1. Foto: Samatha Casolari
Sommer, jetzt!
Dan Auerbach, eine Hälfte der Black Keys, hatte in den vergangenen Monaten sicher einiges zu tun. Nicht nur, dass am 9. Mai das neue Album seiner eigenen Band erscheint, an dem er entsprechend lang gearbeitet haben wird. Nein, auch das bald erscheinende neue Album von Lana Del Rey hat Auerbach produziert. Und dennoch – als wäre das nicht schon genug Stress – hat der Tausendsassa noch Zeit gefunden, nach Nashville zu fahren, um sich dort um das mittlerweile fünfte Album des Singer/Songwriters Ray LaMontagne zu kümmern.
Supernova, so heißt LaMontagnes neues Werk, an dem der Black Keys-Frontmann sich hinter den Reglern austoben durfte. Und, ähnlich wie DJ Brian Burton aka Danger Mouse, dem es längst gelungen ist, einen so erfolgreichen Sound zu kreieren, dass ihn sich viele Musiker wie Damon Albarn (The Good, The Bad and The Queen), Cee-Lo Green (Gnarls Barkley) oder James Mercer (Broken Bells) zu eigen machten, wildert nun also auch Auerbach in immer wieder neuen Gefilden herum.
Diesmal also an der Seite von Ray LaMontagne, dem US-amerikanischen Musiker, der vor seiner Karriere in einer Schuhfabrik gearbeitet hat. Nach einem Deal mit dem Majorlabel RCA konnte er seinen Job jedoch getrost an den Nagel hängen. Jetzt, fünf Alben und zahlreiche Musikpreise später, ist der 40-Jährige längst eine sichere Nummer im Business. 

Mit seinem ungeschliffenen selbst produzierten Erstling (Trouble) hat Supernova jedoch nichts mehr gemein. Hörte sich das noch eher nach sympathischer Hinterhofproduktion an, schafft es Auerbach LaMontagne so klingen zu lassen, wie Auerbach eben selbst klingt: ein bisschen nach Garage, ein wenig nach Hippie-Festival und dreckigem Bluesrock. Doch – Oh Wunder! – auch das macht unheimlich viel Spaß. Den Titeltrack möchte man(n) seiner Herzdame den ganzen Tag vorsingen. Oder wenigstens dazu mit ihr auf dem Beifahrersitz in einem Mustang gen Sonnenuntergang brettern.
LaMontagnes neues Album bietet – wenn man wirklich ehrlich ist – keine so große Varianz im Rahmen seiner Möglichkeiten. Doch der ist eben auch tatsächlich nicht groß gesteckt. In dieser Form von handgemachter Musik funktioniert der Amerikaner tadellos. Dass sein fünftes Album dem Genre Jazz oder Hardrock zuzuordnen gewesen wäre, hätte man ihm ohnehin nicht abgenommen. Einzig seiner Stimme, die vormals eher rauh und kratzig aus den Boxen drang, ist jetzt samtig aufpoliert. Ob das an Auernbachs Mischkünsten liegt oder LaMontagnes Stimme sich von allein in den vergangenen dreeinhalb Jahren verändert hat – man weiß es nicht.

Supernova jedenfalls ist ein tadelloser Sommersoundtrack geworden, dessen bester Song (Drive-In Movies) am Ende auf einen wartet und den Wunsch in einem weckt, dass das doch bitte noch eine kleine Ewigkeit so weitergehen könnte. Das gesamte Album ist geradezu prädestiniert für Zeitlupengedanken, das große Rumknutschen, entspanntes auf der Wiese liegen und Wolken beobachten oder einfach für zwei ineinander Verknallte, die sich mal wieder 43 Minuten lang verliebt anstarren wollen.
Ray LaMontagneSupernovaVÖ: 02. Mai 2014

    Foto: Samatha Casolari

    Sommer, jetzt!

    Dan Auerbach, eine Hälfte der Black Keys, hatte in den vergangenen Monaten sicher einiges zu tun. Nicht nur, dass am 9. Mai das neue Album seiner eigenen Band erscheint, an dem er entsprechend lang gearbeitet haben wird. Nein, auch das bald erscheinende neue Album von Lana Del Rey hat Auerbach produziert. Und dennoch – als wäre das nicht schon genug Stress – hat der Tausendsassa noch Zeit gefunden, nach Nashville zu fahren, um sich dort um das mittlerweile fünfte Album des Singer/Songwriters Ray LaMontagne zu kümmern.

    Supernova, so heißt LaMontagnes neues Werk, an dem der Black Keys-Frontmann sich hinter den Reglern austoben durfte. Und, ähnlich wie DJ Brian Burton aka Danger Mouse, dem es längst gelungen ist, einen so erfolgreichen Sound zu kreieren, dass ihn sich viele Musiker wie Damon Albarn (The Good, The Bad and The Queen), Cee-Lo Green (Gnarls Barkley) oder James Mercer (Broken Bells) zu eigen machten, wildert nun also auch Auerbach in immer wieder neuen Gefilden herum.

    Diesmal also an der Seite von Ray LaMontagne, dem US-amerikanischen Musiker, der vor seiner Karriere in einer Schuhfabrik gearbeitet hat. Nach einem Deal mit dem Majorlabel RCA konnte er seinen Job jedoch getrost an den Nagel hängen. Jetzt, fünf Alben und zahlreiche Musikpreise später, ist der 40-Jährige längst eine sichere Nummer im Business. 

    Mit seinem ungeschliffenen selbst produzierten Erstling (Trouble) hat Supernova jedoch nichts mehr gemein. Hörte sich das noch eher nach sympathischer Hinterhofproduktion an, schafft es Auerbach LaMontagne so klingen zu lassen, wie Auerbach eben selbst klingt: ein bisschen nach Garage, ein wenig nach Hippie-Festival und dreckigem Bluesrock. Doch – Oh Wunder! – auch das macht unheimlich viel Spaß. Den Titeltrack möchte man(n) seiner Herzdame den ganzen Tag vorsingen. Oder wenigstens dazu mit ihr auf dem Beifahrersitz in einem Mustang gen Sonnenuntergang brettern.

    LaMontagnes neues Album bietet – wenn man wirklich ehrlich ist – keine so große Varianz im Rahmen seiner Möglichkeiten. Doch der ist eben auch tatsächlich nicht groß gesteckt. In dieser Form von handgemachter Musik funktioniert der Amerikaner tadellos. Dass sein fünftes Album dem Genre Jazz oder Hardrock zuzuordnen gewesen wäre, hätte man ihm ohnehin nicht abgenommen. Einzig seiner Stimme, die vormals eher rauh und kratzig aus den Boxen drang, ist jetzt samtig aufpoliert. Ob das an Auernbachs Mischkünsten liegt oder LaMontagnes Stimme sich von allein in den vergangenen dreeinhalb Jahren verändert hat – man weiß es nicht.

    Supernova jedenfalls ist ein tadelloser Sommersoundtrack geworden, dessen bester Song (Drive-In Movies) am Ende auf einen wartet und den Wunsch in einem weckt, dass das doch bitte noch eine kleine Ewigkeit so weitergehen könnte. Das gesamte Album ist geradezu prädestiniert für Zeitlupengedanken, das große Rumknutschen, entspanntes auf der Wiese liegen und Wolken beobachten oder einfach für zwei ineinander Verknallte, die sich mal wieder 43 Minuten lang verliebt anstarren wollen.

    Ray LaMontagne
    Supernova
    VÖ: 02. Mai 2014

  2. Mehr als ein bloßer Black-Keys-Ersatz
Der Amerikaner Hanni El Khatib ist Sohn philippinischer und palästinischer Einwanderer. Irgendwo in San Francisco – mit einem Skateboard unter den Füßen, Punk-Musik und dem Garagenrock der 50er und 60er Jahre – ist El Khatib aufgewachsen.
Irgendwann war der Drang selbst Musik zu machen, übermächtig groß. Während sein Debütalbum Will The Guns Come Out (2011) vermutlich (vor allem aus kommerzieller Sicht) als Enttäuschung angesehen werden muss, dürfte sein zweites Album Head In The Dirt vermutlich größere Wellen schlagen, garantiert.

Produziert von Dan Auerbach (The Black Keys) ist der Einfluss seiner Hausband auf Head In The Dirt auch unüberhörbar. Trotzdem ist El Khatib mehr als ein bloßer Black-Keys-Ersatz. Die elf Songs seines zweiten Albums klingen ein bisschen nach ausgestrecktem Mittelfinger, jeder Menge Spaß und einer guten Portion Rebellion.
Wo sich die erste Single, Penny, noch nach einem waschechten Pop-Hit anhört (in diesem Fall jedoch ausschließlich im Sinne eines verdient populär werdenden Songs), überzeugen andere Stücke auf Head In The Dirt mit einer ziemlich “Bock auf mehr” machenden Blues-DooWop-Garagenrock-Attitüde. Da wird gelungen Bezuig genommen auf The Clash (Nobody Move), Black Sabbath (Pay No Mind), die Rolling Stones (Save Me) und – wie könnte es anders sein – The Black Keys.

Das alles macht mächtig Laune. Zum Glück! Denn sind wir doch ehrlich: Die Tage werden grauer, aber El Khatib macht Feuer. Eins, das hoch lodert – wenn auch nicht lang. Nach nur 33 Minuten ist dieses durchweg gute Album schon wieder vorüber. Immerhin gibt es die Repeat-Funktion am Abspielgerät in der Tasche und eine albumbegleitende Deutschland-Tour im September steht auch noch bevor. Vielleicht, es bleibt vorerst nur eine Idee, überlebt die Hitze dieses Sommers ein paar Wochen länger in uns.  
Hanni El KhatibHead In The DirtVÖ: 30. August 2013

    Mehr als ein bloßer Black-Keys-Ersatz

    Der Amerikaner Hanni El Khatib ist Sohn philippinischer und palästinischer Einwanderer. Irgendwo in San Francisco – mit einem Skateboard unter den Füßen, Punk-Musik und dem Garagenrock der 50er und 60er Jahre – ist El Khatib aufgewachsen.

    Irgendwann war der Drang selbst Musik zu machen, übermächtig groß. Während sein Debütalbum Will The Guns Come Out (2011) vermutlich (vor allem aus kommerzieller Sicht) als Enttäuschung angesehen werden muss, dürfte sein zweites Album Head In The Dirt vermutlich größere Wellen schlagen, garantiert.

    Produziert von Dan Auerbach (The Black Keys) ist der Einfluss seiner Hausband auf Head In The Dirt auch unüberhörbar. Trotzdem ist El Khatib mehr als ein bloßer Black-Keys-Ersatz. Die elf Songs seines zweiten Albums klingen ein bisschen nach ausgestrecktem Mittelfinger, jeder Menge Spaß und einer guten Portion Rebellion.

    Wo sich die erste Single, Penny, noch nach einem waschechten Pop-Hit anhört (in diesem Fall jedoch ausschließlich im Sinne eines verdient populär werdenden Songs), überzeugen andere Stücke auf Head In The Dirt mit einer ziemlich “Bock auf mehr” machenden Blues-DooWop-Garagenrock-Attitüde. Da wird gelungen Bezuig genommen auf The Clash (Nobody Move), Black Sabbath (Pay No Mind), die Rolling Stones (Save Me) und – wie könnte es anders sein – The Black Keys.

    Das alles macht mächtig Laune. Zum Glück! Denn sind wir doch ehrlich: Die Tage werden grauer, aber El Khatib macht Feuer. Eins, das hoch lodert – wenn auch nicht lang. Nach nur 33 Minuten ist dieses durchweg gute Album schon wieder vorüber. Immerhin gibt es die Repeat-Funktion am Abspielgerät in der Tasche und eine albumbegleitende Deutschland-Tour im September steht auch noch bevor. Vielleicht, es bleibt vorerst nur eine Idee, überlebt die Hitze dieses Sommers ein paar Wochen länger in uns.  

    Hanni El Khatib
    Head In The Dirt
    VÖ: 30. August 2013

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