1. Es kratzt
Alison Goldfrapp ist zurück. Und, um es gleich vorwegzunehmen: Gemeinsam mit ihrem musikalischen Partner Will Gregory war sie seit Felt Mountain (2001) nicht so gut, wie auf ihrem neuen Album Tales of us. Dieses will eigentlich ein Konzeptalbum sein: Jeder Titel trägt den Namen einer Frau, bis auf das Stück Stranger.
Damit sind wir bereits beim einzigen Manko dieses knapp 45 minütigen Albums angelangt: Natürlich ist das Konzept zu klein und am Ende nur als Schablone für zehn Geschichten, die auch ohne weibliche Vornamen funktionieren würden. Punkt, aus – mehr Schlechtes gibt es zu diesem ersten Herbstmeisterwerk des 2013er Musikmarktes nicht zu sagen.
Über Mandolinen, Gitarren, Streichern und sachtem (nicht seichtem!) Seelenpop schwebt Alison Goldfrapps Stimme und malt Bilder einer Welt, die still zu stehen scheint. Und das ist erstaunlich. Goldfrapp haben nahezu alle Genres durchexerziert: von Chill-out zu Disco über Glam Rock hin zu Elektro. Und jetzt? Was ist das hier? Am ehesten vielleicht Chill-out. Wobei diese Klassifizierung Tales of us nicht einmal im Ansatz gerecht wird.
Nichts hieran ist handzahm, geschweige denn bloßes Entspannen. Manchmal klingt Golfrapps Stimme verzerrt, geradezu geisterhaft majestätisch. Als würde sie hinter dichtem Nebel stehen und selbst nicht wissen, ob sie auf der Jagd ist oder warnen will vor dem Leben.
Und weil ich einfach nicht aufhören kann, beim Hören dieser Musik in Bildern zu denken, noch dieses hier: Tales of us ist einer dieser Pullover, den man wegen des Musters, der Farbe und des Schnitts liebt. Aber er kratzt hin und wieder. Und dieses Kratzen nimmt man in Kauf, weil man weiß, dass er einem steht. Man fühlt sich gut darin.
Kurzum: Zeitlos ist das, was Goldfrapp uns hier schenken. Und damit beachtlich weit weg vom kurzweiligen Head First (2010), was vielleicht noch erwähnt werden sollte, weil es diesem Ausreißer am sonst so präsenten Goldfrapp-Spirit fehlte. Tales of us hingegen ist anders. Groß und gefährlich nämlich. Alternativpop also, der bleibt.

GoldfrappTales of usVÖ: 06. September 2013

    Es kratzt

    Alison Goldfrapp ist zurück. Und, um es gleich vorwegzunehmen: Gemeinsam mit ihrem musikalischen Partner Will Gregory war sie seit Felt Mountain (2001) nicht so gut, wie auf ihrem neuen Album Tales of us. Dieses will eigentlich ein Konzeptalbum sein: Jeder Titel trägt den Namen einer Frau, bis auf das Stück Stranger.

    Damit sind wir bereits beim einzigen Manko dieses knapp 45 minütigen Albums angelangt: Natürlich ist das Konzept zu klein und am Ende nur als Schablone für zehn Geschichten, die auch ohne weibliche Vornamen funktionieren würden. Punkt, aus – mehr Schlechtes gibt es zu diesem ersten Herbstmeisterwerk des 2013er Musikmarktes nicht zu sagen.

    Über Mandolinen, Gitarren, Streichern und sachtem (nicht seichtem!) Seelenpop schwebt Alison Goldfrapps Stimme und malt Bilder einer Welt, die still zu stehen scheint. Und das ist erstaunlich. Goldfrapp haben nahezu alle Genres durchexerziert: von Chill-out zu Disco über Glam Rock hin zu Elektro. Und jetzt? Was ist das hier? Am ehesten vielleicht Chill-out. Wobei diese Klassifizierung Tales of us nicht einmal im Ansatz gerecht wird.

    Nichts hieran ist handzahm, geschweige denn bloßes Entspannen. Manchmal klingt Golfrapps Stimme verzerrt, geradezu geisterhaft majestätisch. Als würde sie hinter dichtem Nebel stehen und selbst nicht wissen, ob sie auf der Jagd ist oder warnen will vor dem Leben.

    Und weil ich einfach nicht aufhören kann, beim Hören dieser Musik in Bildern zu denken, noch dieses hier: Tales of us ist einer dieser Pullover, den man wegen des Musters, der Farbe und des Schnitts liebt. Aber er kratzt hin und wieder. Und dieses Kratzen nimmt man in Kauf, weil man weiß, dass er einem steht. Man fühlt sich gut darin.

    Kurzum: Zeitlos ist das, was Goldfrapp uns hier schenken. Und damit beachtlich weit weg vom kurzweiligen Head First (2010), was vielleicht noch erwähnt werden sollte, weil es diesem Ausreißer am sonst so präsenten Goldfrapp-Spirit fehlte. Tales of us hingegen ist anders. Groß und gefährlich nämlich. Alternativpop also, der bleibt.

    Goldfrapp
    Tales of us
    VÖ: 06. September 2013

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