiffs sinken. Bis auf Lanz’ Mutter, Birte Schrowange und Thomas Gottschalk schaut sich das ja nun wirklich niemand mehr an.
Also warum, bitte schön, schafft es GIRL nicht ganz nach oben in die Charts? Selbst auf SpiegelOnline war unlängst eine Besprechung des Albums zu lesen, nach der sich andere Künstler sehnsüchtig die Finger lecken. Und wirklich: GIRL ist makellos. Es ist wie der erlösende Schluck eiskalte Coke am heißesten Tag des Jahres. Soul, Pop, R’n’B und ein wenig Gospel – Pharrell Williams weiß, wohin der Hase laufen wird. Der fast 40-Jährige Musiknerd bewegt sich so selbstsicher durch die Musikhistorie und überwindet mühelos Genregrenzen, dass es einem schwindelig wird.
Hinzu kommen die Kollaborationen auf GIRL, von denen vor allem das brillante Know who you are mit Alicia Keys hervorzuheben ist. Okay okay, auch die Zusammenarbeiten mit Justin Timberlake, Duft Punk und Miley Cyrus sind um Längen besser als die Durchschnittsware an Pop, mit der man aus dem Radio beschallt wird. Und glücklicher wird man damit auch. Aber was macht die deutsche Mehrheit dort draußen? Richtig. Helene Fischer, Söhne Mannheims und Annett Lousian hören. Und Wolfgang Petry krönen wir sogar zum Anführer der Charts.


Derweil hat Parrell Williams schon dem nächsten Künstler unter die Arme gegriffen. Heute nämlich ist das neue Album von Paloma Faith erschienen, deren erster Single Can’t rely on you man anhört, wer hinter den Reglern gestanden hat und für Beats und Bläser verantwortlich ist. Williams, dieses Arbeitstier, macht alles richtig. Output liefern, so lange die Kreativität raus will. Und hat eigentlich schon mal jemand vor die Haustür geschaut? Die Sonne scheint die Musik dieses Kerls auch zu mögen! Also ehren wir sie, indem wir hören, was er komponiert und uns des Lebens freuen. Wann habt ihr euch denn bitteschön das zuletzt brandneu gefühlt?
Pharrell WiliamsGIRLVÖ: 28. Februar 2014

    Der wahre König

    Vermutlich wird es schon noch ein paar mehr Menschen dort draußen geben, denen Parrell Williams mindestens genau so auf den Sack geht. Deutlich mehr Menschen aber werden seine Musik mögen, weil sie schon seit Jahren – egal wessen Songs Williams gerade produziert hat – vorgeben, wie zeitloser Pop klingen kann.

    Aber Moment: Eine Woche ist GIRL, das Soloalbum von Pharrell Williams, jetzt schon draußen. Die deutschen Albumcharts zeigen sich davon jedoch ziemlich unbeeindruckt. Heute wurde bekannt, dass Gary Barlows Since I saw you last neu auf Platz 10 eingestiegen ist. Ebenfalls neu dabei ist Close to the glass von The Notwist (immerhin sogar auf der 6). Sieht man aber einmal von diesen beiden englischsprachigen Alben ab, dann muss man resümieren, dass sonst nur deutsche Musik in den Charts vertreten ist, deren Gipfel ein gewisser Wolfgang Petry erklommen hat. Das macht mich sehr sehr traurig.

    Williams, der sich in den vergangenen Jahren zum Produzenten-Gott mit sicherem Hit-Gespür entwickelt und Künstler wie Madonna, Duft Punk oder Justin Timberlake zum Schotter geführt hat, soll jetzt nicht die Aufmerksamkeit bekommen, die er mit seinem Album GIRL eigentlich verdient hätte? Entschuldigung, aber das kann ich mir nicht vorstellen. Gut möglich, dass es nicht klug war, bei Wetten, dass…?! aufzutreten. Schließlich ist ja bekannt, dass die Einschaltquoten des einstigen Samstagabendshowflaggschiffs sinken. Bis auf Lanz’ Mutter, Birte Schrowange und Thomas Gottschalk schaut sich das ja nun wirklich niemand mehr an.

    Also warum, bitte schön, schafft es GIRL nicht ganz nach oben in die Charts? Selbst auf SpiegelOnline war unlängst eine Besprechung des Albums zu lesen, nach der sich andere Künstler sehnsüchtig die Finger lecken. Und wirklich: GIRL ist makellos. Es ist wie der erlösende Schluck eiskalte Coke am heißesten Tag des Jahres. Soul, Pop, R’n’B und ein wenig Gospel – Pharrell Williams weiß, wohin der Hase laufen wird. Der fast 40-Jährige Musiknerd bewegt sich so selbstsicher durch die Musikhistorie und überwindet mühelos Genregrenzen, dass es einem schwindelig wird.

    Hinzu kommen die Kollaborationen auf GIRL, von denen vor allem das brillante Know who you are mit Alicia Keys hervorzuheben ist. Okay okay, auch die Zusammenarbeiten mit Justin Timberlake, Duft Punk und Miley Cyrus sind um Längen besser als die Durchschnittsware an Pop, mit der man aus dem Radio beschallt wird. Und glücklicher wird man damit auch. Aber was macht die deutsche Mehrheit dort draußen? Richtig. Helene Fischer, Söhne Mannheims und Annett Lousian hören. Und Wolfgang Petry krönen wir sogar zum Anführer der Charts.

    Derweil hat Parrell Williams schon dem nächsten Künstler unter die Arme gegriffen. Heute nämlich ist das neue Album von Paloma Faith erschienen, deren erster Single Can’t rely on you man anhört, wer hinter den Reglern gestanden hat und für Beats und Bläser verantwortlich ist. Williams, dieses Arbeitstier, macht alles richtig. Output liefern, so lange die Kreativität raus will. Und hat eigentlich schon mal jemand vor die Haustür geschaut? Die Sonne scheint die Musik dieses Kerls auch zu mögen! Also ehren wir sie, indem wir hören, was er komponiert und uns des Lebens freuen. Wann habt ihr euch denn bitteschön das zuletzt brandneu gefühlt?

    Pharrell Wiliams
    GIRL
    VÖ: 28. Februar 2014

  7. Foto: Peter Kaaden
Sehr sehr geil!
Mads Damsgaard Kristiansen ist ein sehr bescheidener Mensch. Anders kann ich mir seine Aussage „Ich glaube, auf diesem Album sind kaum potentielle Hit-Singles“ nicht erklären. Dieses Album meint Rivers that run for a sea that is gone und – das schreibe ich im Bewusstsein aller geistiger Fähigkeiten – darauf folgt wahrlich eine potentielle Hit-Single der anderen.
48 Minuten lang dauert dieses besondere Wohlgefühl, das so vielleicht nur die dänische Rockmusik von Reptile Youth in einem hervorrufen kann. Diese ganz eigene Mischung aus kühler Strenge, hitzigen Ausrastern, leidenschaftlichem Rumgewüte und erstaunlich eleganten Songstrukturen. Alles das kommt einem ganz plötzlich gar nicht mehr so rockig vor. Über das Debütalbum der Dänen hieß es noch, dass die Studioaufnahmen recht poppig daherkämen im Vergleich zu den eher punkigen Liveshows, die die Fans und Kritiker der Band bis dato gewohnt waren.

Das hat sich jetzt tatsächlich ein wenig geändert. Rivers that run… ist ein frühes Meisterwerk in diesem Jahr, weil es tadellos schroff, dabei durchdacht und liebevoll klingt. Kristiansens Stimme ist gar nicht mal so besonders. Sicher, die Dänen verfügen allgemein über gute Stimmen. Die Kerle dort oben gelangen ziemlich gekonnt auch in die etwas höheren Stimmlagen. Auch beim Reptile Youth-Frontmann ist das nicht anders. Seine Stimme klingt angenehm glam-rockig.
Dazu dieser Elektro-Rock, diese ungemeine Spielfreude und zügellose Energie – man möchte dazu abhauen und die Welt umqueren. (Wahrscheinlich würde einem schon nach 48 Minuten die Puste ausgehen.) Brian Thorn, der u.a. schon Arcade Fires The Suburbs aufgenommen hat, saß auch bei diesem Album am Mischpult.

Je intensiver ich Rivers that run… höre, desto größer wird die Gewissheit, dass die Songs davon live zu übergroßen Brettern werden, die die Band einem um den Kopf hauen wird. Es gibt keinen Song, der es verdient hat, besonders hervorgehoben zu werden, weil das gesamte Album ein Kunstwerk sondergleichen ist. Einzig Two Hearts soll an dieser Stelle als besonders frenetische Hymne gelobt werden, die einen ironischerweise zu einer Maschine werden lässt. Aber genug Metaphern für heute: Dieses Album ist geil.
Reptile YouthRivers that run for a sea that is goneVÖ: 07. März 2013
Und hier dann doch noch das ganze Album, weil ich so nett bin:

    Foto: Peter Kaaden

    Sehr sehr geil!

    Mads Damsgaard Kristiansen ist ein sehr bescheidener Mensch. Anders kann ich mir seine Aussage „Ich glaube, auf diesem Album sind kaum potentielle Hit-Singles“ nicht erklären. Dieses Album meint Rivers that run for a sea that is gone und – das schreibe ich im Bewusstsein aller geistiger Fähigkeiten – darauf folgt wahrlich eine potentielle Hit-Single der anderen.

    48 Minuten lang dauert dieses besondere Wohlgefühl, das so vielleicht nur die dänische Rockmusik von Reptile Youth in einem hervorrufen kann. Diese ganz eigene Mischung aus kühler Strenge, hitzigen Ausrastern, leidenschaftlichem Rumgewüte und erstaunlich eleganten Songstrukturen. Alles das kommt einem ganz plötzlich gar nicht mehr so rockig vor. Über das Debütalbum der Dänen hieß es noch, dass die Studioaufnahmen recht poppig daherkämen im Vergleich zu den eher punkigen Liveshows, die die Fans und Kritiker der Band bis dato gewohnt waren.

    Das hat sich jetzt tatsächlich ein wenig geändert. Rivers that run… ist ein frühes Meisterwerk in diesem Jahr, weil es tadellos schroff, dabei durchdacht und liebevoll klingt. Kristiansens Stimme ist gar nicht mal so besonders. Sicher, die Dänen verfügen allgemein über gute Stimmen. Die Kerle dort oben gelangen ziemlich gekonnt auch in die etwas höheren Stimmlagen. Auch beim Reptile Youth-Frontmann ist das nicht anders. Seine Stimme klingt angenehm glam-rockig.

    Dazu dieser Elektro-Rock, diese ungemeine Spielfreude und zügellose Energie – man möchte dazu abhauen und die Welt umqueren. (Wahrscheinlich würde einem schon nach 48 Minuten die Puste ausgehen.) Brian Thorn, der u.a. schon Arcade Fires The Suburbs aufgenommen hat, saß auch bei diesem Album am Mischpult.

    Je intensiver ich Rivers that run… höre, desto größer wird die Gewissheit, dass die Songs davon live zu übergroßen Brettern werden, die die Band einem um den Kopf hauen wird. Es gibt keinen Song, der es verdient hat, besonders hervorgehoben zu werden, weil das gesamte Album ein Kunstwerk sondergleichen ist. Einzig Two Hearts soll an dieser Stelle als besonders frenetische Hymne gelobt werden, die einen ironischerweise zu einer Maschine werden lässt. Aber genug Metaphern für heute: Dieses Album ist geil.

    Reptile Youth
    Rivers that run for a sea that is gone
    VÖ: 07. März 2013

    Und hier dann doch noch das ganze Album, weil ich so nett bin:

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